Deutschland produziert so viel Solarstrom wie nie – und drückt damit die Preise an der Börse tief ins Minus. War das Osterwochenende noch stark durch Windstrom geprägt, dominierte am Dienstag und Mittwoch danach die Photovoltaik (PV).
Nach aktuellen Marktdaten speisten PV-Anlagen am Mittwoch zeitweise mehr als 53 Gigawatt (GW) ein – ein neuer Rekordwert. Der bisherige Höchstwert lag im Juni des Vorjahres bei 52,5 GW.
Über 100 Euro im Minus
Damit deckte Solarstrom zur Mittagszeit bereits einen Großteil der Last. Die Folge zeigte sich direkt am Day-Ahead-Markt: Über mehrere Stunden fielen die Preise unter die Nulllinie – am Mittwoch bis auf rund minus 40 Euro pro Megawattstunde (MWh).
Der Oster-Trend setzt sich damit fort: Insgesamt lagen die Preise über die Feiertage mehr als 30 Stunden im negativen Bereich. In den Mittagsstunden sackten sie teils deutlich unter Null. In der Spitze mussten Anbieter über 130 Euro pro MWh draufzahlen, damit ihr Strom abgenommen wird.
Preisrisiken für Erneuerbaren-Betreiber nehmen zu
Solche Konstellationen entstehen regelmäßig an Feiertagen. Die Industrie drosselt ihre Produktion, Büros bleiben geschlossen, der Verbrauch sinkt. Trotzdem liefern Solaranlagen zur Mittagszeit unverändert hohe Leistungen. Auch an Ostern 2025 fielen die Börsenstrompreise auf bis zu minus 130 Euro. In der Woche darauf waren es damals sogar minus 250 Euro. Die Ausschläge haben sich bislang somit nicht weiter verschärft.
Dennoch nehmen die wirtschaftlichen Risiken zu – insbesondere für Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen, die erst kürzlich ans Netz gegangen sind. Sobald der Börsenpreis negativ ist, entfällt nach §51 Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die Marktprämie. In diesen Stunden erhalten Anlagenbetreiber weder Förderung noch Erlöse aus dem Stromverkauf. Über Ostern summierten sich so mehr als 30 Stunden ohne Vergütung.
Für viele Anlagen fällt damit mehr als ein ganzer Produktionstag wirtschaftlich aus. Besonders betroffen sind Betreiber ohne eigene Flexibilität, wie etwa Batteriespeicher. Sie können ihre Einspeisung kaum anpassen und tragen das Preisrisiko direkt.
Direktvermarkter sprechen inzwischen von planbaren Risikofenstern. Feiertage im Frühjahr gelten als besonders kritisch. Viel Sonne trifft auf geringe Last – die Preise reagieren immer häufiger mit negativen Ausschlägen.
Der Zubau von Photovoltaik geht weiter
Der Rekordwert bei der Solarstromerzeugung verschärft die Lage zusätzlich. Mit jeder neuen Anlage steigt die Einspeisung zur gleichen Tageszeit. Ohne zusätzliche Nachfrage oder Speicher wächst das Überangebot. Seit Jahresbeginn dürften rund 3 GW neue Photovoltaik-Anlagen hinzugekommen sein.
Inzwischen müssen auch kleinere PV-Anlagen ab einer Spitzenleistung von 7 Kilowatt peak (kWp) steuerbar sein. Netzbetreiber können ihre Einspeisung in Zeiten hohen Angebots und niedriger Nachfrage drosseln. Allerdings kommt der Einbau intelligenter Messsysteme nur schleppend voran. Zudem sind Bestandsanlagen von der Regel ausgenommen und müssen erst bis 2029 nachgerüstet werden. Negative Preise dürften daher vorerst häufiger auftreten.



