Raus aus fossilen Energiequellen hin zu klimaneutralem Wachstum: Diesem Ziel hat sich der französische Konzern Engie verpflichtet. Dazu passt, dass die deutsche Tochter in den vergangenen Wochen vor allem durch PPAs mit Google und BASF, Currenta und zuletzt auch Aluminiumhersteller Alunorf Schlagzeilen machte. Mittlerweile hat der Konzern in der Bundesrepublik ein PPA-Portfolio von fast 700 MW. Ein Gespräch mit Katrin Fuhrmann, Chefin der Origination-Abteilung, die auch die PPA-Geschäfte verantwortet, über Chancen und Hürden im deutschen Markt.
Frau Fuhrmann, eigentlich gelten Spanien oder Skandinavien derzeit als attraktivere PPA-Märkte als Deutschland. Trotzdem baut Engie auch hierzulande sein Geschäft stark aus. Was ist denn so interessant am deutschen PPA-Markt?
Zum einen ist Deutschland der größte Strommarkt in Europa und auch im Bereich erneuerbarer Energien ein Vorreiter. Zum anderen hat sich die Bundesregierung ziemlich ambitionierte Ausbauziele gesetzt. Dadurch dürfte auch die Zahl erneuerbarer Energieanlagen in den kommenden Jahren deutlich zulegen. Schon jetzt sehen wir, dass die Nachfrage nach PPAs auf Betreiber- und Kundenseite erheblich steigt. Dabei hilft sicherlich, dass nun immer mehr Altanlagen aus der EEG-Förderung fallen und Betreiber nach wirtschaftlich attraktiven Alternativen suchen. Da eignen sich PPAs sehr gut.
Engie verkündete im vergangenen Jahr vor allem Abschlüsse mit ganz großen Playern wie Google oder BASF. Heißt das im Umkehrschluss, dass sich kleinere Unternehmen für PPAs noch nicht interessieren?
Nein, der Eindruck täuscht. Zwar sind PPAs mit den Großen immer noch vorherrschend, aber sie sind bei weitem nicht mehr die Einzigen. Es stimmt, dass nicht alle Unternehmen für eine Laufzeit von 25 Jahre gemacht sind. Und nicht alle sind bereit, Strom aus Anlagen zu beziehen, die noch gar nicht genehmigt sind. Aber es müssen ja auch nicht alle sofort einen hundertprozentigen, 24/7-Erneuerbaren-Deal abschließen. Es gibt genügend Alternativen, um die ersten Schritte zu gehen, auch am PPA-Markt: zum Beispiel Verträge über zwei, drei Jahre, mit ausgeförderten Windkraftanlagen als Stromproduzenten.
Aus welchen Branchen kommen Unternehmen, die bei Ihnen wegen PPAs nachfragen?
Das ist breit gestreut. IT- und Tech-Firmen sind noch immer ganz vorne dabei, weil sie sich schon mit am längsten mit dem Thema beschäftigt haben. Allerdings haben wir mittlerweile auch Interessenten aus dem Chemie-, Stahl und Nahrungsmittelsektor.
Gehören auch Stadtwerke zu Ihren Kunden?
Ja. Wir arbeiten bereits seit Jahren mit sehr vielen Stadtwerken erfolgreich zusammen. Aufbauend auf klassischen Marktzugangsverträgen über die Direktvermarktung von Wind und PV-Anlagen wächst die Nachfrage nach neuen Lösungen hinsichtlich erneuerbarer Energien. Und wir sind dabei, diesen Bereich weiter auszubauen.
Warum?
Zum einen sehen wir, dass immer mehr Stadtwerke ihr Portfolio vergrünen wollen und deshalb auch verstärkt Interesse an PPAs zeigen. Zum anderen betreiben viele Stadtwerke selbst erneuerbare Energieanlagen, kommen also auch als Stromlieferanten infrage. Wir sehen uns dann vor allem als Kooperationspartner, der die Risiken der fluktuierenden Erzeugung übernimmt und nach Wunsch PPAs auch mit technologie- und anlagenspezifischen Herkunftsnachweisen kombiniert.
PPA-Verhandlungen gelten als langwierig und kompliziert. Wo sind nach Ihrer Erfahrung die größten Hürden?
Kreditrisiken sind eine große Hürde – auf beiden Seiten. Gerade wenn es um Anlagen geht, die noch genehmigt und gebaut werden müssen, oder um Laufzeiten, die weit in die Zukunft weisen. Hier stellt sich die Frage, wer wie welche Risiken trägt. Für Betreiber ausgeförderter Anlagen sind PPAs ebenfalls eine große Umstellung. Denn bislang mussten sie sich dank EEG nicht um die Marktvolatilität kümmern. Dies ist ein ganz neuer Schritt, bei dem wir ihnen zur Seite stehen, damit sie den Markt besser verstehen und die richtigen Entscheidungen treffen. Helfen würden zudem eine bessere Infrastruktur für Herkunftsnachweise und mehr Klarheit zu Fragen wie: Haben energieintensive Unternehmen, die Strom über ein PPA beziehen, noch Anspruch auf die Strompreiskompensation? Und welche Accounting-Standards gelten für beispielsweise für virtuelle PPAs?
Preislich galten PPAs lange als wenig attraktiv. Das scheint sich mit extrem hohen und volatilen Strompreisen im Großhandel gedreht zu haben.
Tatsächlich sind gerade für Betreiber dank der hohen Strompreise PPAs nun umso attraktiver. Für Abnehmer werden PPAs insofern interessanter, weil sie mehr Preisstabilität garantieren. Allerdings ist nach unserer Erfahrung der Preis nicht das wichtigste Argument für Unternehmen, um PPAs abzuschließen. Im Vordergrund steht fast immer der Wille, sich grünen Strom zu sichern und so den eigenen Klimazielen gerecht zu werden.
Die Fragen stellte Andreas Baumer



