Nach Daten der Plattform Energy-Charts fuhren die beiden Blöcke des Trianel-Gaskraftwerks in Hamm im August 2020 zu 67 Prozent auf Volllast. Im August 2021 war es weniger als ein Prozent.

Nach Daten der Plattform Energy-Charts fuhren die beiden Blöcke des Trianel-Gaskraftwerks in Hamm im August 2020 zu 67 Prozent auf Volllast. Im August 2021 war es weniger als ein Prozent.

Bild: © Trianel

Trotz historisch hoher Großhandelspreise und Sparappelle aus der Politik wurde in den vergangenen Wochen in Deutschland mindestens genauso viel Erdgas verstromt wie im Vorjahreszeitraum.

Wie Grafiken der Fraunhofer-Datenplattform Energy-Charts zeigen, wurden allein im Mai 4 TWh Strom aus Erdgas produziert – ein neuer Rekord für diesen Monat, wie Bruno Burger, Betreiber des Portals und Professor am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, auf Twitter kommentierte. Im Vorjahresmonat wurden lediglich 3 TWh Strom aus Erdgas erzeugt.

Produzierte Strommenge konstant

Auch im laufenden Juni wurden bereits 2,1 TWh Strom aus Gas produziert. Hochgerechnet könnte die Menge zu Ende des Monats knapp unter dem Wert des Vorjahreszeitraums, aber im Fünfjahresmedian liegen. 2021 wurden 4,3 TWh Strom aus Gas erzeugt.

Insgesamt blieb die in Deutschland produzierte Strommenge im Mai mit etwa 39 TWh konstant. Merklich änderte sich dagegen der Beitrag der Kernenergie (–58 Prozent) am Strommix. Zur Erinnerung: Ende vergangenen Jahres gingen drei Kernkraftwerke vom Netz. Auch die erneuerbaren Energien trugen im Mai dieses Jahres weniger bei (–6 Prozent).

Kohle kann Lücke nicht schließen

Zwar produzierten Kohlekraftwerke deutlich mehr Strom als im Mai 2022 (+30 Prozent bei Steinkohle,  +45 Prozent bei Braunkohle). Jedoch konnten sie allein die Lücke nicht füllen. Dazu kommt, dass sich Erdgaskraftwerke üblicherweise besser eignen als Braunkohlekraftwerke, kurzfristige Schwankungen bei den Erneuerbaren auszugleichen.

Auch in dieser Woche betrug der Gasanteil am deutschen Strommix bislang gut zehn Prozent (Stand Mittwochabend, Energy-Charts). Vor allem wegen schwacher Windverhältnisse trugen erneuerbare Energien bis zur Wochenmitte lediglich 49 Prozent zum Strommix bei. Größter Stromerzeuger waren Braunkohlekraftwerke (20 Prozent).

Politische Debatte

Dies führte zusammen mit neuen Unsicherheiten um die russischen Gasflüsse dazu, dass sowohl die Preise im Spot- als auch am Terminmarkt in neue Höhen sausten. So kostete der Frontmonat an der Energiebörse EEX am Donnerstagabend 273 Euro pro MWh – ein Sprung von 50 Prozent innerhalb von nur drei Tagen. (Weitere Zahlen finden Sie im ZfK-Datenraum.)

Erst jüngst beschloss das Bundeskabinett, die Erdgasverstromung im Fall einer Gasmangellage mit Strafzahlungen zu belegen. Nun berät der Bundestag darüber. Vertreter der Energiebranche wehren sich gegen das Vorhaben. "Sollten über die Pönale die Wärmepreise nach oben geschoben werden, wäre das ein Skandal", sagte etwa Rheinenergie-Chef Dieter Steinkamp. (Die ZfK berichtete.) (aba)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper