Bundesumwelt- und Naturschutzminister Carsten Schneider (SPD) beim Handelsblatt Energie-Gipfel 2026 in Berlin

Bundesumwelt- und Naturschutzminister Carsten Schneider (SPD) beim Handelsblatt Energie-Gipfel 2026 in Berlin

Bild: © Dietmar Gust

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat sich beim Handelsblatt-Energiegipfel 2026 in Berlin klar gegen einen Kurswechsel in der Energie- und Klimapolitik ausgesprochen. "Ich möchte beim Klimaschutz kein Wackeln, vor allem keinen Schlingerkurs", sagte Schneider. Die Zukunft der Energieversorgung sei erneuerbar – auch aus sicherheits- und industriepolitischen Gründen.

Mit Blick auf die anstehende Novelle der Erneuerbaren-Förderung (EEG) kündigte der Minister stärkere marktwirtschaftliche Elemente an. Künftig sollen Betreiber in Zeiten sehr hoher Strompreise Erlöse teilweise in den Klima- und Transformationsfonds zurückzahlen.

"Die Übergewinne, die es hier und dort gab, müssen wir noch abschöpfen", so Schneider. Das entlaste zugleich den Bundeshaushalt. Die Investitionssicherheit des EEG stellte er jedoch ausdrücklich nicht infrage. Ein Ausstieg oder eine grundlegende Kehrtwende wäre "teuer und verunsichernd".

Früherer Kohleausstieg nicht ausgeschlossen

Schneider verwies darauf, dass Deutschland jährlich rund 80 Milliarden Euro für fossile Energieimporte ausgebe. Erneuerbare Energien seien daher nicht nur Klimaschutz-, sondern auch "Sicherheitsenergien". Der Ausbau müsse ambitioniert fortgesetzt werden. Für die Lausitz schloss er einen früheren Kohleausstieg nicht aus – schlicht, weil sich Kohleverstromung wirtschaftlich zunehmend nicht mehr rechne.

Beim Netzausbau mahnte der Umweltminister mehr Tempo und Effizienz an. Verzögerungen kosteten Milliarden durch Redispatch-Maßnahmen. Der Grundsatz müsse bleiben, dass der Netzausbau dem Ausbau der Erneuerbaren folge. Bei Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte dies zuletzt anders geklungen.

Gleichzeitig sprach sich Schneider für eine intelligentere Nutzung der Netze und einen schnelleren Anschluss von Batteriespeichern aus. Neue Leitungen sollten künftig vorrangig als Freileitungen realisiert werden, da sie schneller gebaut und repariert werden könnten.

Kein Aufweichen beim Heizungsgesetz

Deutlich positionierte sich Schneider auch zum Gebäudeenergiegesetz (GEG), besser bekannt als "Heizungsgesetz". Das Ziel, dass neue Heizungen überwiegend auf erneuerbaren Energien basieren, müsse Bestand haben. Ein Aufweichen würde die Klimaziele gefährden. Das GEG werde derzeit zwischen Fraktionsspitzen und Ministerien verhandelt, inhaltlich sei jedoch klar: "Ich bin für ein Festhalten."

Zur Kraftwerksstrategie sagte Schneider, Gaskraftwerke seien in der Übergangsphase notwendig, müssten aber wasserstofffähig gebaut werden. Beim Wasserstoffhochlauf zeigte er sich pragmatisch: Zum Start könne Wasserstoff auch "eine andere Farbe" als grün haben, entscheidend sei der Markthochlauf und die Nachfrage, etwa über grüne Leitmärkte für Stahl.

Kein Nachlass beim CO2-Preis

Schneider kündigte an, sich in Brüssel für eine Verlängerung zentraler ETS-I-Regelungen über 2039 hinaus einzusetzen, um die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien zu sichern. Für die Übergangsphase 2027/28 bis zum Start des ETS II werde derzeit noch über nationale Lösungen beraten. Klar sei jedoch: Der CO₂-Preis in Deutschland werde nicht unter 65 Euro sinken.

Insgesamt warb der Minister für Verlässlichkeit: Investoren bräuchten klare Rahmenbedingungen, gerade angesichts globaler Unsicherheiten. "Die Erfolgsgeschichte der Erneuerbaren muss fortgeschrieben werden", sagte Schneider – sozial abgefedert, marktwirtschaftlich weiterentwickelt und mit beschleunigtem Netzausbau unterlegt.

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