Die im Pilotprojekt eingesetzten Fahrzeuge von Volkswagen Nutzfahrzeuge an bidirektionalen Ladesäulen: Enercity hat mit einem Teil der Flotte erstmals Strom aus Fahrzeugbatterien ins öffentliche Netz eingespeist und erfolgreich an der Strombörse vermarktet.

Die im Pilotprojekt eingesetzten Fahrzeuge von Volkswagen Nutzfahrzeuge an bidirektionalen Ladesäulen: Enercity hat mit einem Teil der Flotte erstmals Strom aus Fahrzeugbatterien ins öffentliche Netz eingespeist und erfolgreich an der Strombörse vermarktet.

Bild: © Enercity/Philipp Sonnack

Elektrofahrzeuge können künftig nicht nur Strom verbrauchen, sondern auch das Energiesystem stabilisieren. Diesen Nachweis hat Enercity nun nach eigenen Angaben als erstes Unternehmen in Deutschland erstmals im gewerblichen Realbetrieb erbracht.

Im Rahmen eines Pilotprojekts mit Volkswagen Nutzfahrzeuge seien Strommengen aus den Batterien von E-Fahrzeugen erfogreich ins öffentliche Netz eingespeist und über den Intraday-Handel an der Strombörse vermarktet worden, teilte Enercity auf Nachfrage mit. "Wir konnten Erlöse im niedrigen dreistelligen Bereich erzielen", sagte Maximiliane von Butler, Abteilungsleiterin Energie Innovation bei Enercity, zur ZFK.

Damit sei erstmals gezeigt worden, "dass bidirektionales Laden technisch funktioniert und wirtschaftliche Erlöse erzielen kann". Nach Angaben des Unternehmens nahmen zwölf Fahrzeuge des Typs "ID.Buzz" aus dem eigenen Fuhrpark über einen Zeitraum von 53 Stunden automatisiert am Intraday-Stromhandel teil.

Die Fahrzeuge wurden dabei gebündelt und wie ein virtueller Speicher vermarktet. "Das Ergebnis: Die Technologie funktionierte, die Fahrzeuge verhielten sich in der Aggregation wie ein virtueller Speicher, und wir konnten positive Erlöse erzielen. Damit ist die grundsätzliche Machbarkeit nachgewiesen", so von Butler.

Auf dem Weg zur "Flex Company"

Bidirektionales Laden gilt als Schlüsseltechnologie für ein Energiesystem mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien. Die Idee: Elektrofahrzeuge laden Strom bei günstigen Preisen oder hoher Grünstromproduktion und speisen ihn bei Bedarf wieder ins Netz zurück.

Enercity sieht darin einen wichtigen Baustein für die Energiewende. "Wir verstehen uns zunehmend als 'Flex Company', weil wir überzeugt sind, dass Flexibilität ein zentraler Baustein für eine kosteneffiziente Energiewende ist", erklärte von Butler weiter.

Nicht jede Herausforderung müsse durch zusätzlichen Netzausbau gelöst werden. Eine stärkere Nutzung von Flexibilitäten könne bestehende Infrastruktur effizienter auslasten und Kosten begrenzen.

Zuvor betonte auch die Enercity-Vorstandsvorsitzende Aurélie Alemany die Bedeutung des Projekts: "Flexibilität ist ein zentraler Baustein der Energiewende und wir sehen, dass wir sie mit bidirektionalem Laden zunehmend erschließen können", wird Alemany zitiert.

Gewerbliche E-Flotten könnten künftig genau dann Flexibilität bereitstellen, wenn das Energiesystem sie benötige. Das stärke die Netzstabilität, erleichtere die Integration erneuerbarer Energien und eröffne neue wirtschaftliche Potenziale für Unternehmen.

Regulierung bleibt größte Hürde

Während die technische Machbarkeit aus Sicht von Enercity nachgewiesen ist und auch die Automobilindustrie dies regelmäßig betont, sieht das Unternehmen die größten Herausforderungen derzeit im regulatorischen Bereich.

Offen seien jedoch weiterhin Fragen rund um Abrechnung, Netzentgelte, Abgaben und Umlagen, beonte von Butler. Für die Wirtschaftlichkeit sei entscheidend, wie gespeicherter Strom künftig behandelt werde und ob Doppelbelastungen vermieden würden. "Hier brauchen Unternehmen Planungssicherheit, damit aus erfolgreichen Pilotprojekten tragfähige Geschäftsmodelle werden können."

Als nächstes will Enercity die Technologie weiter optimieren und die gewonnenen Erfahrungen in marktfähige Angebote für Gewerbekunden überführen. Ziel sei es, bidirektionales Laden schrittweise zu einem festen Bestandteil des Produktportfolios auszubauen.

Großes Flottenprojekt mit Volkswagen

Das aktuelle Vermarktungsergebnis baut auf einem gemeinsamen Pilotprojekt von Enercity und Volkswagen Nutzfahrzeuge auf. Bereits im Frühjahr hatten beide Unternehmen angekündigt, das bidirektionale Laden mit einer Flotte von insgesamt 75 "ID.Buzz"-Fahrzeugen und entsprechender Ladeinfrastruktur im Realbetrieb zu testen.

Ziel des Vorhabens ist es, Elektrofahrzeuge als flexible Stromspeicher in das Energiesystem einzubinden und zusätzliche Erlösquellen für Unternehmensflotten zu erschließen.

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