Ein Hoffnungsträger sollte der Anfang November eingeführte neue Regelarbeitsmarkt sein. Er sollte garantieren, dass mehr Akteure Regelenergie bereitstellen würden, dass sich ein gesunderer Wettbewerb entwickeln würde, dass die Arbeitspreise durch die getrennte Beschaffung von Leistung und Arbeit sinken würden.
Spätestens jetzt steht fest: Der Hoffnungsträger ist zum Problemfall geworden. Bezuschlagte und selbst abgerufene Arbeitspreise im hohen fünfstelligen Bereich waren am Ende auch der Bundesnetzagentur viel zu hoch.
BNetzA bezieht Stellung
Deshalb hat die Regulierungsbehörde diese Woche eingegriffen und genau jene Preisobergrenze wieder eingezogen, die mit dem neuen Marktdesign eigentlich verschwinden sollte. Regelreserveanbieter können voraussichtlich von Anfang Januar 2021 an maximal 9999,99 Euro pro Megawattstunde (MWh) bieten. Bislang lag die technische Obergrenze bei knapp 100.000 Euro.
In einem 20-seitigen Beschlusspapier lieferte die Bundesnetzagentur nun eine ausführliche Begründung für ihr Handeln. Die Arbeitspreisgebote lägen deutlich über dem Niveau vor der Marktumstellung, schildert sie darin.
Mehr als 60.000 Euro pro MWh
Dies setze Bilanzkreisverantwortliche der Gefahr von sehr hohen Ausgleichspreisen aus, die sich am 2. Dezember auch realisiert hätten. Tatsächlich wurden an diesem Tag mitunter Arbeitspreise von mehr als 60.000 Euro pro MWh abgerufen.
Aus Sicht der Behörde liegen die Ursachen mitunter darin, dass der Regelarbeitsmarkt derzeit sowohl durch ein unerwartet geringes Angebot als auch durch eine hohe Anbieterkonzentration geprägt sei.
Größte Anbieter für hohe Preise verantwortlich
So hätten etwa in der Kalenderwoche 47 die Marktanteile des größten Anbieters sowohl an den abgegebenen als auch den bezuschlagten Regelarbeitsgeboten der positiven Sekundärregelleistung mehr als 60 Prozent betragen. Neben den hohen Marktanteilen dieser Anbieter zeige sich zudem, dass insbesondere diese Anbieter in erheblichem Umfang für die hohen Preise verantwortlich seien.
"So wurden [beispielsweise] in einer Produktzeitscheibe 195 MW (dies entsprach 20 Prozent der gesamten Merit-Order) zum Höchstpreis von 99.999,99 Euro pro MWh angeboten", schreibt die Behörde.
Baywa r.e. Clens begrüßt Obergrenze
Daniel Hölder, Geschäftsführer des Erneuerbaren-Direktvermarkters Baywa r.e. Clens, schlug angesichts der hohen Regelenergiepreise am Regelarbeitsmarkt bereits vor Wochen Alarm. Er begrüßt, dass die Bundesnetzagentur nun der Forderung "zahlreicher Marktteilnehmer" nachgekommen sei und wieder eine Preisobergrenze eingeführt habe.
Zugleich warnt er: "Dies kann nur eine erste Notmaßnahme sein. Auch Abrufe zu 9999 Euro pro MWh führen zu exorbitanten Ausgleichsenergiepreisen." Daher sei es wichtig, die Probleme, die zu den hohen Preisen geführt hätten, nicht nur zu identifizieren, sondern auch Abhhilfe zu schaffen. Dass die Obergrenze zudem erst von Anfang Januar an gelte, hält er für "nicht akzeptabel".
"Marktdesign nicht Ursache"
Gegen eine staatlich festgesetzte Preisobergrenze wandte sich unter anderem das virtuelle Erneuerbaren-Kraftwerk Next Kraftwerke. Das Unternehmen hält es für sinnvoller, den Markteintritt etwa für Netzersatzanlagen zu erleichtern und so mehr Akteursvielfalt zu schaffen.
Jan Aengenvoort, Abteilungsleiter Kommunikation bei Next Kraftwerke, fürchtet nun, dass der neu eingeführte Regelarbeitsmarkt an sich infrage gestellt werde. Er betont: "Das Marktdesign als solches ist nicht die Ursache. Das geht in die richtige Richtung und ermöglicht prinzipiell mehr Liquidität."
"Probleme teils Jahrzehnte alt"
Das Problem sei vielmehr, dass es, wie von der Bundesnetzagentur angeführt, eine Anbieterkonzentration gebe und noch keinen flächendeckenden Rollout von neuen Flexibilitäten für die positive Regelenergie. Der Druck auf der Verbraucherseite, sich selbst mehr zu engagieren, sei auch nicht groß genug, was auch an einer veralteten Regulierung liege. "Diese Probleme haben aber nichts mit dem Regelarbeitsmarkt an sich zu tun." (ab)



