Frankreich hat ein Atomstromproblem. Von 56 Kernkraftwerken waren zu Beginn der abgelaufenen Woche 29 abgeschaltet, wie die französische Tageszeitung "Le Monde" berichtete – ein neuer Rekord.
Heißt umgekehrt: Nicht einmal die Hälfte des französischen Kernkraftwerkparks produzierte Strom. Die gelieferte Strommenge war demnach so niedrig wie seit 1999 nicht mehr.
EDF senkt Stromprognose
Ein Teil der Anlagen war wegen routinemäßiger Wartungsarbeiten nicht in Betrieb. Zwölf Kraftwerke aber mussten wegen möglicher Korrosionsschäden vom Netz. Dies zwang den Energieriesen EDF dazu, die Erwartungen für den Rest des Jahres weiter nach unten zu schrauben.
Erwartet werde eine Produktion von 280 bis 300 TWh, hieß es vom Konzern. Zuvor waren 295 bis 315 TWh prognostiziert worden.
Starke Preisschwankungen
Es ist nicht die erste überraschende Mitteilung des staatlich dominierten Energiekonzerns in diesem Jahr. Schon Anfang Februar hatte EDF die prognostizierten Stromliefermengen für dieses Jahr nach unten korrigiert – und die Energiemärkte kräftig durchgerüttelt. (Die ZfK berichtete.)
Auch diesmal kamen es zu starken Preisschwankungen. Am Donnerstag sprangen die französischen Strompreise für das vierte Quartal zwischendurch über die 500-Euro-Marke, ehe sie bei 460 Euro pro MWh Halt machten (Energiebörse EEX). Am Freitag schloss der Kontrakt bei 464 Euro pro MWh.
Deutsche Strompreise deutlich niedriger
Zum Vergleich: An der Kurzfristbörse Epex Spot wurde eine MWh Strom in Frankreich am Freitag für 178 Euro pro MWh gehandelt – auch das ein im Vergleich zu den Vorjahren hoher Wert, aber zugleich nur etwas mehr als ein Drittel des Preises, den französische Händler für den Winterbeginn hinlegen mussten.
Von den Turbulenzen des Nachbarlands scheinbar unbeeindruckt blieb dagegen der deutsche Strommarkt. Auch hier ist der Kontrakt für das vierte Quartal ungewöhnlich teuer. Allerdings waren die zuletzt gehandelten 259 Euro pro MWh nur halb so hoch wie in Frankreich.
Deutsche Gasspeicher füllen sich
Zwar dürften in großen Teilen deutsche Kraftwerke als Lückenfüller einspringen, sollten französische Atomkraftwerke weniger Strom produzieren als erwartet, was die Preise auch hierzulande treibt. Allerdings dürfte in Deutschland der deutlich größere Erneuerbaren-Kraftwerkpark als Puffer dienen.
Zudem werden die deutschen Gasspeicher beständig voller. Stand Donnerstag betrug der durchschnittliche Füllstand 43 Prozent (Quelle: AGSI+). Selbst in den bisherigen Sorgenspeicher im niedersächsischen Rehden, der allein knapp ein Fünftel der Speicherkapazitäten hierzulande ausmacht, wurde in den vergangenen Tagen kontinuierlich eingelagert. Der Füllstand dort am Freitagmorgen: 1,4 Prozent.
Gaspreis tendenziell sinkend
Dies dämpfte nicht zuletzt den Gaspreis. Der Kontrakt für das vierte Quartal schloss am Freitag bei 91 Euro pro MWh (Quelle: TTF, ICE Endex). Damit dürfte auch aus Gas gewonnener Strom günstiger werden.
Ein Umstand, der deutsche Energiehändler mit Blick auf den kommenden Winter deutlich mehr beruhigen dürfte als die von EDF-Hiobsbotschaften geplagten Kollegen in Frankreich. (aba)



