Felix Malige ist Product Manager Consumer Services bei Sonnen.

Felix Malige ist Product Manager Consumer Services bei Sonnen.

Bild: © sonnen

Herr Malige, es hat etwas gedauert, bis Sie als Sonnen Ihren ersten dynamischen Tarif auf den Markt gebracht haben. Woran lag das?

Wir wollten etwas Neues anbieten, das es so noch nicht gibt. Das heißt, dass wir bei unserem Tarif nicht nur die stündlichen Preisänderungen am Strommarkt an unsere Kunden weitergeben, sondern gleichzeitig auch durch den Einsatz eines Batteriespeichers den Strombezug optimieren. Dazu kommt die Einbindung in unser virtuelles Kraftwerk.

Wie soll das genau funktionieren?

Für den Tarif verwerten wir mehrere Preissignale gleichzeitig. Das sind einerseits die Strompreise am Spotmarkt. Andererseits die Optimierung des Eigenverbrauchs. Hinzu kommen ab 2025 dann auch dynamische Netzentgelte. Wir nehmen mit unseren dezentral vernetzten Speichern außerdem am Regelenergiemarkt teil und generieren dadurch zusätzliche Einkünfte. Dadurch können Kunden  bis zu 30 Prozent der Kosten gegenüber einem nicht aktiv-gemanagtem dynamischen Tarif einsparen und sogar zusätzliche Einnahmen erzielen.

Wie stark setzen Sie bei dem Prozess auf Automatisierung?

Wir setzen natürlich auf Automatisierung. Die wenigsten Menschen möchten sich selbst damit befassen, wann gerade der beste Zeitpunkt ist, die Waschmaschine anzuschalten oder den Speicher zu laden. Und gerade mit Blick auf unser zukünftiges Energiesystem geht es auch gar nicht anders, das ist zu komplex. Dabei können wir uns zum einen auf Bestands-Algorithmen für die Optimierung des Eigenverbrauches stützen. Gerade, was Verbrauchsprognosen angeht, haben wir seit vielen Jahren Erfahrung. Spannend wird es, wenn es um Preissignale im Intra-Day- und im Primärregelleistungsmarkt geht. Da müssen wir schnelle Entscheidungen treffen können und das geht nicht ohne Automatisierung. Allerdings brauchen wir immer noch Steuerungselemente, um manuell eingreifen zu können. Das gilt auch für unsere Kunden. Wir möchten nicht, dass sich unsere Kunden "entmachtet" fühlen.

Wie groß schätzen Sie das Potenzial für dynamische Tarife bei Sonnen ein?

Für Kunden mit einem dynamischen Tarif gibt es gute Chancen, Kosten zu sparen. Auch dann, wenn die Strompreise wieder steigen und für längere Zeit hoch bleiben sollten. In diesen Zeiten suchen wir den jeweils günstigsten Preis für unsere Kundinnen und Kunden und umgehen so die höchsten Preise. Sonnen wird aber weiterhin sowohl dynamische als auch Fixstrom-Tarife anbieten. Das hängt vom persönlichen Risiko-Appetit ab oder von den Rahmenbedingungen – etwa, ob ich im Eigenheim lebe und Zugang zu Speichermöglichkeiten habe.

Bei der Bereitstellung von Primärregelenergie arbeiten Sie ja bereits mit Übertragungsnetzbetreibern zusammen. Wie sieht es auf Verteilnetzebene aus?

Auf der Verteilnetzebene wird es interessant zu sehen, wie sehr der § 14a EnWG hier entlasten kann. Die Drosselung am Netzanschlusspunkt ist als letztes Mittel natürlich wichtig. Gleichzeitig sollten wir nicht nur extreme Lösungen entwickeln. Mit unserem virtuellen Kraftwerk können wir auch auf lokale Preisanreize wie die zeitvariablen Netzengelte reagieren aber eben auch mit anderen Signalen abstimmen, so dass Netzengpässe gar nicht erst entstehen. Solche flexiblen Dienstleistungen werden in Zukunft immer wichtiger. Unser Ziel ist es, den besten Nutzen für den Haushalt und gleichzeitig für das Stromnetz zu erreichen.

(Das Interview führte Julian Korb)

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