Das Steinkohlekraftwerk Walsum 10 hat eine elektrische Bruttoleistung von 790 MW.

Das Steinkohlekraftwerk Walsum 10 hat eine elektrische Bruttoleistung von 790 MW.

Bild: © Steag

Der Gesetzentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums sieht vor, dass die Unternehmen ab 2020 mehrere Ausschreibungen anbieten sollen, zu welchem Preis sie bereit sind, ihre Anlagen stillzulegen. Die günstigsten Angebote kämen dann zum Zug.

Aurora Energy Research hat nun durchgerechnet, mit welchen Angeboten die Kraftwerksbetreiber ins Rennen gehen müssten. Das Institut kommt zu dem Ergebnis, dass die Auktionen den Staat gemäß den aktuellen Ausgestaltungsplänen bis 2030 rund 1,2 Mrd. Euro kosten würden.

Weitere Schattenseite

Allerdings zeigt die Analyse auch, dass die in den Ausschreibungen vorgesehenen Höchstpreise dazu führen könnten, dass zu wenig Gebote abgegeben werden. Wodurch die angestrebten knapp 13 Gigawatt Steinkohlekraftwerke, die bis 2030 stillgelegt werden sollen, nicht erreicht würden. Dann wären zusätzlich gesetzlich angeordnete Schließungen nötig.

"Unsere Modellrechnungen machen deutlich, dass die regulatorischen Vorgaben einen erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse der Auktionen und damit auf den Erfolg des Kohleausstiegsgesetzes haben", sagt Hanns Koenig von Aurora Energy Research.

2,2 Gigawatt über Vorgaben stillegen

"Insgesamt müssten bei diesem Maximalpreis somit rund 2,2 Gigawatt mit ordnungsrechtlichen Vorgaben stillgelegt werden. Setzt man einen höheren Maximalpreis an, wären weniger Zwangsstilllegungen nötig und damit die Umsetzungsrisiken niedriger; allerdings würde die Kosteneffizienz dadurch sinken", erläutert Koenig.

Er erörtert dies anhand der Alter der Kraftwerke: Während 2022 genügend Angebote zusammenkämen, weil gerade in Norddeutschland viele ältere, unrentable Anlagen vorhanden seien.

2024 sämtliche Angebote über Maximalpreis

Allerdings lägen schon in der zweiten Ausschreibungsrunde im Jahr 2024 sämtliche Angebote über dem Maximalpreis. 2027 würden immerhin 64 Prozent der dann ausgeschriebenen Stilllegungen über die Auktion erreicht, 2030 erneut 100 Prozent.

Aufgrund dessen, dass ältere Kraftwerke gemäß den Plänen des Ministeriums nach 2030 nicht mehr entschädigt werden sollen, so Koenig.

Regierung vor Dilemma

"Bei den Überlegungen zum Maximalpreis für die Stilllegungsauktionen steht die Regierung vor einem Dilemma", sagt Koenig. Einerseits könnten Preisobergrenzen das Kostenrisiko für den Steuerzahler begrenzen; andererseits drohe durch dann nötige ordnungsrechtliche Schließungen Klagen der Betreiber. "Eigentlich wollte die Kohlekommission mit ihrem Ausstiegsplan genau dies verhindern."

Denn Rechtsstreitigkeiten könnten nicht nur zu weiteren Kosten für den Staat führen, etwa für zusätzliche Entschädigungen, sondern "bergen vor allem auch das Risiko von unkalkulierbaren Verzögerungen beim Kohleausstieg", so sein Fazit.

Szenario-Analysen helfen bei der Ermittlung

Ein weiterer Faktor, der nach den Aurora-Analysen starken Einfluss auf die Auktionsergebnisse nimmt, ist der so genannte Kohleersatzbonus, den Betreiber für den Ersatz von Kraft-Wärme-gekoppelten Kohlekraftwerken durch Gas-KWK-Anlagen erhalten.

Um eine Doppelförderung auszuschließen, sieht der aktuelle Gesetzesentwurf vor, dass in solchen Fällen nur entweder der Kohleersatzbonus oder die Stilllegungsprämie gezahlt wird. Das verändere jedoch für die Betreiber die betriebswirtschaftliche Rechnung und hat zur Folge, dass sie mit höheren Angeboten in die Auktion gehen.

Marktparameter sorgen für Unsicherheit

Schließlich stellen auch Marktparameter wie Rohstoffpreise, Stromnachfrage und -kosten sowie deren zukünftige Entwicklung einen erheblichen Unsicherheitsfaktor für den Ausgang der Auktionen dar, kommen die Analysten zum Schluss. Denn sie sind die Basis für die Preisangebote der Bieter.

"Für die Kraftwerksbetreiber stellt sich die Frage, wie ein erfolgreiches und gleichzeitig betriebswirtschaftlich tragfähiges Auktionsangebot aussieht", betont Koenig. Um den optimalen Preis für eine Stilllegung zu ermitteln, sollten diese ihre individuelle Situation genau analysieren und verschiedene Szenarien für die Zukunft im Energiemarkt aufstellen. (ab)

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