Von Julian Korb
Die drei größten Solaranbieter Europas kommen allesamt aus Deutschland. Das zeigt die dritte Ausgabe der "Market Leadership Study Europe" vom Bonner Beratungs- und Forschungsunternehmen EUPD Research. Insgesamt sind demnach mehr als 24.000 Betriebe europaweit im Segment für private Photovoltaik-Dachanlagen und Heimspeicher unterwegs.
Der Markt hat sich im laufenden Jahr deutlich verändert. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nachfrage etwa um 20 Prozent zurückgegangen. Der Wettbewerb hat sich dadurch nochmal deutlich verschärft.
Große Solaranbieter dominieren den Markt
EUPD Research hat in seiner Studie 1Komma5Grad, Eon und Enpal als größte Anbieter identifiziert, eine Reihenfolge haben die Studienautoren allerdings nicht veröffentlicht. Im Juli hatte allerdings schon das Berliner Zentrum für Nachhaltige Transformation (ZNT) seine Zahlen veröffentlicht und dabei einen Wechsel an der Spitze verkündet. Zuvor hatte der Hamburger Installateur 1Komma5Grad die meisten Solaranlagen in Europa verkauft, nun ist es der Berliner Anbieter Enpal.
Auf Platz zwei dürfte weiterhin die Eon-Tochter Eon Solar liegen. Eine kleine Gruppe von Unternehmen hebe sich dabei von der Masse ab: In den Top 10 sind das etwa noch Energiekonzepte Deutschland (EKD), die allerdings durch den britischen Investor Pemberton übernommen worden sind, sowie der französische Anbieter EDF. Bei 1Komma5Grad, Enpal und Eon Solar heben die Analysten neben der reinen Größe der Unternehmen ihre digitalen Plattformen und ihre strategische Positionierung hervor.
Der Hamburger Anbieter 1Komma5°etwa habe sich binnen weniger Jahre zu einem One-Stop-Shop für integrierte Energielösungen mit rund 80 Standorten weltweit entwickelt. Enpal biete ebenfalls ein ganzheitliches Ökosystem für erneuerbare Energien mit einem flexiblen Kaufmodell auch ohne Anzahlung an. Bei Eon Solar hebt EUPD Research das umfangreiche Know-how und die europaweite Reichweite hervor, um skalierbare Photovoltaik-Lösungen für Privathaushalte anzubieten.
Solarmarkt vor Herausforderungen
"Wir haben unsere Marktführerschaft in Europa erfolgreich bestätigt", sagt Mario Kohle, Gründer und CEO von Enpal. Mit einem Energiemanager, der auf künstlicher Intelligenz basiert, will das Unternehmen den Stromverbrauch und die Einspeisung seiner Kunden optimieren. Dazu will das Berliner auch das größte virtuelle Kraftwerk Europas aufbauen.
"Während die konventionellen Solarmärkte in Europa schrumpfen und sich die deutsche Wirtschaft in einer sich verschärfenden Rezession befindet, wächst 1Komma5Grad allen Widrigkeiten zum Trotz", kommentiert Philipp Schröder, CEO und Mitbegründer vom Hamburger Mitbewerber. Das Unternehmen bietet auch eine KI-Lösung an, um die Stromkosten seiner Kunden zu senken.
Der Solarmarkt für Privathaushalte steht vor großen Herausforderungen und erlebte 2024 eine Korrektur. Die Forscher von EUPD gehen dennoch davon aus, dass der Markt in den kommenden Jahren wieder zu einem moderaten Wachstum zurückkehren wird. Die wirtschaftlichen Argumente für Solarenergie seien in vielen Ländern nach wie vor überzeugend.
Für die Anbieter werden Dienstleistungen über die reine Installation hinaus dabei wichtiger. So böten zwei Drittel der Installateure in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits Heimenergiesysteme (HEMS) an, um Kunden mehr Energieautonomie sowie Lastoptimierung anbieten zu können.
Konsolidierung dürfte zunehmen
Die Forscher von EUPD gehen nicht davon aus, dass der Wettbewerbsdruck in absehbarer Zeit nachlassen wird. In 2024 führte ein weltweites Überangebot an Solarmodulen zu starken Preisrückgängen. Die Lagerbestände der Installateure verloren somit an Wert.
"Die Konsolidierung auf dem europäischen Markt war bisher begrenzt, dürfte aber zunehmen, da sich der Wettbewerb verschärft und sich nur die widerstandsfähigsten Geschäftsmodelle als skalierbar erweisen", sagt Markus A. W. Hoehner, CEO und Gründer von EUPD Research. Angesichts der voraussichtlich weiter fallenden Modulpreise müssten die Unternehmen ihre Abläufe weiter optimieren, ihre Geschäftsmodelle anpassen und in intelligente Dienstleistungsangebote investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.



