Solarhandwerker sind gefragt: Deshalb bildet Stromnetz Hamburg sie nun selbst aus.

Solarhandwerker sind gefragt: Deshalb bildet Stromnetz Hamburg sie nun selbst aus.

Bild: © AHatmaker/stock.adobe.com

Von Julian Korb

Enpal hat im Jahr 2023 die meisten Solaranlagen in Deutschland installiert. Rund 31.000 Stück verkaufte das noch junge Berliner Unternehmen, wie das Berliner Zentrum Nachhaltige Transformation (ZNT) an der Quadriga Hochschule ermittelt hat. Mit 905 Millionen Euro Umsatz ließ das Solar-Einhorn die Konkurrenz hinter sich. Die meisten Anlagen verkaufte Enpal dabei in Deutschland, 2023 war das Unternehmen sonst nur noch in Italien tätig.

Kurz dahinter folgt der Energiekonzern Eon, der nach eigenen Angaben etwa 47.000 Solar- und Speicherlösungen installiert hat – allerdings europaweit. Das ZNT geht in der Untersuchung davon aus, dass rund 80 Prozent der Solaranlagen mit Speichern kombiniert wurden. Demnach hätte Eon 26.111 Solaranlagen im Jahr 2023 neu installiert, bei den restlichen Anlagen handelt es folglich um Heimspeicher.

Fehlende Angaben bei Energiekonzern

Der Markt für Solaranlagen ist nur schwer zu durchdringen, auch weil viele Anbieter ihre Zahlen nicht offenlegen. Die Studienautoren haben sich deshalb durch verschiedene Statistiken, Branchenverzeichnisse, Verbandsberichte und Unternehmensauftritte gewühlt.

So teilte Eon beispielsweise den Umsatz nicht mit, das auf Platz vier rangierende Hamburger Start-up 1Komma5Grad wollte hingegen die neu installierten Anlagen nicht veröffentlichen. Vom Energiekonzern Vattenfall fehlen gar jegliche Angaben.

Wechsel an Spitze

Zudem könnten sich die Kräfteverhältnisse im Jahr 2024 bereits verändert haben. Im Juni 2024 veröffentlichten Marktforscher von EUPD Research eine Studie, wonach das Hamburger Unternehmen 1Komma5Grad mittlerweile zum größten Anbieter aufgestiegen sei.

Allerdings hat die Studie explizit den ganzen europäischen Markt betrachtet. Auch die Herangehensweise unterschied sich: EUPD Research hatte für die Studie rund 15.000 in Europa tätige Installateure befragt und mit den Rückmeldungen eine Rangliste erstellt.

Die Wissenschaftler der Quadriga Hochschule gestehen daher auch ein, dass ihr Bericht keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe und die Transparenz einiger Unternehmen zu wünschen übrig lasse. "Ziel dieses Papiers ist es, die größten Anbieter auf dem B2C-Solarmarkt in Europa zu identifizieren und so einen Beitrag zur Markttransparenz zu leisten", heißt es in dem Bericht.

Über 100 Millionen Euro Umsatz

Insgesamt elf Photovoltaik-Unternehmen mit Privatkundengeschäft hätten demnach einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro vorzuweisen. Auf Platz drei der größten Anbieter 2023 landete Energiekonzepte Deutschland (EKD) mit einem Umsatz von rund 500 Millionen Euro und rund 16.000 verkauften Solaranlagen. Dahinter folgt der französische Energiekonzern EDF. Mit Enerix und Energieversum sind zwei weitere deutsche Anbieter vertreten.

Der Solarmarkt steht unter starkem Wettbewerbsdruck. Einige Anbieter, darunter auch die ehemalige EWE-Tochter Eigensonne, mussten inzwischen Insolvenz anmelden. Dabei hatte das Unternehmen noch im Jahr 2022 einen Umsatz von immerhin 120 Millionen Euro vorzuweisen.

Von Energiekonzernen geschluckt

Auch an der Spitze tut sich etwas. Mit EKD wird der drittgrößte Anbieter aufgekauft. Der institutionelle Investor Pemberton hat Ende 2024 alle Anteile an dem Leipziger Photovoltaik-Installationsunternehmen übernommen. Noch stehen allerdings behördliche Genehmigungen aus.

Andere Anbieter veränderten demgegenüber ihr Geschäftsmodell. So kündigte das Berliner Unternehmen Zolar im September an, aus dem Geschäft mit Privatkunden auszusteigen. Künftig wolle man sich auf die eigene Technologieplattform und die Zusammenarbeit mit Installationsbetrieben konzentrieren.

Mehrere Anbieter wurden außerdem von Energiekonzernen geschluckt. DZ-4, seit 2012 tätig, wurde von EnBW akquiriert und verkaufte sein Servicegeschäft vollständig. Der Anbieter Klarsolar stand kurz vor der Insolvenz und wurde schließlich von Eon übernommen.

Zersplitterter Markt

"Geschäftsaufgaben und Übernahmen sind an der Tagesordnung", heißt es daher auch in dem Bericht. Der europäische Solarmarkt stehe vor einer "Phase der Konsolidierung", in der sich "langfristig nur die stärksten und effizientesten Unternehmen behaupten werden".

Bislang ist der Markt in Deutschland stark zersplittert. Brancheninsider gehen laut dem Bericht von über 6000 Anbietern aus. Über 80 Prozent der Solaranlagen werden Schätzungen zufolge von lokalen Betrieben installiert.

Unter den elf größten Solarinstallateuren haben sechs ihren Geschäftssitz in Deutschland. Abgesehen von Eon handelt es sich dabei ausschließlich um sehr junge Unternehmen, die erst vor wenigen Jahren gegründet wurden. In Zeiten der Energiepreiskrise konnten sie allesamt hohe Wachstumssprünge verzeichnen. Mittlerweile ist die Nachfrage nach privaten Solaranlagen allerdings abgeflacht, weshalb einige Anbieter vor einer unsicheren Zukunft stehen.

Unterschiedliche Strategie

Auch in der Wachstumsstrategie unterschieden sich die Unternehmen teilweise stark. So kauft 1Komma5Grad etwa vor allem lokale Installationsbetriebe auf und konnte sich so schnell vergrößern und bereits in mehrere europäische Länder expandieren.

Enpal hingegen setzt stärker auf organisches Wachstum, was laut dem Bericht bislang jedoch mit einer "eher schleppenden Internationalisierung" einherging.

Zur Studie

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