Wintereinbrüche und Stürme sorgen im Freileitungsnetz der bnNetze immer wieder für Schäden und Störungen. Regelmäßig „verirren“ sich allerdings auch ungewöhnliche Flugobjekte in den Stromleitungen der Badenova : Eine ungewollte Begegnung mit einer Mittelspannungs-Freileitung hatte zum Beispiel ein Modellflugzeug in Heitersheim-Gallenweiler im Mai 2020. Einen Stromausfall hatte dieser Kunstflug glücklicherweise nicht zur Folge, das Bereitschaftsdienstpersonal der bnNetze konnte den Flieger ohne Stromabschaltung aus der Freileitung bergen.
Für einen Stromausfall in Teilen von Breisach am Rhein im April 2017 sorgte dagegen eine Spargelfolie. Die Folie war zuvor vom Wind in eine Freileitung geweht worden. Der Landwirt, der die Spargelfelder im Umland bewirtschaftet und die Folie etwas zu unsanft aus der Freileitung entfernen wollte, beschädigte dabei die Leitung. Der Strom konnte nicht mehr störungsfrei fließen. Die Folge war ein Stromausfall von 45 Minuten für rund 500 Haushalte.
Temperaturstürze
Auch radikale Temperaturabfälle wie im Oktober 2003 im Kaiserstuhl und Dreisamtal können Ursache für Schadensfälle sein, weiß die Badenova-Verbundwarte in Freiburg, wo alle Störfälle zusammenlaufen. Dort werden die Wetterdaten der Region beobachtet. Ein Temperatursturz von sieben bis acht Grad, der innerhalb weniger Minuten das Thermometer von acht auf null Grad fallen ließ, war damals für eine Reihe an Stromausfällen verantwortlich, die die Bereitschaftstrupps der bnNETZE ordentlich ins Schwitzen brachte. Aus starkem Herbstregen war feuchter Schneefall geworden, der auf den Bäumen gefror und zu Schneebruch führte.
Was riecht denn hier?
Einmal wurden die Erdgasspezialisten der Badenova wegen eines angeblichen Erdgasgeruchs in einen Freiburger Stadtteil gerufen. Doch statt Erdgas lag der „Duft“ verschwitzter Sportkleidung eines Yoga-Studios in der Luft. Schnell konnte Entwarnung gegeben werden.
In einem anderen Fall war es der Kadaver einer Katze, von dem ein Gestank ausging, der als Erdgas gedeutet wurde. In Breisach sorgten verdorbene Lebensmittel und am Hochrhein bei Grenzach-Wyhlen chemische Stoffe einer Pharmaziefabrik für Fehlalarme. 2012 gab es im Gewerbepark Breisgau das Kuriosum, dass einer reaktivierten Leitung aus den Zeiten des Fliegerhorstes Benzingeruch entwich. Die aufgezeigten Fälle sorgten für einige Verwirrung, doch Gefahr ging von keinem der Vorfälle aus.
Ungewöhnlicher Hacker
Sehr häufig werden Störungen im Stromnetz auch durch tierischen Einfluss verursacht. Furchtlose Kabelnager wie Eichhörnchen, Marder und Siebenschläfer sind in Deutschland sogar häufig Verursacher von ganzen Stromausfällen. Auch die Mitarbeiter der Badenova machen regelmäßig ihre Erfahrungen mit den „haarigen Störern“.
So löste ein Siebenschläfer beispielsweise mehrfach Objektalarm im Wasserhochbehälter im Mösle aus, der es sich im Schaltschrank gemütlich gemacht und die dortigen Kabel durchgeknabbert hatte.
2011 sorgte ein Specht im Griestal bei Opfingen dafür, dass die Stromversorgung von mehreren Höfen lahmgelegt wurde. Nach stundenlanger Fehlersuche konnten die Mitarbeiter der Technik die Spuren des „Hackers“ verfolgen und den Schaden entdecken – der eifrige Specht hatte ein 20.000-Volt-Kabel eines 20 Meter hohen Strommasts durchgehackt. Mittlerweile setzen die bnNETZE-Monteure auf eine ungewöhnliche, aber wirksame Lösung: Eine 40 Zentimeter große Spechtattrappe aus Blech an den bei Spechten beliebten Strommasten soll den Vögeln nun signalisieren, dass das Revier bereits besetzt ist.
Baggerspiele auf der Wiese
Ein „Klassiker“ unter den extern verursachten Störfällen ist die Beschädigung einer wichtigen Erdgas- oder Wasserleitung seitens privater Bauherren oder im Rahmen einer öffentlichen Baumaßnahme. Im Frühling 2004 bohrten innerhalb einer Woche gleich zwei Baufirmen unabhängig voneinander die Trinkwasserleitung in zwei Stadteilen Freiburgs an. In einem Fall war die Baufirma dabei, Stützpfeiler für eine geplante Tiefgarage zu setzen, als ihr Bohrer vertikal auf die Wasserleitung traf. Auch Erdgasleitungen werden regelmäßig von Baggerfahrern „angebaggert“.
In einem Falle probierte im weiteren Umfeld von Freiburg ein privater Bauherr sein neues „Schaufelspielzeug“ auf der heimischen Wiese voller Begeisterung aus. Aus dem „ich wollte doch nur spielen…“ wurde letztlich ein größerer Versicherungsfall, da eine wichtige Mitteldruck-Gastransportleitung beschädigt wurde. (sg)



