Massiv von dem Hochwasser betroffen war laut Angaben von RWE vom Samstag der Tagebau Inden und das angeschlossene Kraftwerk Weisweiler im Rheinischen Braunkohlerevier. Am Donnerstagmorgen war die Hochwasser führende Inde über die Ufer getreten, hat bei Lamersdorf einen Deich überspült und ist dann in den Tagebau eingedrungen.
Mittlerweile konnte die Situation laut RWE aufgrund fallender Pegelstände und umfangreicher Sicherungsmaßnahmen stabilisiert werden. Die Stromerzeugung des Kraftwerks Weisweiler laufe mit reduzierter Leistung. Die 300 MW-Blöcke würden derzeit über die Kohlevorräte versorgt, die 600 MW-Blöcke stünden derzeit still. Mit einem gestuften Konzept soll der Tagebau wieder in Betrieb genommen werden. Ziel sei es, die erste Kohleförderung bis Ende der Woche zu erreichen. Wie lange es dauere, bis der Betrieb des Tagebaus und die Stromerzeugung am Standort Weisweiler vollständig wiederhergestellt sein würden wird derzeit ermittelt.
Suche nach vermisstem Mitarbeiter erfolglos - auch Wasserkraftwerke außer Betrieb
Alle Anstrengungen, den vermissten Mitarbeiter im Tagebau Inden zu finden, seien leider ohne Erfolg geblieben, teilte RWE am Freitag mit. Vermutlich könne nicht mehr davon ausgegangen werden, den Mitarbeiter noch lebend zu finden. Der 58-jährige Beschäftigte einer Partnerfirma sei von den Wassermassen mitgerissen worden.
Die von RWE betriebenen Laufwasserkraftwerke in der Eifel, an Mosel, Saar und Ruhr kämpften ebenfalls mit den Folgen des Hochwassers, erklärte das Unternehmen am Samstag. Bis auf die Anlagen Baldeney und Unkelmühle seien alle derzeit außer Betrieb. Das gelte auch für das Wasserkraftwerk im niederländischen Linne. Derzeit wird Wasser gepumpt, und es würden Sicherungs- und Aufräumarbeiten durchgeführt, mit dem Ziel, die Anlagen baldmöglichst wieder ans Netz zu bringen.
Umspannanlagen und Ortsnetzstationen abgeschaltet
Nach einer ersten Bestandsaufnahme belaufe sich der Schaden für RWE insgesamt auf einen bis zu mittleren zweistelligen Millionen Euro Betrag. Als Hilfe für die unmittelbar betroffenen Menschen spende RWE im Rahmen eines Sofortprogramms 1 Million Euro, teilte das Unternehmen mit.
Zudem sorgte das Unwetter auch für Ausfälle im Stromnetz des Westenergie-Verteilnetzbetreibers Westnetz. Besonders betroffen sind laut Unternehmensangaben Eifel, Rhein-Erft-Kreis, Kreis Euskirchen, linksrheinischer Rhein-Sieg-Kreis und Ahrtal. Dort wurden etliche Ortnetzstationen und Umspannanlagen aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Einige Anlagen seien mehrere Stunden unter Wasser gestanden. Von den Überschwemmungen direkt betroffen seien derzeit circa zehn, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Einzelne seien noch schwer erreichbar, in anderen stehe das Wasser.
In der Spitze rund 200.000 Menschen ohne Strom
Durch Wiedereinschaltung von Anlagen, Umleitungen und Notstromaggregate konnten bereits viele Haushalte wiederversorgt werden, erklärte das Unternehmen weiter. In der Spitze lag die Zahl der nicht versorgten Einwohner in der Region der Westnetz bei 200.000. Am Freitag waren 102.000 Menschen ohne Strom.
Bei allen Arbeiten ist Westnetz aber auch von der Infrastruktur vor Ort abhängig. Einige Anlagen seien aufgrund zerstörter oder beschädigter Straßen derzeit nicht zu erreichen, hieß es. An anderen Stellen müssten kilometerlange Umwege gefahren werden. Westnetz setze zudem Helikopter und Drohnen ein, um die Leitungen und Anlagen aus der Luft zu prüfen und einen Überblick zu erhalten. Gefährdete Anlagen würden identifiziert und zusätzlich geschützt.
Zentrale Straße in Stolberg noch tagelang ohne Trinkwasserversorgung
Im Zentrum der vom Hochwasser stark betroffenen Stadt Stolberg bei Aachen müssen die Bürger noch tagelang ohne Trinkwasser aus den Leitungen auskommen. Nach Auskunft der Feuerwehr dauere es auf einem Teil der Rathausstraße noch drei bis vier Tage, bis Techniker an die Leitungen können, um die Trinkwasserversorgung zumindest provisorisch wiederherzustellen, sagte eine Sprecherin des regionalen Wasserversorgers Enwor am Sonntag.
Die Straße ist voll mit Trümmern, das Zentrum Stolbergs ist nach dem Unwetter verwüstet. Trinkwasserbehälter sollen den Menschen im Alltag helfen.
Andere Teile der 57.000-Einwohner-Stadt konnten hingegen wieder an die Trinkwasserversorgung angeschlossen werden. Das Wasser aus den Leitungen sollte aber abgekocht werden, weil Schmutzwasser in das System gelangt sein könnte - hierzu gebe es Laboruntersuchungen, so die Sprecherin. Nicht alle Schäden in der Stadt konnten vollständig repariert werden - es werde mit Provisorien gearbeitet, um die Haushalte wieder ans Netz zu bringen. (hcn/dpa)



