Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz wird auch in den kommenden Jahren massiv in die Energiewende investieren. Gegenüber dem Zeitraum 2015 bis 2019 sollen die Investitionen in den Jahren 2020 bis 2024 um 1,1 Mrd. Euro auf 4,2 Mrd. Euro ansteigen.
Im laufenden Jahr soll der Netzausbau laut Kapferer "weiter an Fahrt aufnehmen". Konkret ging er auf den Baubeginn von Ostwind 2 sowie das Projekt "Combined Grid Solution" ein, das noch in diesem Halbjahr an den Start gehen soll. Ein Seekabel wird die Offshore-Windparks im dänischen Kriegers Flak und Baltic 2 in Deutschland miteinander verbinden. Außerdem soll die Belegschaft verstärkt werden – um zehn Prozent, sagte Marco Nix, der Finanzgeschäftsführer des Unternehmens, auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin.
Deutliches Investitionsplus
Lagen die Investitionen im vergangenen Jahr noch bei rund 489 Mio. Euro, werden diese künftig in einzelnen Jahren auf über 1 Mrd. Euro anwachsen, führte Nix weiter aus. Vergleicht man das laufende Jahr mit dem Jahr 2019, steigen die Investitionen um 40 Prozent.
Um diese Mammutaufgabe zu stemmen, ist 50 Hertz auf Fremdkapital angewiesen. Bis zu 60 Prozent des Investitionsprogramms sollen durch externe Geldgeber finanziert werden, sagte Nix.
Green Bond mit langer Laufzeit
Noch in diesem Jahr will der Übertragungsnetzbetreiber einen Green Bond auflegen. 750 Mio. Euro sollen so am Kapitalmarkt eingesammelt werden. "Wir wollen mit diesem neuen Finanzierungsinstrument auch unsere Investorenbasis verbreitern", sagt Nix. Aktuell sei eine Laufzeit von mindestens 10 Jahren geplant.
Das Unternehmensergebnis fiel mit 178 Mio. Euro im Jahr 2019 deutlich schlechter aus als im Rekordjahr 2018 (238 Mio. Euro). Insgesamt sprach Nix dennoch von einer "zufriedenstellenden" Situation – im Vergleich zu einem "herausragenden" Jahr 2018.
Zurückhaltende Gesellschafter
Dass 50Hertz nach wie vor gut aufgestellt sei, habe auch damit zu tun, dass die Gesellschafter bei den Dividenden große Zurückhaltung geübt hätten, was der Eigenkapitalausstattung zugutegekommen sei. "Wir haben unverändert gute Ratings mit stabilem Ausblick und konnten uns bei den Ratings für die Nachhaltigkeitsperformances sogar verbessern. Insofern packen wir die anstehenden großen Investitionen mit Optimismus an", erläuterte der 50Hertz-Finanzchef.
Das Unternehmen komme sowohl beim Netzausbau als auch der Netzoptimierung gut voran, sagte Kapferer. Trotz des steigenden Anteils von Wind- und Sonnenstrom die Kosten im Griff.
Rekord bei den Erneuerbaren
Im vergangenen Jahr habe 50Hertz mit rund 60 TWh so viel Strom aus erneuerbaren Energien über sein Höchstspannungsnetz transportiert, wie noch nie zuvor. Insgesamt hätten die erneuerbaren Energien im Jahresmittel zu 60 Prozent den Strombedarf in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen gedeckt.
Zugleich sei es gelungen, die Kosten für das sogenannte Engpassmanagement deutlich zu senken. 2018 musste 50Hertz dafür noch 134 Mio. Euro bereitstellen, im vergangenen Jahr waren es nur noch 84 Mio. Euro.
KI senkt Kosten
Kostenvorteile habe man auch durch die Digitalisierung erzielt. 50Hertz setze in seinem Netz mittlerweile auf Künstliche Intelligenz. Diese ist in der Lage, Netzverluste vorherzusagen. Dadurch wird der Stromeinkauf billiger.
Unter anderem mit den Stadtwerken Neubrandenburg und Rostock sind laut Kapferer weitere Power-to-Heat-Kooperationen geplant. Mit ähnlich gelagerten Kooperationen habe man gute Erfahrungen gesammelt, auch mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit.
Green Deal
Zum European Green Deal äußerte sich Chris Peeters, der CEO der Elia Group, Mehrheitseigentümer von 50Hertz. "Als Übertragungsnetzbetreiber sind wir die treibende Kraft bei der Dekarbonisierung des Energiesektors", betonte er. Elia sei trotz des enormen Kapitalbedarfs entschlossen, vorrangig in die Projekte zu investieren, die der Gesellschaft einen maximalen Wohlstand ermöglichen. "Wir denken zunehmend international und halten an unseren ehrgeizigen Investitionen fest", kündigte er an. (amo)



