Per Knopfdruck ist am Sonntag ein Kapitel Steinkohlegeschichte im Ruhrgebiet zu Ende gegangen: Das ehemalige Steag-Kraftwerk in Lünen ist in mehreren Schritten gesprengt worden.
Zunächst war am Morgen der 250 Meter hohe Schornstein in einer sogenannten Faltung zusammengestürzt. Dabei knickten der gemauerte obere Teil nach Westen, der untere Teil nach Osten um. Minuten später fielen durch weitere elektronische Zündungen das Kesselhaus und der 110 Meter hohe Kühlturm in sich zusammen.
420 Kilogramm Sprengstoff in 2100 Bohrlöchern
Die Industriebauten hatten rund 80 Jahre lang das Landschaftsbild im Kreis Unna (Nordrhein-Westfalen) geprägt. Nun sind die für viele Menschen in der Region typischen Landmarken verschwunden. 420 Kilogramm Sprengstoff in 2100 Bohrlöchern hatten am Sonntag dafür gesorgt, dass nur noch Staub und Trümmer übrig blieben.
Dazu war das gesamte Gelände weiträumig abgesperrt, die Nachbarschaft in Sicherheit gebracht worden. Auf dem rund 37 Hektar großen Industrieareal sollen in Zukunft neue Unternehmen angesiedelt werden.
Ältestes Kraftwerk der Steag - 2018 stillgelegt
Um wegen der Corona-Pandemie Menschenansammlungen von Schaulustigen zu vermeiden, zeigte die Abbruchfirma Hagedorn die Sprengungen in einem Livestream mit Comedian Matze Knop als Moderator. Tausende verfolgten das Spektakel online.
Der Standort in Lünen war bis zur Stilllegung 2018 das älteste Kraftwerk des Energieerzeugers Steag GmbH und hat früher unter anderem Bahnstrom produziert. Das Ende bedeutete für viele den Verlust ihrer Arbeitsplätze, aber auch einen wichtigen Schritt für den Strukturwandel und die Energiewende.
Lünen weiterhin Kraftwerksstandort
Doch auch nach dem Fall von Kühlturm, Schornstein und Kesselhaus bleibt die Stadt Lünen in der Nähe von Dortmund Kraftwerksstandort: Der Stadtwerkeverbund Trianel aus Aachen betreibt dort ein Kraftwerk mit einer Leistung von 750 Megawatt. Es war gegen den Widerstand von Umweltverbänden auch vor Gerichten 2013 ans Netz gegangen. (dpa/hcn)



