Das niedersächsische Kohlekraftwerk Mehrum

Das niedersächsische Kohlekraftwerk Mehrum

Bild: © Julian Stratenschulte/dpa

Angesichts des Klimawandels wird das schnelle Aus für Kohlekraftwerke gefordert - bei Hannover steht ein Kraftwerk seit vier Monaten still, weil Kohlestrom für den Betreiber derzeit unwirtschaftlich ist. Grund für den niedrigen Strompreis an der Strombörse sei unter anderem der hohe Anteil von Strom aus regenerativen Energien, sagte ein Sprecher des Kraftwerks Mehrum am Donnerstag. Im Moment sehe die Entwicklung des Strompreises so aus, dass das Kraftwerk Ende August oder im September wieder anfahren werde, sagte die kaufmännische Leiterin Kathrin Voelkner. Auch andere Kohlekraftwerke unterbrächen zeitweise ihre Stromerzeugung, eine Pause von vier Monaten sei aber ungewöhnlich lang.

Vor knapp zwei Jahren hatte der expandierende tschechische Stromriese Energie- und Industrie-Holding (EPH) das kommunale Kraftwerk übernommen. Für die rund 110 Beschäftigten hat die Zwangspause keine Auswirkungen, wie die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" berichtete. Sie kommen wie gewohnt zur Arbeit, kümmern sich um die Wartung und gewährleisten, dass das Kraftwerk im Bedarfsfall in kurzer Zeit wieder Strom liefern kann. Dies war in den vergangenen vier Monaten zweimal der Fall, als das Kraftwerk zur Spannungserhaltung im Stromnetz kurzzeitig in Betrieb gehen musste, sagte Voelkner.

BDEW: "Das hat es schon immer gegeben"

Wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärt, ist es kein besonderes Ereignis, wenn ein Betreiber ein Kraftwerk aus wirtschaftlichen Überlegungen vorübergehend vom Netz nimmt. "Das hat es schon immer gegeben", sagte ein Sprecherin. Meist geschehe dies von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Dabei hänge die Wirtschaftlichkeit von unterschiedlichen Variablen wie den Brennstoffkosten, dem Börsenstrompreis oder den Kosten für CO2-Zertifikate ab. Inwiefern ein Kraftwerk überhaupt vom Netz gehen könne, und sei es auch nur vorübergehend, werde zudem immer von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Dazu zählen der Standort, eine möglicherweise vorhandene Wärmeauskopplung oder die Systemrelevanz eines Kraftwerks. (pm)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper