Der Umstieg auf Energie aus nachhaltigen Quellen lohnt sich für Haushalte auch finanziell. Das hat ein Kostenvergleich von DIW Econ im Auftrag des Unternehmenes Enpal ergeben. Demnach fallen die Kosten von Haushalten, die Energie aus nachhaltigen Quellen intelligent nutzen geringer aus als die Kosten von vergleichbaren Haushalten, die konventionelle Energiequellen nutzen. Dafür hat die Beratung ein statisches Modell zugrundegelegt und die Kosten für Grundbedarf, Heizen und Mobilität berechnet.
Haushalte, deren Konsummuster typisch für Haushalte mit einem Eigenheim sind, können demnach über einen Zeitraum von 25 Jahren durchschnittlich 19 Prozent mit nachhaltigem Konsum im Vergleich zu einer fossilbasierten Lebensweise einsparen. Dies entspricht im Schnitt etwa 104.000 Euro.
Laufende Kosten sinken
Auch Haushalte mit geringerer beziehungsweise höherer Investitionsneigung sparen in der neuen Welt, heißt es in der Studie. Die Anschaffung von einer Photovoltaikanlage und einer Wärmepumpe bedeuten zwar höhere Investitionskosten, ermöglichen aber niedrigere laufende Kosten, etwa durch die Nutzung und Einspeisung des selbst erzeugten Stroms. In der Summe überwiegen die geringen laufenden Kosten die Investitionen und die Haushalte profitieren bei der Wahl nachhaltiger Alternativen, so die Studienautoren.
Besonders deutlich sind die Einsparungen zwar bei Eigenheimbesitzern mit einem durchschnittlichen Konsumverhalten mit Einsparungen von bis zu 19 Prozent. Aber auch bei Haushalten mit weniger oder stärker ausgeprägter Investitionsneigung ist die Wahl der "neuen Welt" günstiger: So könne ein Haushalt, der nur zu kleinen Investitionen neigt, im Durchschnitt Einsparungen von rund 34.000 Euro beziehungsweise 8 Prozent gegenüber der "alten Welt" erwarten.
Investitionsgeneigte Haushalte, die in vergleichsweise teure und effiziente Geräte zur Stromerzeugung und zum Heizen sowie in höherpreisige Autos investieren, sparen demgegenüber im Mittel rund 79.000 Euro, beziehungsweise 12 Prozent.
Einsparung von 5 Cent pro kWh
Dabei haben die Studienautoren bestimmte Annahmen über zukünftige Preisentwicklungen getroffen. So gehen sie etwa davon aus, dass die Kosten für Strom jährlich aufgrund der Inflation (2 Prozent) und einer Realpreissteigerung (1 Prozent) um insgesamt 3 Prozent ansteigen.
Durch einen dynamischen Stromtarif verringern Haushalte der neuen Welt in allen drei Bereichen ihre Kosten. Angenommen haben die Studienautoren eine Einsparung von 5 Cent je kWh. Über die Direktvermarktung des bei der Netzeinspeisung überschüssigen Solarstroms optimieren die Haushalte zudem ihre Einspeisevergütung. Im Modell wird angenommen, dass die Haushalte die fixe Vergütung von 8,1 Cent je kWh dadurch verdoppeln.
Hohe CO2-Kosten
Wichtig für den Kostenvergleich ist zudem der Gaspreis: Dieser lag zu Beginn des Betrachtungszeitraums zwischen 6 und 12,3 Cent/kWh. Hinzu kommt der CO2-Preis, der zu Beginn des Betrachtungszeitraums 45 Euro pro Tonne beträgt und bis 2026 auf 60 Euro steigen wird. Ab 2027 ist allerdings durch die Integration in den europäischen Emissionshandel für jede Tonne CO2 dann der sich daraus ergebende Marktpreis zu entrichten, der zunächst mit 150 Euro pro Jahr angesetzt wird. Angenommen wurde zudem eine jährliche Steigerung um 3 Prozent.
In Summe fallen die Kosten beim Heizen daher in der "alten Welt" deutlich höher aus als in der "neuen Welt". Das liegt vor allem an den laufenden Kosten, die in der "fossilen Welt" etwa drei- bis sechsmal so hoch sind wie in der "grünen Welt" und die etwas höheren Investitionskosten in Wärmepumpe und PV-Anlage ausgleichen. Besonders ins Gewicht fallen demnach in der alten Welt die Ausgaben für Gas und die CO2-Kosten, denen relativ geringe Ausgaben für Strom zum Betrieb der Wärmepumpe gegenüberstehen.
Wahl des Autos
Die Kostenvorteile der neuen Welt könnten sich laut den Studienautoren nochmal verstärken, wenn die Preise für nachhaltige Technologien sinken oder diese effizienter werden. So sind die Preise für PV-Module und Stromspeicher in den vergangenen Jahren etwa deutlich gesunken. Zudem prognostizieren andere Modelle einen stärkeren Anstieg des CO2-Preises bis 2045. Im Modell haben die Studienautoren einen Preis pro Tonne CO2 von unter 230 Euro zugrundegelegt, während andere Schätzungen von einer Preisspanne zwischen 280 bis 650 Euro pro Tonne ausgehen.
Auch die Wahl der Autos habe demnach einen großen Einfluss darauf, wie viel Haushalte in der neuen Welt sparen. In den Berechnungen hat DIW Econ die Automodelle in Übereinstimmung mit anderen Marktstudien ausgewählt. Wenn Studien verschiedene Modellvarianten nutzen, wurde eine konservative Wahl getroffen. Würde anstelle des VW Golf 1.5 TSI der VW Golf GTI verglichen, so stiege der Kostenvorteil von Haushaltstyps 2 von 19 auf über 30 Prozent und damit sogar auf eine Summe von 195.000 Euro, heißt es. (jk)
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