Oranienburg. Auf dem Grundstück zwischen der Straße An den Eichen und der Thaerstraße laufen die Erdarbeiten. Seit Ende März 2026 bauen die Stadtwerke dort ihr eigenes Umspannwerk. Ende Mai soll die Bodenplatte für das künftige Schaltgebäude gegossen werden. Doch das Projekt kommt langsamer voran als ursprünglich geplant. Grund sind Lieferschwierigkeiten bei entscheidenden Bauteilen.
"Wichtige Komponenten für das Umspannwerk haben wir EU-weit ausgeschrieben", sagt Peter Grabowsky, Geschäftsführer des kommunalen Versorgers in Brandenburg. "Sie sind im Energiesektor knapp und nur schwer zu bekommen." Kein deutscher Hersteller habe die Anforderungen und geplanten Lieferzeiten erfüllen können. Deshalb gingen Aufträge nach Slowenien und Tschechien.
Lieferanten aus dem EU-Ausland
Das Herzstück des Umspannwerks sind zwei Transformatoren aus Ljubljana. Jeder hat eine Leistung von bis zu 80 Megawatt (MW). Die Geräte wurden Ende 2025 im slowenischen Werk geprüft und von den Stadtwerken technisch abgenommen.
Im September sollen sie dann mit einem Schwerlasttransport nach Oranienburg gebracht und aufgestellt werden. Die Transformatoren wandeln künftig die Spannung von 110 Kilovolt (kV) aus dem vorgelagerten Netz auf 20 kV für das Oranienburger Ortsnetz herunter.
Auch Hochspannungs-Trenner wurden im Ausland beschafft. Dutzende dieser Bauteile produzierte ein Hersteller im tschechischen Pilsen. Dort erfolgte im März 2026 ebenfalls die technische Werksabnahme.
Hintergrund: Engpass und verspätete Planung
Der Neubau ist eine Reaktion auf den Kapazitätsengpass von 2024. Im Frühjahr jenes Jahres konnten die Stadtwerke vorübergehend keine neuen Hausanschlüsse genehmigen. Leistungserhöhungen für Wärmepumpen oder Ladeinfrastruktur wurden teilweise ausgesetzt. Die Bundesnetzagentur stellte damals klar: Die Stadtwerke hatten den steigenden Strombedarf zu spät erkannt und zu spät an den vorgelagerten Netzbetreiber Edis Netz gemeldet.
Mehrere Faktoren waren zusammengekommen: die positive wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, der starke Zuzug von Neubürgern sowie der zunehmende Einsatz von Wärmepumpen und Elektromobilität. Der vorgelagerte Netzbetreiber Edis konnte die notwendige Mehrleistung am bestehenden Umspannwerk aufgrund der späten Nachricht durch die Stadtwerke kurzfristig nur begrenzt bereitstellen.
Ende April 2024 einigten sich Edis Netz und die Stadtwerke auf eine Übergangslösung. Ab Mai 2024 konnten wieder neue Haushalte angeschlossen werden. Diese Lösung war jedoch nur temporär. Diskussionen über eine dauerhafte Erweiterung am bestehenden Umspannwerk scheiterten an unterschiedlichen technischen und wirtschaftlichen Vorstellungen.
Die Stadtwerke wollten eine Kapazität, die die wachsende Stadt auch langfristig abdeckt. Edis konnte wegen der späten Kommunikation keine sofortige Lösung für die deutlich höheren Anforderungen garantieren.
Stadt gibt 13,8 Millionen Euro Eigenkapital
Im Dezember 2025 erteilte der Landkreis Oberhavel die Baugenehmigung für das Umspannwerk. Die Gesamtinvestitionen betragen rund 34,5 Millionen Euro. Die Stadt Oranienburg stellt davon 13,8 Millionen Euro als Eigenkapital zur Verfügung.
Das neue Umspannwerk soll künftig eine Verdopplung der Stromabnahme aus dem vorgelagerten Hochspannungsnetz ermöglichen. Zudem bietet es Platz für Erweiterungen. Neben den elektrotechnischen Anlagen wird auch ein flaches, eingeschossiges Funktionsgebäude errichtet.
"Mit unserem Umspannwerk sichern wir eine verlässliche und stabile Stromversorgung für die nächsten Jahrzehnte", sagt Stadtwerke-Chef Grabowsky. "Neben Strom für Gewerbe und Industrie können wir den Oranienburgerinnen und Oranienburgern die erforderlichen Kapazitäten für Wärmepumpen und Elektromobilität zur Verfügung stellen."
Bürgermeisterin Jennifer Collin-Feeder informierte sich am Dienstag bei einer Baustellenbegehung über den Planungs- und Baufortschritt. Begleitet wurde sie von Burkhard Wilde, Vorsitzender des Aufsichtsrats der LE.O Gruppe, zu der die Stadtwerke gehören, und Pascal Mundt, stellvertretender Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung.
"Vom neuen Umspannwerk geht eine Signalwirkung für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt aus", so die Bürgermeisterin. "Oranienburg benötigt künftig mehr Strom, damit wir den Zuzug, die Erschließung neuer Wohnquartiere, die Entwicklung neuer Wirtschaftsstandorte sowie die Energie- und Mobilitätswende bewältigen können."
Internationale Konflikte bremsen Baufortschritt
Bei der Beschaffung technischer Komponenten und im Bauablauf werden für die Stadtwerke die Auswirkungen internationaler Konflikte und die Herausforderungen im Energiesektor spürbar. Nach derzeitiger Planung wird mit einer Fertigstellung des Umspannwerks Ende 2027 oder Anfang 2028 gerechnet. Ursprünglich sollte das Projekt bereits Sommer 2027 abgeschlossen sein.
Olaf Lüke, Geschäftsführer der LE.O Gruppe, betont: "Moderne Netzinfrastruktur ist die Voraussetzung für die Nutzung von erneuerbaren Energien. Es gibt reichlich grünen Strom in Brandenburg. Den wollen wir hier auch lokal nutzen. Nachhaltig kann er nur über unser neues und leistungsfähiges Umspannwerk in das Netz der Stadt Oranienburg gelangen."
Das Projekt soll das Wachstum der Stadt sichern, die Entwicklung von neuen Gewerbestandorten ermöglichen und damit das Entstehen neuer Arbeitsplätze fördern. Oranienburg hat heute mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner.



