Die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz aus Deutschland, AST aus Lettland, Elering aus Estland, Energinet aus Dänemark, Fingrid aus Finnland, Litgrid aus Litauen, PSE aus Polen und Svenska Kraftnät aus Schweden haben auf der Energieministerkonferenz in Warschau ein gemeinsames Strategiepapier zur Offshore-Windenergie vorgestellt. Ziel ist eine engere, länderübergreifende Zusammenarbeit beim Ausbau der Windenergie auf See und der erforderlichen Netzinfrastruktur.
Das Papier wurde im Rahmen der Baltic Offshore Grid Initiative (BOGI) präsentiert, an der sich die Übertragungsnetzbetreiber aus den Anrainerstaaten der Ostsee beteiligen. Gastgeber der Konferenz waren die polnische Energieministerin Paulina Hennig-Kloska und EU-Energiekommissar Dan Jørgensen.
Großes Potenzial – aber auch große Herausforderungen
Nach Angaben der Netzbetreiber liegt das technische Potenzial für Offshore-Windenergie in der Ostsee bei rund 93 Gigawatt (GW) – bislang sind weniger als 5 GW installiert. Um dieses Potenzial zu heben, braucht es laut Papier abgestimmte Planungsprozesse, neue Finanzierungsmodelle und gemeinsame Standards. Auch Fragen der Netzsicherheit und des Schutzes maritimer Infrastruktur werden ausdrücklich adressiert.
Die Grundlage des Strategiepapiers ist die Erklärung von Vilnius vom April 2024, in der die Ostsee-Anrainerstaaten eine gemeinsame Offshore-Ausbauzielmarke von 26,7 GW bis 2030 und 45 GW bis 2040 beschlossen hatten.
Kartenmaterial, Szenarien, Handlungsempfehlungen
Im Papier analysieren die Übertragungsnetzbetreiber verschiedene Optionen für den Netzausbau in der Ostsee. Dazu zählen:
- klassische Punkt-zu-Punkt-Verbindungen (Interkonnektoren) zwischen zwei Ländern,
- hybride Offshore-Verbindungen, an denen Windparks und mehrere nationale Netze beteiligt sind und
- grenzüberschreitende, radiale Anbindungen von Windparks an Netze benachbarter Länder.
Zudem thematisieren die Übertragungsnetzbetreiber potenzielle Nachlaufeffekte bei benachbarten Windparks, Engpässe in der Lieferkette sowie die Frage fairer Kostenaufteilung bei steigenden Projektkosten. Vorgeschlagen werden unter anderem eine koordinierte Regionalplanung nach nordischem Vorbild, der gezielte Einsatz von EU-Fördermitteln und eine stärkere Einbindung privater Investoren. (sg)



