Dominik Seebach ist Vorstand von Energievision, dem Trägerverein des Gütesiegels Ok Power, sowie Stv. Leiter des Bereichs Energie & Klimaschutz beim Öko-Institut.

Dominik Seebach ist Vorstand von Energievision, dem Trägerverein des Gütesiegels Ok Power, sowie Stv. Leiter des Bereichs Energie & Klimaschutz beim Öko-Institut.

Bild: © Öko-Institut e.V.

Das Gütesiegel "ok-power" zertifiziert derzeit 35 Anbieter mit 38 Produkten und einer jährlichen Strommenge von 4,1 TWh. Zu den zertifizierten Unternehmen gehören auch kommunale Versorger, etwa Entega aus Darmstadt, Badenova aus Freiburg sowie ESWE Versorgung mit Sitz in Wiesbaden sowie zahlreiche weitere Stadtwerke. Nun hat das Gütesiegel auch PPA in die Zertifizierungskriterien aufgenommen. (Die ZfK berichtete)

Herr Seebach, warum war jetzt der Zeitpunkt gekommen, um PPA-finanzierte Anlagen neu in das Gütesiegel aufzunehmen?

Wir entwickeln die Kriterien ständig weiter, das Interesse der Marktakteure an PPA nimmt stetig zu. PPA können im Idealfall als Ersatzfördermechanismus dienen, um Investitionen langfristig abzusichern. Das Engagement ist dabei langfristiger ausgerichtet als bei einzelnen Herkunftsnachweisen (HKN), was eine besondere Berücksichtigung im Rahmen der ok-power-Kriterien rechtfertigt. Wir haben uns das Thema lange angeschaut und im Herbst steht bei uns traditionell eine Aktualisierung der Kriterien an, weshalb der Zeitpunkt zur Integration von PPA-Kriterien nun richtig war. Allerdings ist die Relevanz von PPA in Deutschland nach unserer Einschätzung tatsächlich geringer, als teilweise dargestellt.

Bitte erläutern Sie dies.

PPA sind ein intransparentes Geschäftsfeld. Zwar gibt es zusammenfassende Erhebungen, die sich aber wiederum auf Auswertung von Medienberichten beschränken. Ein Großteil der PPA wird für Post-EEG-Anlagen abgeschlossen. Das ist sicher eine angemessene Möglichkeit, um die Stromerzeugung aus diesen Anlagen auch nach dem Auslaufen der EEG-Förderung zu vermarkten. Allerdings ist das angesichts der hohen Marktpreise auch keine überraschende Maßnahme und dementsprechend nicht per se ein herausragender Mehrwert für die Energiewende. Zudem wäre es volkswirtschaftlich vor allem sinnvoll, solche Anlagen zu "repowern".

Mit wie vielen neuen Anfragen rechnen Sie durch die Änderung?

Die meisten Anfragen bezogen sich bisher auf Bestandsanlagen. Wir sind gespannt, wie viele Anfragen für Neuanlagen kommen. Da müssen wir die kommenden Monate abwarten.

Wie verhalten sich Ihr Gütesiegel und "normale" Herkunftsnachweise zueinander?

Herkunftsnachweise dienen als "Personalausweis" für die Stromerzeugung. Allerdings erfüllen HKN nicht automatisch die Ansprüche der Verbraucher, dass tatsächlich auch Neuanlagen gebaut werden. Momentan gibt es durch Herkunftsnachweise zu wenig "Knappheitssignale" auf dem Markt, und die allgemeine Nachfrage nach Herkunftsnachweisen fokussiert die Zahlungsbereitschaft nicht auf den tatsächlichen Zubau. Daher halten wir es für sinnvoller und für effizienter, sich aktiv für den Bau neuer Anlagen einzusetzen.

Die Fragen stellte Julian Korb

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