Der Wettbewerb in der Solarindustrie verschärft sich. In den vergangenen Monaten fielen die Preise für Solarmodule um mehr als 25 Prozent, wie der europäische Photovoltaik-Verband Solarpower Europe mitteilt. Zuletzt hätten die Preise einen Rekordtiefstand von weniger als 0,15 EUR/Watt für Niedrigkostenprodukte erreicht. Damit liegen die Preise sogar deutlich unter dem Niveau vor der Covid-Pandemie.
Aus Sicht von Solarpower Europe herrscht dabei auch zwischen chinesischen Anbietern ein harter Wettbewerb. Die weltweiten Produktionskapazitäten für PV-Module sollen mittlerweile 600 Gigawatt (GW) betragen. Das Überangebot sorge für einen raschen Preisverfall bei Rohstoffen wie Silizium und in der Lieferkette bis hin zu Modulen, Wechselrichtern und Batterien, heißt es.
Preis-Dumping
Für europäische Hersteller sei es derzeit extrem schwierig, ihre Produkte zu verkaufen, so der Verband weiter. So hat der Siliziumhersteller Norwegian Crystals bereits Konkurs angemeldet.
Auch die Stimmung in der deutschen Solarindustrie ist alarmierend. "Die europäische und damit die sächsische und mitteldeutsche Solarindustrie ist akut in Gefahr", warnte unlängst der sächsische Energieminister und Vize-Ministerpräsident Wolfram Günther (Grüne). "China führt eine heftige Dumping-Attacke gegen Europa und flutet den Markt mit Solarmodulen, die weit unter Herstellungskosten verscherbelt werden sollen."
Produktion zurückgefahren
Die ersten Folgen sind bereits zu erkennen: Laut einer Umfrage des European Solar Manufacturing Council (ESMC) unter 15 PV-Herstellern in Europa soll die Produktion von Solarmodulen bis Ende August von neun auf ein GW geschrumpft sein.
Die Inflation und zunehmende Engpässe bei Netzanschlüssen und Projektgenehmigungen trügen zudem dazu bei, die europäische PV-Nachfrage zu verlangsamen.
Nachfrage ankurbeln
Solarpower Europe fordert daher in einem Schreiben an die EU-Kommission eine schnelle Unterstützung für die Solarindustrie; unter anderem durch den raschen Notaufkauf von Modulbeständen europäischer PV-Hersteller. Eine ähnliche Maßnahme hatte auch der sächsische Energieminister Günther gefordert, um heimischen Herstellern unter die Arme zu greifen.
Außerdem soll nach dem Willen von Solarpower Europe die PV-Nachfrage in Europa angekurbelt werden, um das Überangebot an Modulen auszugleichen. Dazu schlägt der Verband etwa vor, die europäische Richtlinie über die Gesamteffizienz von Gebäuden zu verschärfen.
Importe übertreffen Nachfrage
Die Vereinigung ESMC ruft die EU-Kommission derweil dazu auf, stärker gegen Produkte vorzugehen, die auf Zwangsarbeit beruhen. Etwa 40 Hersteller aus der europäischen PV-Industrie haben das Schreiben unterzeichnet.
ESMC rechnet nach eigenen Angaben damit, dass in diesem Jahr Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 120 GW nach Europa importiert werden. Dies werde die Nachfrage auf dem Kontinent etwa um das Doppelte übertreffen, heißt es.
Produktion verlagern
Der ESMC sieht vor allem zwei Möglichkeiten: Die Hersteller in Europa könnten entweder mit der Gefahr einer Insolvenz leben oder in andere Regionen flüchten, etwa die USA, wo die PV-Industrie durch den Inflation Reduction Act (IRA) besonders unterstützt werden. Einen solchen Schritt hatte kürzlich der in Deutschland ansässige PV-Hersteller Meyer Burger angekündigt. (jk)
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