Von Artjom Maksimenko
Sonnige Tage bei einer geringen Nachfrage während der Feiertage bedeuten meist einen deutlichen Preisrutsch an der Strombörse mit hohen Redispatchkosten. An diesen Osterfeiertagen blieb der prognostizierte Rekordpreissturz aus. Grund dafür war unter anderem ein bewölkter Himmel bei moderaten sommerlichen Temperaturen.
Die Feuerprobe für das Stromnetz ist damit bestanden. Viele sonnige Stunden – und damit viel Solarstrom – treffen auf einen niedrigen Verbrauch. Vor dem Osterwochenende ging der RJ2-Netzfrequenzinfodienst von einem leichten bis moderaten Stromüberangebot aus, "mit negativen Strompreisen am Osterwochenende".
"Unauffälliger Verlauf"
Tatsächlich hat sich die Prognose von RJ2 für einen insgesamt "unauffälligen Verlauf der Netzfrequenz am Osterwochenende, begleitet von nur wenigen Abweichungen", weitgehend bewahrheitet. Während die Strompreise an der Epex Spot am Karfreitag keine einzige negative Stunde aufwiesen, rutschten die Strompreise am Samstag, 19. April zwischen 14 und 16 Uhr leicht ins Minus. Den niedrigsten Stundenpreis gab es an dem Tag um 15 Uhr mit -7,26 Euro je Megawattstunde (MWh)
Deutlich weiter nach unten ging es im Kurzfristhandel am Ostersonntag, 20. April. Hier drehten die Strompreise bereits um 12 Uhr ins Minus (-5,72 Euro/MWh) und erreichten um 14 Uhr mit -52,42 Euro/MWh den niedrigsten Tageswert. Nach -4,76 Euro/MWh um 16 Uhr war der Spuk vorbei. Am Ostermontag hat es dann keine einzige Stunde mit negativen Preisen gegeben. Der Day-Ahead-Kontrakt blieb damit am ganzen langen Osterwochenende auf einem soliden Niveau: 87,90 Euro/MWh am Freitag, 68,92 Euro/MWh am Samstag, 65,26 Euro/MWh am Sonntag und 81,99 Euro/MWh am Montag.
Rekordminuspreise Anfang April
Dass es auch anders geht, wurde erst Anfang des Monats deutlich, als die Preise am 5. und 6. April mit minus 115 Euro/MWh bereits den ersten Negativrekord für das laufende Jahr geknackt hatten. Im Intraday-Handel rauschten die Preise sogar auf bis zu -242 Euro pro MWh herunter.
Als eine der größten Herausforderungen für das Stromnetz sehen viele Netzbetreiber kleine PV-Anlagen, die ihren Strom unbegrenzt und unkontrolliert in das Netz einspeisen. In der Summe sorgen diese Solarstrommengen für deutliche Schwankungen im Netz. Im Februar trat zwar ein neues Solarspitzengesetz in Kraft, das neue Anreize für Anlagenbetreiber setzen soll, sich netzdienlich zu verhalten. So müssen Solaranlagen, die nicht vom Netzbetreiber steuerbar sind, ihre Einspeiseleistung künftig auf 60 Prozent begrenzen.
Auch erhalten kleinere Anlagen bei negativen Strompreisen künftig keine EEG-Vergütung mehr. Diese und andere Maßnahmen gelten allerdings nur für neu installierte Anlagen. Zahlreiche Altanlagen speisen aber weiterhin ungesteuert ins Stromnetz ein. Auch greife die Vorgabe, dass nur Anlagen ab sieben Kilowatt (kW) Leistung steuerbar sein müssen, vielen Netzbetreibern zu kurz. "Wir hätten uns hier gewünscht, dass die neu gesetzten Schwellen noch weiter abgesenkt worden wären", sagte Hendrik Neumann, CTO von Amprion, Ende März im ZfK-Interview.



