Bürokratie als Bremse: Erneuerbare Energien könnten in Europa noch stärker wachsen, als sie es tun.

Bürokratie als Bremse: Erneuerbare Energien könnten in Europa noch stärker wachsen, als sie es tun.

Bild: @ Trianel

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) geht davon aus, dass die neu installierte PV-Leistung dieses Jahr noch einmal zehn bis 15 Prozent über den Vorjahreszahlen liegt.  Damit könnten dieses Jahr etwa fünf GW zugebaut werden. Bereits 2020 verzeichnete der Branchenverband ein Wachstum von 26 Prozent im Vergleich zu 2019.

Insgesamt liegen die Ausbauzahlen jedoch nicht auf dem Niveau von 2011 und 2012. Damals wurden jeweils zwischen sechs und acht GW neu installiert. Anschließend brachen die Ausbauzahlen ein. Besonders PV-Dachanlagen im Leistungsbereich unter 30 kWp sind dieses und vergangenes Jahr neu ans Netz gegangen. Über zwei MWp könnten bis Ende des Jahres installiert sein, schätzt der BSW. Vergangenes Jahr waren es gut 1,5 MWp, die auf deutschen Dächern neu hinzukamen. Einen Grund hierfür sieht Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) in der Corona-Pandemie. In Folge des Lockdowns hätten viele Menschen verstärkt in ihr Eigenheim investiert.

E-Mobilität beflügelt PV-Ausbau

Außerdem sei das Klimabewusstsein in der Gesellschaft deutlich gestiegen und auch die wachsende Nachfrage nach E-Autos haben den PV-Ausbau im Heimbereich beflügelt. Immerhin laden gut 77 Prozent der E-Mobilisten ihr Auto zu Hause. Aber auch politische Weichenstellungen im Rahmen der EEG-Novelle haben ihren Zweck erfüllt. So wurde die Bagatellgrenze für PV-Anlagen, die bei der Eigenstromerzeugung von der EEG-Umlage befreit sind, von zehn kWp auf 30 kWp angehoben.

Verluste gab es hingegen im Leistungssegment von 300 bis 750 kWp. Der BSW verzeichnete allein zwischen Mai und August 20201 einen Einbruch von 68 Prozent. Grund hierfür sind Versäumnisse der Bundesregierung, die ein neues Regierungsbündnis nun schnellstens beheben müsse, so Körnig.

Einmalige Vergütung für kleinere PV-Anlagen

So müssten die Ausbauziele für PV-Anlagen an die verschärften Klimaziele angepasst werden und damit auch der atmende PV-Deckel, der die vergangenen Monate für eine enorme Kostendegression bei der EEG-Vergütung gesorgt hat. Allein seit Anfang letzten Jahres die Vergütungssätze für gewerbliche PV-Dächer um mehr als 25 Prozent gesunken, während die Preise schlüsselfertiger Solarsysteme im gleichen Zeitraum um rund 20 Prozent gestiegen sind.

Zur kurzfristigen Abfederung der unverhältnismäßig hohen Degression bei der Förderung von kleinen und mittleren PV-Anlagen in den letzten Monaten sollten die Vergütungssätze für diese Anlagen einmalig erhöht werden, um einen Markteinbruch abzuwenden und wertvolle Jahre nicht zu verlieren, heißt es in diesem Zusammenhang BEE, zu dem auch der BSW gehört.  Eine einmalige Erhöhung sei vor dem Hintergrund der durch den niedrigen Ausbaupfad bedingten hohen Degression notwendig.

benachteiligte Gebiete freigeben

Zudem sehen BEE und BSW Anpassungsbedarf beim Ausschreibungsdesign. Die PV-Dachanlagen sollten erst ab einem MW verpflichtend an einer Auktion teilnehmen müssen. Im Bereich der Freiflächen-PV geht es den Verbänden um die Erweiterung der Flächenkulisse.  Die gegenwärtige Opt-in-Regel der Bundesländer, benachteiligte Gebiete für den PV-Ausbau freizugeben, sollte zu einer Opt-Out-Regel umgewandelt werden, um den Ausbau gleichmäßiger zu verteilen.

Insgesamt geht der BSW davon aus, dass bis 2030 etwa 205 GWp an PV-Leistung installiert sein müssen. Gute Chancen rechnet der Verband förderfreien Freiflächen-Anlagen aus. Bis 2025 schätzen die Experten die förderfreie, installierte PV-Leistung auf etwa fünf bis zehn GWp. Für Dachanlagen kommen PPAs als Finanzierungsmöglichkeit noch nicht in Frage – zu hoch sind die Stromgestehungskosten hier im Vergleich zur Freifläche. (lm)

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