Ab 1. Oktober müssen Verteilnetzbetreiber mehr Transparenz in ihren Netzen schaffen, dann nämlich gilt die Neuregelung des Netzmanagements, kurz Redispatch 2.0. Diese Vorgaben allein umzusetzen, wird für viele Verteilnetzbetreiber aufgrund von fehlendem Know-how und zu wenig Zeit jedoch schwierig, betont das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Es hat daher, um die Unternehmen bei den geforderten Einspeiseprognosen zu unterstützen, ein Tool namens GridSage, englisch für "Netz-Weise*r", entwickelt.
Die Prognose von Erzeugungsleistung ist im Redispatch-2.0-Szenario von zentraler Bedeutung. Gute Prognosen sorgen dafür, dass Redispatch-Maßnahmen günstig und effizient ausfallen können, so das ZSW. Vor allem kleine Verteilnetzbetreiber stelle das jedoch vor große Herausforderungen. Abhilfe soll nun die Prognose-Lösung schaffen, die für Transparanz im Verteilnetz sorge.
Künstliche Intelligenz hilft bei Prognosen
GridSage prognostiziert die Stromerzeugung im Verteilnetz für die nächsten 36 Stunden in einer Auflösung von 15 Minuten“, erklärt Jann Binder vom ZSW. „Wir aktualisieren die Prognosen für die einzelnen EEG-Anlagen und Netzknoten stündlich und stellen sie dem Netzbetreiber automatisiert zur Verfügung.“ Auf Wunsch seien auch andere Zeitintervalle und Prognosehorizonte oder eine flexible Prognoselieferung möglich.
Die ZSW-Wissenschaftler erstellen die Prognosen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz: Neuronale Netze lernen aus Daten der Vergangenheit, welche Erzeugungsanlage bei welchen Wetterbedingungen wie viel Leistung erzeugt. Diese Information nutzt das Tool, um automatisiert hochauflösende Prognosen zu erzeugen. An vielen Stellen unterzieht das ZSW die Messdaten einer Plausibilitätsprüfung, etwa durch den Vergleich der Anlagennennleistung mit der Jahreserzeugung oder den Vergleich mit der Erzeugung von gemessenen Nachbaranlagen, um fehlerhafte Daten auszuschließen.
Bei Stadtwerken Schwäbisch Hall im Einsatz
GridSage könne zudem mehr, als vom Redispatch 2.0 gefordert wird: „Neben der Erzeugung prognostiziert das Werkzeug die Last im Verteilnetz“, so Binder. „Künftig wird das immer wichtiger. Je mehr sich die Elektromobilität durchsetzt und Wärmepumpen in Häusern installiert werden, desto größer wird die Bedeutung von präzisen Vorhersagen zum Verbrauch in Verteilnetzen."
Die Stadtwerke Schwäbisch Hall nutzen laut dem ZSW GridSage seit Oktober 2020. Der kommunale Versorger steuert neben dem eigenen Stromnetz die Netze von zahlreichen weiteren Stadtwerken bundesweit. (sg)



