Projektleiter Pascal Malburg von den Stadtwerken Merzig erklärt die neue Agri-PV-Anlage.

Projektleiter Pascal Malburg von den Stadtwerken Merzig erklärt die neue Agri-PV-Anlage.

Bild: © SWM

Von Julian Korb

Die Stadtwerke Merzig (SWM) haben am Wochenende ihren ersten hybriden Solarpark offiziell in Betrieb genommen. Rund sieben Millionen Euro investierte das kommunale Unternehmen aus dem saarländischen Merzig in die hochmoderne Photovoltaik (PV)-Freiflächenanlage. Dabei kombiniert der Versorger zwei unterschiedliche Solarfelder: Klassische Module in Süd-Ausrichtung und aufgestellte Agri-PV-Module in Ost-West-Ausrichtung ergänzen sich und sollen für eine gleichmäßige, über den Tag verteilte Stromerzeugung sorgen.

Über vier Jahre lang haben die Stadtwerke demnach das Projekt geplant. Die Planung und gewissenhafte Auslegung habe dem Unternehmen große Anstrengungen abverlangt, betont Daniel Barth, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Merzig. "Aber wenn nicht wir, wer sonst sollte zu solch hohen Anfangsinvestitionen bereit sein?"

Benachbarter Windpark wird zum Vorteil

Von der jeweiligen Betriebsgröße her sei kein Stadtwerk im Saarland allein in der Lage, jede Teildisziplin der Energiewende vollständig abzudecken, erklärt Jörg Fritz, Kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke Merzig. "Aber wir in Merzig sind da schon ziemlich nah dran". Man glaube an die reale Aussicht in Bezug auf völlig neue Geschäftsmodelle, mit einer dezentralen erneuerbaren Energieerzeugung die Wertschöpfungskette in der Region deutlich zu erweitern.

Bei der Projektierung des neuen Solarparks habe sich dabei der bestehende Windpark Merchingen II in seiner umliegenden Nachbarschaft als großer Vorteil erwiesen. Denn direkt durch die Fläche der neuen PV-Anlage führte bereits ein Kabel mit großem Querschnitt dieses Windparks, das in Zukunft durch den Anschluss des neuen Solarparks noch besser ausgenutzt werde. Die vorhandene Leitung musste wegen des zusätzlichen PV-Anschlusses nicht verstärkt werden, was in der Regel mit extrem hohen Kosten verbunden ist.

Zudem hätten intensive Beobachtungen und Aufzeichnungen der jeweiligen Lastgänge verschiedener Erneuerbaren-Anlagen ergeben, dass die Erzeugungsarten von Wind- und PV-Strom insofern zusammenpassen, als es zwischen diesen beiden eine äußerst geringe Gleichzeitigkeit gibt. So seien bei dieser Kombination kaum Netzengpässe zu befürchten, etwa wenn zwei Anlagen zur selben Zeit viel Strom erzeugen.

Höherer Ertrag durch bifaziale Module

Der neue Solarpark in den Stadtteilen Merchingen und Brotdorf nutze bei der Agri-PV-Anlage sogenannte bifaziale Module, die in der Lage sind, Sonneneinstrahlung einschließlich ihres reflektierten beziehungswiese diffusen Anteils in Strom umzuwandeln. Sie befinden sich sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite des Gestells.

Bifaziale Module haben punkten gegenüber normalen Modulen bei bewölktem Himmel und diffusem Licht. Eine Agri-PV-Anlage erzeugt durch ihre bifazialen Module je Kilowatt-Peak Nennleistung in Summe rund 10 Prozent mehr Strom als eine sogenannte Süd-PV-Anlage.

Finanzierung über Sparbrief

Bei der Finanzierung des Projekts hätten die SWM gute Erfahrungen mit dem S-Klima-Sparbrief der Sparkasse Merzig-Wadern gemacht. Dabei handelt es sich um eine zweckgebundene Form des Sparbriefs, durch die sich Anleger direkt am Solarpark Merchingen/Brotdorf beteiligen konnten, indem sie einen festen Betrag für dieses eine Projekt – der Einstieg lag bei wenigstens 1000 Euro – für eine Laufzeit von vier Jahren "zu einem attraktiven Zinssatz" anlegten. Damit sei das geplante Kontingent in Höhe von 3 Millionen Euro in kürzester Zeit zusammengekommen.

Technologie-Lieferant für das Agri-PV-System war das deutsche Unternehmen "Next2Sun". Dank der vertikalen Module müssen demnach weniger als 10 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche überbaut werden, etwa 90 Prozent können weiterhin mit landwirtschaftlichem Großgerät bewirtschaftet werden. Auch die alte Weidefläche unterhalb der klassischen PV-Anlage mit Südausrichtung könne weiterhin beweidet werden.

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