Zu Beginn der Woche sorgte die wiederaufkeimende Sorge einer neuen Eskalation im Irankrieg für steigende Preise. Nachdem es an den Folgetagen nichts Neues gab, gaben die Preise wieder nach.

Die aktuelle geopolitische Situation sorgt für viel Unsicherheit und lockt spekulative Händler in den Markt. Dazu könnte der 22-Stunden-Handel am TTF seit Februar 2026 zusätzlich die Volatilität der Preise verstärkt haben.

Aus fundamentaler Sicht ist der Markt gut versorgt, allerdings kommt zu wenig LNG an, um die Einspeicherungen zu stärken. Bisher im Mai wurden nur 47 Terawattstunden (TWh) Erdgas in die europäischen Gasspeicher eingespeichert, 26 Prozent weniger als im Fünf-Jahres-Durchschnitt.

Gasexporte Norwegens auf Jahrestief

In dieser Woche erreichten die geplanten Wartungsarbeiten in Norwegen mit einem Ausfall von bis zu 188 Millionen Kubikmeter pro Tag ihren Höhepunkt in der aktuellen bis Ende Oktober andauernden Wartungsperiode.

Die Anlagen Troll und Kollsnes waren planmäßig zeitgleich vollständig in Wartung, was dazu führte, dass am Mittwoch im französischen Dunkerque kein Erdgas ankam (sonst circa 500 Gigawattstunden pro Tag) und in Emden die Lieferungen auf 200 Gigawattstunden pro Tag (sonst circa 1000 Gigawattstunden pro Tag) zurückgingen.

Norwegen ist Europas wichtigster Gaslieferant. Im aktuellen Jahr 2026 lieferte Norwegen bisher per Pipeline 500 TWh Erdgas nach Europa, was 65 Prozent aller Pipelinelieferungen und rund 25 Prozent des Gesamtangebots entspricht.

Joachim Endres, Geschäftsführer GanexoBild: © Ganexo

Trotz des aus der Hormus-Krise resultierenden Verlusts von rund 20 Prozent des LNG-Angebots, hat sich der globale Gasmarkt bisher erstaunlich gut stabilisiert.

Joachim Endress

Geschäftsführer von Ganexo

Gasmarkt resilient in Hormus-Krise

Trotz des aus der Hormus-Krise resultierenden Verlusts von rund 20 Prozent des LNG-Angebots, hat sich der globale Gasmarkt bisher erstaunlich gut stabilisiert. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) haben dabei Angebots- wie auch Nachfragefaktoren eine Rolle gespielt.

Im März und April sind dem globalen Markt mit der Blockade in Hormus im Vergleich zum Vorjahr rund 18 Milliarden Kubikmeter weggebrochen, was rund einem Drittel des gesamten Gasbedarfs der EU im selben Zeitraum entspricht.

Auf der Nachfrageseite führte in Europa eine stärkere Erneuerbaren-Stromproduktion für einen geringeren Gasverbrauch im Stromsektor. In China beispielsweise sanken im März und April die LNG-Importe gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent, was im Wesentlichen auf eine Verlagerung von Erdgas- zu Kohleverstromung zurückzuführen ist.

USA und Russland erhöhen Gasexporte

Nach Angaben der IEA stieg das LNG-Angebot außerhalb Katars in den Monaten März und April um 12 Milliarden Kubikmeter. Dies lässt sich, so die IEA, auf neue Projekte in den USA, Kanada, Angola und Nigeria zurückführen.

Wie bei der letzten europäischen Energiekrise (Russland), so profitieren auch bei dieser globalen Energiekrise (Hormus/ Iran) die USA durch signifikante Umsatzsteigerungen ihrer Energieproduktion von der Krise. Das US-Energieministerium bewilligte beispielsweise für dieses Jahr der Anlage Plaquemines eine Exportsteigerung von 13 Prozent, was das LNG-Angebot um weitere 4,5 Milliarden Kubikmeter erhöht.

Auch die Pipelinelieferungen nach Europa und China sind höher ausgelastet als vor Beginn des Irankriegs. Russland hat im März und April dieses Jahres beispielsweise nach Europa insgesamt 33,3 TWh Erdgas geliefert, rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr im selben Zeitraum. Algerien lieferte nach Europa dabei rund 61,5 TWh, ebenfalls rund zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

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