Ein vergleichsweise windschwacher und kernenergiearmer Februar hat die Strommengen aus deutschen Steinkohlekraftwerken auf ein Vierjahreshoch steigen lassen. Wie aus Daten der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts hervorgeht, wurden im abgelaufenen Monat knapp 5,2 TWh öffentlicher Nettostrom aus Steinkohle erzeugt. Dieser Wert lag unter der Summe für 2019 (5,8 TWh), aber deutlich über dem bisherigen Minimum aus dem Jahr 2020 (2,6 TWh).
Demnach produzierten auch Braunkohleanlagen mehr als in den drei Vorjahreszeiträumen. Zudem erzeugten Gaskraftwerke mehr Strom als im Schnitt der vergangenen neun Vergleichszeiträumen. Laut Energy-Charts waren die angegebenen 5,5 TWh Erdgasstrom der dritthöchste Februarwert seit mindestens 2015.
Kraftwerk Lünen läuft oft
Besonders oft waren das Heizkraftwerk in Hannover-Stöcken (prozentuale Volllast von 78 Prozent), das Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe, Block 8, (73 Prozent) und Hamburg Tiefstack (71 Prozent) in Betrieb. Aus allen drei Anlagen wird Fernwärme ausgekoppelt.
Auch das Steinkohlekraftwerk der Aachener Stadtwerkekooperation Trianel in Lünen (Nordrhein-Westfalen) lief mit einer prozentualen Volllast von 70 Prozent vergleichsweise oft. Mit einem Ertrag von mehr als 300 MWh erzielte die Anlage den höchsten Wert seit 2019.
Windkraft weiter auf Platz eins
Deutlich seltener zum Einsatz kamen dagegen aus der Reserve geholte beziehungsweise am Netz gebliebene ältere Steinkohlemeiler. Laut Energy-Charts wiesen die Steag-Kraftwerke Bexbach und Bergkamen prozentuale Volllasten von 34 und 33 Prozent auf. Noch weniger waren es bei Heyden (31 Prozent), Weiher (23 Prozent), Mehrum (20 Prozent), Völklingen-Fenne (16 Prozent) und Scholven C (zehn Prozent).
Insgesamt behauptete sich die Windkraft, auf Land und auf See zusammengenommen, als stärkste Stromquelle in Deutschland (29 Prozent). Dahinter reihten sich nach Energy-Charts-Angaben die Braunkohle (20 Prozent) und die Steinkohle (13 Prozent) ein. Photovoltaik-Anlagen trugen sechs Prozent bei und Kernkraftwerke nur noch fünf Prozent.
Isar 2 läuft zu 83 Prozent auf Volllast
Dabei lief das bayerische Kernkraftwerk Isar 2 noch zu 83 Prozent auf Volllast. Neckarwestheim kam auf 66 Prozent, Emsland auf 58 Prozent. Alle drei Stromerzeugungsriesen sollen spätestens am 15. April abgeschaltet werden. (aba)



