Wie tief soll die Politik in den europäischen Strommarkt eingreifen? Um diese Frage ringt gerade das Europäische Parlament. Jetzt liegt ein neuer Bericht vor.

Wie tief soll die Politik in den europäischen Strommarkt eingreifen? Um diese Frage ringt gerade das Europäische Parlament. Jetzt liegt ein neuer Bericht vor.

Bild: © Julian Stratenschulte/dpa

Von Andreas Baumer

Ohne den Ausbau der Stromnetze wird die Energiewende scheitern. Doch wie stark müssen die Netze ausgebaut werden und welche Kosten sind damit verbunden? Eine Woche vor dem diesjährigen BDEW-Kongress wurde der neue BDEW-Fortschrittsmonitor veröffentlicht – samt frischer Zahlen zum Stromnetzausbau. Hier ein Überblick.

1. Netzinvestitionen steigen stark

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber investierten im vergangenen Jahr rund neun Milliarden Euro in ihr Stromnetz. Dieser Wert wird sich laut Prognose im Jahr 2030 fast verdoppeln. Dann dürften 16 Milliarden Euro investiert werden.

Frische Zahlen gibt es auch zu den Verteilnetzbetreibern. Hier wurden im vergangenen Jahr rund zehn Milliarden Euro investiert. In fünf Jahren sollen es rund 15 Miliarden Euro sein.

Die anstehenden Investitionen seien eine Herausforderung, schreiben BDEW und die Unternehmensberatung EY, die den Forschrittsmonitor veröffentlicht haben. "Damit sie gelingen, braucht es eine wettbewerbsfähige Verzinsung des eingesetzten Kapitals bei gleichzeitigem Augenmerk auf kostendämpfende Maßnahmen, beispielsweise durch Standardisierung/Harmonisierung".

Die Stromnetzkosten stehen auch im Fokus der neuen Bundesregierung. Kurzfristig sollen Netzentgelte durch Zuschüsse gedämpft werden. Ein Energiewende-Monitoring soll zudem überprüfen, ob die aktuellen Szenarien zum Stromnetzausbau noch passgenau sind. Es wird erwartet, dass die Ziele etwas nach unten korrigiert werden.


2) Netzentwicklungsplan NEP 2037/2045, Version 2025Screenshot: © BDEW-Fortschrittsmonitor

2. Immer mehr Netznutzer

Nach Kalkulation der Unternehmensberatung EY waren im vergangenen Jahr mehr als vier Millionen Photovoltaik-Anlagen am Netz. Der Großteil der Anlagen wies eine Leistung von 7 bis 25 Kilowatt (kW) auf. Auch 2030 wird dieses Segment demzufolge dominieren. Insgesamt werden dann knapp zehn Millionen Photovoltaik-Anlagen am Netz sein – mehr als doppelt so viele wie 2024.

Übertroffen werden Photovoltaik-Anlagen zahlenmäßig nur von Ladepunkten. Mehr als zehn Millionen Ladepunkte wird es demnach 2030 geben. 2024 waren es etwas mehr als drei Millionen Stück.

Auch die Zahl der Wärmepumpen steigt – auf knapp sechs Millionen Stück im Jahr 2030. Auch hier wäre allerdings noch ein weites Stück Weg zu gehen. 2024 waren es mehr als zwei Millionen Wärmepumpen.

Insgesamt rechnen BDEW und EY bei den zusätzlichen Netznutzern bis 2030 mit einem Anstieg von fast 180 Prozent. Ob es so kommt, hängt davon ab, ob der Verkauf von Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen und Elektroautos tatsächlich entsprechend anzieht.

Screenshot: © BDEW-Fortschrittsmonitor

3. Digitalisierung des Stromnetzes

"Die Digitalisierung der Stromnetze wird zentrale Aufgabe für Netzbetreiber", schreiben BDEW und EY. Tatsächlich hinkt Deutschland hier weiten Teilen Europas hinterher. Trotzdem erwarten BDEW und EY nicht zuletzt wegen gesetzlicher Vorgaben einen zügigen Hochlauf.

Nach EY-Kalkulationen werden im Jahr 2028 erstmals mehr als zehn Millionen intelligente Messsysteme in Deutschland installiert sein. 2031 werden es mehr als 20 Millionen Stück sein.

4. Stromnetz wird länger

2022 war das deutsche Übertragungsnetz noch 36.000 Kilometer lang. Im vergangenen Jahr waren es schon mehr als 38.000 Kilometer. In den kommenden Jahren geht es weiter nach oben. 2030 würden planmäßig mehr als 45.000 Kilometer erreicht werden.

Zur Länge der Verteilnetze gibt es keine gesonderten Zahlen. Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur war das deutsche Stromnetz insgesamt im Jahr 2023 rund 1,9 Millionen Kilometer lang.


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