Als sich das Coronavirus Mitte März 2020 in Deutschland rasant ausbreitete und die Bundesrepublik in ihren ersten harten Lockdown ging, purzelten auch am Stromhandelsmarkt die Preise. Wurde Anfang Januar 2020 eine Megawattstunde Strom im Frontjahreskontrakt noch mit mindestens 45 Euro gehandelt, fiel der Kurs bis Ende März um mehr als zehn Euro.
Nach einem ersten Schock ging es mit den Preisen danach wieder schrittweise nach oben. Spätestens seit der Rallye Anfang dieses Jahres ist Strom an der Börse wieder so teuer wie vor der Krise.

Bullisher Gas- und Ölmarkt
Geholfen haben dürften dabei ein härterer Winter als erwartet und Windprognosen unter Norm. Preistreibend wirkten zudem steigende Kurse auf dem Öl-, Gas- und CO2-Zertifikatemarkt. Ist der Strommarkt also wieder zur Normalität zurückgekehrt und das, obwohl Deutschland sich erneut in einem harten Lockdown wiederfindet?
Tatsächlich dürfte sich neben geringen Temperatur- und Windprognosen auch das Voranschreiten der Anti-Covid-Impfungen auf den deutschen Strommarkt preisstützend ausgewirkt haben. Immerhin wächst damit die Hoffnung, dass die Wirtschaft bald wieder durchstarten kann, womit auch der Bedarf nach Energie größer werden dürfte.
Sorge vor neuen Corona-Maßnahmen
Anders als beim ersten Lockdown produziert die exportorientierte deutsche Industrie zudem fleißig weiter. Doch das, befürchten Börsianer, könnte sich mit neuen Corona-Maßnahmen ändern, die Bund und Länder am Dienstag beschließen wollen.
Seit Mitte vergangener Woche befinden sich praktisch alle relevanten Kurse auf dem Strom- und Gasmarkt in einer Korrektur. (Die ZfK berichtete.) Der Frontjahreskontrakt etwa rutschte am Freitag unter die 50-Euro-Marke.
Mildere Temperatur und mehr Wind
Händler führen mildere Temperaturprognosen und mehr Wind für diese Woche als Hauptgründe dafür an. Sie warnen ab er auch: Sollten Bund und Länder noch härtere Maßnahmen beschließen, könnte hiervon ein weiteres bearishes Signal ausgehen.
Aufgrund der Börsenrallye Anfang des Jahres mussten Energiebeschaffern mitunter tief in die Tasche greifen. Base-Preise von mehr als 50 Euro pro Megawattstunde im Frontjahreskontrakt waren in der jüngeren Vergangenheit eher die Ausnahme.
Früher deutlich höhere Preise
Und doch sagt Horst Ziegler, Leiter Vertrieb und Beschaffung bei den Stadtwerken Bamberg: "Im Vergleich zu früheren Jahren ist die Lage noch immer einigermaßen entspannt. In der Höchstphase 2008 mussten wir den Strom für die Frontjahre 2009 bis 2012 deutlich teurer einkaufen." (ab)
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