Es war eine Woche, die Energiehändler so auch noch selten erlebt haben dürften. Da rasten die Gaspreise im Spotmarkt auf 70 Euro pro MWh zu, da galoppierten die Strompreise hinterher und erreichten an der Energiebörse EEX bis zu 167 Euro pro MWh.
Da schien ein Rekord den nächsten zu jagen. (Mehr Zahlen zu den Energiemärkten finden Sie hier im ZfK-Datenraum.)
CO2-Zertifikate als Preistreiber
Regelrecht verrückt spielte der Gashandel am Mittwoch, als der Frontmonat Oktober am niederländischen Handelspunkt TTF zuerst im zweistelligen Eurobereich stieg, um dann genauso plötzlich und tief wieder zu fallen.
Als Preistreiber gelten dabei nach wie vor vergleichsweise niedrige Füllstände in deutschen Gasspeichern, steigende CO2-Zertifikate, hohe LNG-Nachfrage in Asien und Unabwägbarkeiten über die russische Erdgasversorgung.
Spanische Regierung greift durch
Gas- und Stromrallye schreckten dabei nicht nur Energiehändler auf, sondern auch Spitzenpolitiker quer durch Europa.
Am drastischsten griff die linksgerichtete spanische Regierung durch. Sie stellte angesichts von Strom-Spotpreisen von bis zu 200 Euro pro MWh einen Dringlichkeitsplan vor.
Gewinngrenzen für Atom- und Wasserkraft
Per Dekret begrenzte sie Gewinne für Strom aus Quellen wie Atom- und Wasserkraft. Diese produzieren vergleichsweise günstig, weil ihre Anlagen abgeschrieben sind und keine teuren CO2-Zertifikate benötigen.
Betreiber von Atom- und Wasserkraftwerken profitieren von den hohen Börsenstrompreisen folglich mit am stärksten. Nun aber sind sie übergangsweise verpflichtet, einen Teil ihres Stroms zum realen Preis außerhalb der Strombörse zu verkaufen.
Italien denkt über Maßnahmen nach
Schon zuvor hatte die spanische Regierung die Mehrwertssteuer für Strom bis zum Jahresende von 21 auf zehn Prozent gedrückt. Auch Italiens Wirtschaftsminister Daniele Franco kündigte an, über neue Maßnahmen zur Eindämmung des Strompreises nachzudenken.
Und Deutschland? Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums verweist zum einen auf den Mechanismus der EEG-Umlage, der dabei helfe, dass die Preissteigerungen im Großhandel nicht vollständig auf den Endverbraucher durchschlagen.
Haushaltsmittel für EEG-Umlage
Tatsächlich sinkt die EEG-Umlage, wenn die Erlöse aus der Vermarktung EEG-geförderten Stroms steigen.
Zum anderen nennt die Sprecherin die durch die Bundesregierung veranlasste Stabilisierung der EEG-Umlage durch Gelder des Bundeshaushalts. Hintergrund ist, dass es für 2021 erstmals eine staatliche Bezuschussung aus dem Bundeshaushalt gibt, um die Umlage zu stabilisieren. Die EEG-Umlage soll dieses Jahr höchstens 6,5 Cent pro kWh und im folgenden Jahr maximal sechs Cent pro kWh betragen.
Altmaier: EEG-Umlage abschaffen
Das Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass die Umlage mit den bereits beschlossenen Zuschüssen schon im kommenden Jahr spürbar unter dem politischen Zielwert von sechs Cent pro kWh liegen wird.
Die Sprecherin erinnert ferner an die Forderung von Wirtschaftsminister Peter Altmaier, die EEG-Umlage vollständig abzuschaffen.
Altmaier bekräftigt Position
Ein Anliegen, das der CDU-Politiker in einem Interview mit der "Rheinischen Post" noch einmal bekräftigte. "Die EEG-Umlage muss in den nächsten drei Jahren komplett abgeschafft werden, damit Strom bezahlbar bleibt", wird er zitiert. (aba)
Siehe auch: Was die Gasmärkte diesen Sommer so nervös macht



