Extrempreise im Großhandel haben Beschaffung und Vertrieb vor ganz neue Herausforderungen gestellt.

Extrempreise im Großhandel haben Beschaffung und Vertrieb vor ganz neue Herausforderungen gestellt.

Bild: © Theo Eilertsen Photography/Unsplash

Noch vor wenigen Wochen schien es, als würden Stromversorger etwas glimpflicher durch den Winter kommen als Gasanbieter.

Zwar waren auch die Strompreise im Großhandel steil nach oben gegangen. Allerdings verschaffte die Absenkung der EEG-Umlage an der Vertriebsfront etwas Luft, senkte mancher Grundversorger seine Strompreise für das kommende Jahr sogar leicht. (Die ZfK berichtete.)

Frontjahreskontrakt geht durch die Decke

An Strompreissenkungen dürfte aktuell nicht mehr zu denken sein. Die Großhandelspreise gingen in den vergangenen Tagen durch die Decke.

Das Standardprodukt für das Lieferjahr 2022 verdreifachte sich nahezu innerhalb von nur einem Monat. Am Dienstag wurden satte 315 Euro pro MWh fällig, wie Zahlen des ZfK-Datenraums zeigen.

434 Euro für Liefermonat Januar

Noch höher fielen die Spotpreise aus. Am Dienstagnachmittag (17 bis 18 Uhr) notierte der Day-Ahead an der Kurzfristbörse Epex Spot bei 529, 20 Euro pro MWh.

Der Strompreis für den Liefermonat Januar stieg auf 434 Euro pro MWh und lag damit mehr als doppelt so hoch wie vor einem Monat. Am Mittwoch entspannte sich die Lage etwas.

Erdgas statt Wind

Es hat sich ein toxischer Misch zusammengebraut an den Energiemärkten. In dieser Woche steuerten erneuerbare Energien gerade einmal 25 Prozent zum Strommix bei (Stand Mittwoch, 13.22 Uhr, Energy-Charts).

Eingesprungen ist dafür neben der Steinkohle vor allem Erdgas, das wegen niedriger Gasspeicherstände und reduzierter Gasflüsse aus Russland sowie hoher Nachfrage, ebenfalls auf Rekordniveau liegt.

13 AKW in Frankreich vom Netz

Verschärft hat sich die Situation durch die unerwartete Abschaltung zweier französischer Atomkraftwerke.

Nach Angaben der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts sind aktuell insgesamt 13 französische Kernkraftwerke vom Netz.

Maingau Energie: Preis erst runter, dann rauf

Das extrem hohe Preisniveau bringt auch so manchen Vertrieb gehörig ins Schlingern. Noch Ende November verkündete Anbieter Maingau Energie, seine Strompreise 3,13 Cent pro kWh für kommendes Jahr zu senken.

Nun die Rolle rückwärts. Schon im Februar will der Versorger saftig aufschlagen: um 24,62 Cent pro kWh auf insgesamt 47,78 Cent pro kWh im Arbeitspreis. Auf ZfK-Nachfrage reagierte Maingau Energie nicht. Beide Schreiben stellt das Portal "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" online zur Verfügung.

Arbeitspreis von 51,97 Cent pro kWh

Am Montag wurde bekannt, dass Energieversorger Enqu wohl mehrere tausend Strom- und Gaskunden nicht mehr beliefern kann. (Die ZfK berichtete.) Eine gute Gelegenheit, um Neukunden zu gewinnen, dachte sich wohl Rheinpower, die bundesweit tätige Online-Marke der Stadtwerke Duisburg.

Ihr Angebot: ein Arbeitspreis von 51,97 Cent pro kWh bei einer Vertragslaufzeit von 24 Monaten. Das Werbeschreiben wurde der ZfK von "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" zugespielt.

Unmittelbar bekommen Kunden dynamischer Tarife die aktuellen Strompreise zu spüren. Anbieter Awattar zeigt jeden Tag auf seiner Website, wie viel 1 kWh Strom pro Stunde an der Börse umgerechnet kostet. Am Dienstag waren es zwischen 17 und 18 Uhr satte 73,78 Cent brutto.

Verivox-Preiskönig Vattenfall

Allerdings sah es zu anderen Tageszeiten ganz anders aus. Für Donnerstagnacht zwischen 23 und 24 Uhr sind es demnach lediglich 11,76 Cent pro kWh.

Verhältnismäßig günstig ist Energiekonzern Vattenfall unterwegs. Auf dem Vergleichsportal Verivox warb er am Mittwochnachmittag für einen Durchschnittshaushalt in Berlin (Jahresverbrauch 2500 kWh) mit einem Arbeitspreis von 32,30 Cent pro kWh bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten und einem Grundpreis von 112,80 Euro pro Jahr.

Shell Energy mit Angebot von 61,09 Cent pro kWh

Dass es auch anders geht, zeigte Stromversorger Shell Energy. Er bot zum selben Zeitpunkt beim Arbeitspreis fast das Doppelte – nämlich 61,09 Cent pro kWh. (aba)

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