Ökostromzertifikate aus norwegischer Wasserkraft sind in Deutschland weit verbreitet. (Symbolbild)

Ökostromzertifikate aus norwegischer Wasserkraft sind in Deutschland weit verbreitet. (Symbolbild)

Bild: © SorbyPhoto/AdobeStock

Die Wasserkraft könnte bei der Energiewende eine größere Rolle spielen als bisher angenommen. Das zumindest hat eine Studie der Energy Watch Group ergeben. Demnach könnte Deutschland die installierte Leistung durch verschiedene Maßnahmen um 7,1 Gigawatt (GW) erhöhen und damit 28 Terawattstunden (TWh) zusätzlichen grünen Strom erzeugen.

Allein der Erhalt und die Modernisierung bestehender Anlagen durch Repowering könnte bis zu 20 Prozent mehr Leistung ermöglichen, heißt es. Etwa durch den Wechsel älterer Turbinen zu modernen Modellen. Zudem könnten rund 15.000 stillgelegte Querverbauungen wieder reaktiviert werden, so der Think Tank.

5 GW durch Neubau

Dabei handelt es sich laut Studie teilweise um große Kraftwerke mit 300 bis 400 KW Leistung oder mehr, die sich schnell reaktivieren und repowern ließen. Das Potenzial für die Wiederbelebung alter Anlagen ist groß: Deutschland hatte historisch 80.000 Wasserkraftwerke; im Betrieb sind heute davon nur noch 7600.

Darüber hinaus ziehen die Studienautoren auch den Neubau neuer Anlagen in Betracht. Ein Plus von etwa 5,3 GW Leistung sei dadurch möglich. Dies entspricht 21,6 TWh zusätzlich erzeugtem Strom.

Bis zu 5000 Volllaststunden

Für die Wasserkraft spricht aus Sicht der Studienautoren, dass die Technologie auf deutlich höhere Volllaststunden als Wind und PV kommt: auf 4500 bis 5000 Stunden im Jahr. Solaranlagen kommen maximal auf 1000 Stunden jährlich. Wasserkraft besticht zudem durch eine hohe Lebensdauer von im Schnitt über 100 Jahren und vermeidet über den Lebenszyklus hinweg mehr CO2-Emissionen als andere erneuerbare Technologien.

Außerdem genießt die Wasserkraft einen hohen Rückhalt in der Bevölkerung: Im Akzeptanz-Ranking liegt sie mit 88 Prozent auf Platz 2, nur kurz hinter Solardächern.

Potenzial der Flusswärme

"Die Wasserkraft kann schnell, netzdienlich, ökologisch vorteilhaft die Leistung der Erneuerbaren ausbauen", sagt Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group. "Wir rufen die Politik auf, die Trendumkehr einzuleiten und die Wasserkraft zu fördern, via EEG und via Genehmigungspraxis."

Für künftige Studien empfiehlt die Energy Watch Group des Weiteren, das Potenzial der Flusswärme für die Wärmeversorgung stärker zu untersuchen. Auch im Hinblick auf die Sektorenkoppung, etwa mit der E-Mobilität, seien weitere Untersuchungen nötig. (jk)

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