"Solange wir von Öl und Gas abhängig sind, zahlen wir weiter den Preis für die Kriege anderer", sagte kürzlich der französische Premierminister Sébastien Lecornu. Damit sprach er aus, was viele europäische Regierungsvertreter seit der neuerlichen Eskalation des USA-Iran-Konflikts denken dürften. Auch die Bundesregierung steht seit der Preisexplosion für fossile Energien, vor allem Erdöl und Erdgas, wieder stärker unter Druck, für Preisdämpfer zu sorgen.
Ein Blick auf unsere Auswertung zeigt, wie groß die Abhängigkeit Deutschlands bei einzelnen Energieträgern ist. Doch nicht nur fossile Energien, wie Erdgas oder Erdöl, springen dabei ins Auge. Auch bei für die Energiewende so wichtigen Rohstoffen wie Kobalt, Nickel und anderen ist die Importquote hoch – und mit ihr meist auch das politische Risiko in den meisten Herkunftsländern.
Erdgas
Der Großteil des Gasverbrauchs wird durch Importe abgedeckt. Lediglich ein geringer Teil stammt aus heimischer Förderung – hauptsächlich aus Niedersachsen. Fracking ist zwar derzeit verboten, wird aber politisch diskutiert.
Erdöl
Deutschland fördert Erdöl im Emsland (Niedersachsen) und in Schleswig-Holstein. Die Bohr- und Förderinsel Mittelplate im Wattenmeer ist die ergiebigste deutsche Förderstätte.
Kohle
Deutschland fördert nur noch Braunkohle, und zwar im Rheinischen Revier in Nordrhein-Westfalen, im Lausitzer Revier (Brandenburg, Sachsen) und im Mitteldeutschen Revier (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen). Seit Ende 2018 ist die heimische Steinkohleförderung ausgelaufen – verfeuert wird diese trotzdem noch.
Strom
Strom ist kein klassischer Energieträger mit globalem Markt wie Erdöl oder Erdgas und nur regional handelbar im europäischen Stromsystem. Importe sind stark von Marktpreisen beeinflusst und deuten nicht notwendigerweise auf eine physische Abhängigkeit hin.
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Biogas
Biogas wird vor allem heimisch erzeugt. Importe betreffen hier nur die Biomasse.
Kritische Rohstoffe
Lithium wird vor allem in Batterien eingesetzt, etwa für Elektroautos, aber auch für stationäre Batteriespeicher. Seltene Erden sind für Windkraftanlagen, vor allem Offshore, derzeit noch unersetzlich, kommen zudem in Elektromotoren vor.
Kobalt und Nickel kommen ebenfalls in Batterien zum Einsatz, Nickel wird zudem für Legierungen in Kraftwerken verwendet. Ohne Kupfer gibt es keine Stromnetze oder Transformatoren. Das Element Wolfram wird unter anderem in Leistungselektronik sowie Netztechnik eingesetzt. Wolfram-Vorkommen gibt es zwar auch in Deutschland, etwa im Erzgebirge (Sachsen), diese werden aber derzeit noch nicht im industriellen Maßstab ausgebeutet. Ein bedeutender Teil wird derzeit zudem aus Recycling gewonnen.
Politisches Risiko: Herkunftsländer
Bei den fossilen Energien ist die Anzahl der Herkunftsländer mittlerweile größer als noch vor einigen Jahren. Die Diversifizierung der Bezugsländer macht die Importe resilienter. Demgegenüber ist ein deutlich höheres geopolitisches Risiko bei kritischen Rohstoffen zu erkennen.



