Freileitungsmast im Höchstspannungsnetz.

Freileitungsmast im Höchstspannungsnetz.

Bild © TransnetBW

Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW hat eine neue Studie veröffentlicht: "Energy System 2050 – towards a decarbonised Europe". Dabei richtet TransnetBW den Blick über die eigene Regelzone hinaus in Richtung Europäische Union.

"Die Energiewende ist nur dann effizient machbar, wenn sie auf europäischer Ebene gemeinsam geplant und durchgeführt wird", erklärte Michael Jesberger, Technischer Geschäftsführer von TransnetBW, bei der Studienvorstellung. "Für uns als Übertragungsnetzbetreiber steht fest: Die Gestaltung der Netzinfrastruktur wird eine Schlüsselrolle für das Gelingen der Energiewende spielen."

Noch viele Unsicherheiten - zwei Szenarien

Dass die Energiewende gelingt, wird in der Studie vorausgesetzt: Prämisse der Analysen und Berechnungen ist, dass der European Green Deal 2050 umgesetzt ist und Klimaneutralität in der EU erreicht wird. Der Weg dorthin ist allerdings mit vielen Unsicherheiten behaftet. Beispielsweise ist heute noch unklar, wo in Zukunft wieviel Wasserstoff produziert werden wird.

Da es also nicht einen vorbestimmten Pfad in die Zukunft einer klimaneutralen EU gibt, arbeitet die Studie mit zwei Szenarien. So werden verschiedene mögliche Entwicklungen berücksichtigt und ihre Auswirkungen auf die Erfordernisse der Transportinfrastruktur für Strom und Gas beleuchtet.

Infrastruktur Strom- und Gasversorgung Rückgrat der Energiewende

"Die Studie macht es ganz deutlich: Die Infrastruktur der Strom- und Gasversorgung ist das Rückgrat der Energiewende", sagte Olaf Sener, Leiter des Asset Managements bei TransnetBW, in der Diskussionsrunde, die auf die Vorstellung der Studie folgte.

Während des Vortrags von Jonas Lotze, Studienleiter für "Energy System 2050" bei TransnetBW, gingen über den Chat zahlreiche Fragen der weit über 100 online Anwesenden ein. Diese wurden in einer Podiumsdiskussion aufgegriffen, zu der auch Prof. Dogan Keles, Abteilungsleiter für den Bereich Energiewirtschaft und Modellierung bei der Technischen Universität Dänemark und Mitglied des Studienbeirats, angereist war.

Nötige Flexibilisierung  - Erhöhung der grenzüberschreitenden Transportkapazität

Keles betonte in der Diskussion, wie wichtig Flexibilität in einem innovativen Energiesystem sei: "Um ein effizientes Energiesystem mit volatilen erneuerbaren Energien zu realisieren, muss die zeitliche Flexibilität der Nachfrage durch Speicher und Nachfragemanagement in allen angeschlossenen Sektoren gewährleistet werden." Einfach ausgedrückt heißt das, dass nicht mehr die Nachfrage die Erzeugung bestimmt. Stattdessen muss sie flexibel gesteuert werden.

Groß sind auch die Unterschiede zwischen den aktuellen Netzausbauplanungen und dem in der Studie identifizierten Ausbaubedarf. Die im Rahmen der Studie durchgeführten Netzanalysen zeigen deutlich, dass das europäische Stromnetz massiv ausgebaut werden muss. Die Kapazität für den grenzüberschreitenden Stromtransport muss von heute 70 Gigawatt auf 200 Gigawatt erhöht werden.

Deutscher Netzentwicklungsplan reicht nicht aus

Die Lage in der Mitte Europas und die hohe Importabhängigkeit von Baden-Württemberg und Deutschland erfordern zusätzliche HGÜ-Verbindungen über den deutschen Netzentwicklungsplan hinaus. In Baden-Württemberg müssen 830 Kilometer Stromleitungen verstärkt werden, um die Versorgungssicherheit nicht nur in dieser Region, sondern auch in Europa zu gewährleisten.

Die Studie kommt darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass in Baden-Württemberg 18 Gigawatt HGÜ-Verbindungen, einschließlich sieben Gigawatt Interkonnektoren zu Frankreich und der Schweiz notwendig werden. "Da Planung und Umsetzung von Netzbauprojekten trotz vielfältiger Beschleunigungsversuche immer noch sehr lang dauern, drängt die Zeit, wenn die klimapolitischen Ziele der EU fristgerecht umgesetzt werden sollen", resümierte Jesberger. (hcn)

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