In einer repräsentativen Umfrage, die der Übertragungsnetzbetreiber Tennet beim Online-Umfrageunternehmen Civey beauftragt hatte, wünschen sich rund 70 Prozent eine sowohl bezahlbare als auch verlässliche Versorgung mit Energie, zudem sagen 40 Prozent, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland erhalten werden muss.
Hierbei spielt auch die Frage nach sicheren Arbeitsplätzen eine wichtige Rolle. Erst dahinter – mit rund 34 Prozent – rangiert der Klimaschutz als Ziel des Netzausbaus.
Die Online-Panelbefragung von 10.000 Personen ab 18 Jahren aus der bundesdeutschen Gesamtbevölkerung fand im Zeitraum vom 30. Juni 2023 bis 07. Juli.2023 statt.
Akzeptanz vor Ort
Sowohl für den Ausbau von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energie als auch für den Ausbau der zugehörigen Infrastruktur unmittelbar vor Ort habe die Umfrage hohe Zustimmungswerte gezeigt: Stromtrassen, Windparks und Kraftwerke (etwa für Geothermie oder Wasserstoff) liegen mit jeweils 46 Prozent Zustimmung gleichauf auf Platz zwei. Nur Solarparks werden noch stärker akzeptiert (64 Prozent). Weniger Akzeptanz finden Gasleitungen (40 Prozent).
Bei den Land- und Forstwirten zeigt sich ein etwas anderes Bild. Hier erhalten Kraftwerke (59 Prozent) die meiste Zustimmung, gefolgt von Stromtrassen (47 Prozent). Solarparks dagegen finden in dieser Gruppe bei nur 38 Prozent der Befragten Akzeptanz und liegen an letzter Stelle.
Veränderte Blick durch russischen Angriffskrieg
„Der Blick auf die Energiesicherheit hat sich in Deutschland verändert“, sagt TenneT-COO Tim Meyerjürgens, „unsere Umfrage zeigt, dass infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine fast zwei Drittel der Menschen mit Sorge auf die Sicherheit der Energieversorgung schauen."
Gleichzeitig belegt die Umfrage ihm zufolge die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für den Ausbau unserer Netze und weiterer Energieinfrastruktur. "Diese positive Tendenz der Zustimmung hatten wir in den vergangenen Monaten bereits deutlich in unseren Projekten vor Ort wahrgenommen und sie wird nun in den Antworten der Befragten bestätigt."
Lokale Energieunabhängigkeit und regionale Wirtschaft zählen
Beim Ausbau des lokalen Stromnetzes ist den Bürgerinnen und Bürgern laut Civey-Umfrage vor allem wichtig, dass er für ihre Region konkrete Vorteile hat: etwa indem er die Energieunabhängigkeit des Wohnorts (53 Prozent) und die regionale Wirtschaft (48 Prozent) stärkt.
Mit Blick auf die Projektkommunikation fordern viele Menschen, dass sie frühzeitig informiert werden (41 Prozent). Eine tatsächliche Beteiligung an der Planung findet dagegen nur ein Fünftel relevant. Interessant: Persönliche finanzielle Vorteile wünscht sich weniger als ein Drittel der Befragten.
Zwei Drittel sehen Reduktionspotenzial, ein Drittel weiß nicht oder will nichts reduzieren
Um Verfahren zu beschleunigen, kann aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger am ehesten die Berücksichtigung des Landschaftsbildes reduziert werden (37 Prozent). Auch der Abstand von neuen Stromleitungen zu Wohngebieten und der Denkmalschutz sind aus ihrer Sicht weniger wichtig.
Jeweils 28 Prozent denken, dass Umwelt- und Artenschutzprüfungen sowie die Bürgerbeteiligung reduziert werden könnten.
Etwa ein Viertel (25,5 Prozent) sind allerdings der Meinung, dass gar nichts davon reduziert werden sollte – diese Sicht ist insbesondere in Ostdeutschland verbreitet.
Bei den Befragten der Land- und Forstwirtschaft zeigt sich eine andere Prioritätensetzung: Sie sehen vor allem beim Umwelt- und Artenschutz Reduktionspotenzial (47 Prozent). Nur etwa jeder Zehnte in dieser Gruppe (11 Prozent) will lokale Beteiligungsformate reduzieren. (sg)



