Die Übertragungsnetzbetreiberin TransnetBW und Netze BW als größte Verteilnetzbetreiberin in Baden-Württemberg haben mit einer gemeinsamen Zielnetzplanung für Baden-Württemberg begonnen.
Beteiligt sind auch weitere Verteilnetzbetreiber, die direkt ans Übertragungsnetz in Baden-Württemberg angeschlossen sind. Während bei der bisherigen Planung nach Spannungsebene getrennt jeweils ein Netzentwicklungsplan für das Übertragungsnetz und ein Netzausbauplan für das Verteilnetz ausgearbeitet wurden, wird nun ein gemeinsames Zielnetz entwickelt.
Sichererer Netzbetrieb angestrebt
Dabei werden auch kritische Szenarien im über- oder untergeordneten Netz betrachtet, die zuvor bei einer getrennten Analyse nicht in die Planung aufgenommen werden konnten. In der gemeinsamen Zielnetzplanung haben TransnetBW und Netze BW zunächst auf Basis der Szenarien und Daten des Netzentwicklungsplans ihren Ausbaubedarf ermittelt.
Danach haben die Netzplanerinnen und -planer in beiden Unternehmen ihre Datensätze zusammengeführt und rechnerisch ermittelte Netzüberlastungssituationen analysiert, die im Übertragungsnetz auftauchen und auf das Verteilnetz wirken. Im nächsten Schritt wurden Gegenmaßnahmen im Verteil- und Übertragungsnetz entwickelt, um diese kritischen Netzsituationen zu beherrschen.
Die daraus resultierenden Leitungs- und Punktmaßnahmen sollen den Systembetrieb in Baden-Württemberg sicherer machen. Dabei wurden alle Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit, Realisierbarkeit und den Investitionsbedarf überprüft.
Bislang einzigartig in Deutschland
Mit der Betrachtung der ökonomischen Dimension betreten die beiden Unternehmen Neuland. „Wir freuen uns, dass die Planungen über die Spannungsebenen hinweg abgestimmt und volkswirtschaftlich optimale Netzausbaumaßnahmen gefunden wurden. Der Netzausbauplan und der Netzentwicklungsplan greifen so ineinander. Das ist neu und beispielhaft,” erklärt Michael Jesberger, Technischer Geschäftsführer von TransnetBW.
Martin Konermann, Geschäftsführer von Netze BW erklärt: „Die heutige Erzeugungslandschaft ist vielfältig und dezentral. Durch die gemeinsame Netzplanung mit TransnetBW können wir die Anpassung der Stromnetze an die Anforderungen der Energiewende noch wirkungsvoller und effizienter gestalten.“
Konkretes Vorgehen
Seit Mitte 2021 haben TransnetBW und Netze BW ein Maßnahmen-Paket ermittelt. Darin enthalten sind unter anderem punktuelle Baumaßnahmen in den Umspannwerken Trossingen und Niederstotzingen sowie Änderungen von Netzverschaltungen im Raum Ostalb.
Diese Maßnahmen vermeiden Netzüberlastungen und Transitflüsse durch das 110-kV-Netz, die bei einem Ausfall von bestehenden Stromkreisen im 380-Kilovolt-Netz entstehen. Zudem kann so der nötigte Leistungsfluss zwischen Übertragungs- und Verteilnetz bereitgestellt werden.
Neue Ideen entwickelt
„Wir haben gute Ideen entwickelt, wie wir die ungewollten Transite beherrschen können. Damit sind wir in Sachen Versorgungssicherheit einen guten Schritt weitergekommen“, sagt Martin Eilers, Teamleiter Netzplanung von Netze BW.
Und Simon Marwitz, Teamleiter Netzplanung von TransnetBW ergänzt: „Die Netzplanung zwischen Verteil- und Übertragungsnetzbetreibern greifen ineinander. Es freut mich, dass so aus einer gesamtheitlichen Perspektive identifiziert wird, welche der vielen möglichen Maßnahmen umgesetzt werden sollten.“
Basis für Analyse der Auswirkungen des Netzentwicklungsplans 2023
Mit dem gemeinsamen Planungsansatz wollen die beiden Netzbetreiber eine Basis schaffen, um die Auswirkungen des Szenariorahmen-Entwurfs für den Netzentwicklungsplan Version 2023 auf den Netzausbau umfassend und netzübergreifend analysieren zu können. Der aktuelle Szenariorahmen-Entwurf wurde im Januar dieses Jahres veröffentlicht.
Er enthält zum ersten Mal ein Szenario, dem das Erreichen der Klimaneutralität im Jahr 2045 zugrunde liegt und das somit ein mögliches Zielszenario des deutschen Energiesystems postuliert. (sg)



