Strom- und Gaskunden müssen im kommenden Jahr mit deutlichen Kostensteigerungen rechnen.

Strom- und Gaskunden müssen im kommenden Jahr mit deutlichen Kostensteigerungen rechnen.

Bild: © dermauber/AdoeStock

Die NPC Ukrenergo hat den Bau und die Inbetriebnahme einer Leitung mit einer Spannungsklasse von 330 kV im Westen der Ukraine abgeschlossen. Es handelt sich um die erste Energieanlage im Stromnetz, die von NPC Ukrenergo während des Krieges fertiggestellt und in Betrieb genommen wurde. Der Bau der Leitung war im Zehn-Jahres-Netzentwicklungsplan vorgesehen, der von der Gesellschaft jährlich aktualisiert wird. Die Bauarbeiten dauerten 17 Monate. Auf die Nennung der Namen der Stromleitungen habe man angesichts der Kriegslage bewusst verzichtet.

Es wurden dabei Arbeiten an zwei Unterstationen der Spannungsklasse 750 kV und 330 kV durchgeführt, um die Leitung anzuschließen. Insbesondere wurden im 330-kV-Umspannwerk die Schutzrelais, die Notstromautomatisierung und die Kommunikationseinrichtungen ausgetauscht, und im 750-kV-Umspannwerk wurde eine neue 330-kV-Zelle für den Anschluss der Leitung gebaut.

60 Prozent der Stromanlagen in Kiew und Tschernihiw wiederhergestellt

"Während des Krieges haben wir uns auf zwei Prioritäten konzentriert: die rasche Wiederherstellung der vom Feind beschädigten Stromnetze und die Fertigstellung von Infrastrukturentwicklungsprojekten in den Regionen, in denen wir die Möglichkeit haben, sie zu realisieren", so Volodymyr Kudrytskyi, Vorstandsvorsitzender von NPC Ukrenergo. Bis heute habe man 60 Prozent der Stromanlagen in den befreiten Regionen Kiew und Tschernihiw wiederhergestellt und trotz des Kriegsrechts den Bau einer neuen Hochspannungsleitung abgeschlossen.

"Diese Leitung ist ein wichtiges Element zur Verbesserung der Zuverlässigkeit des Stromsystems im Hinblick auf die Synchronisierung mit ENTSO-E und den künftigen Ausbau der Export-Import-Stromlieferungen zwischen der Ukraine und Europa", erklärte Kudrytskyi. Das ukrainische Stromnetz funktioniere weiterhin stabil und parallel zum ENTSO-E-Netz. Das Verbrauchsniveau habe sich stabilisiert und steige weiter an.

Kosten

Die Kosten der 330-kV-Leitung  im Westen der Ukraine beliefen sich auf 546 Millionen Hrywnja (UAH ohne Mehrwertsteuer). Das entspricht  in etwa 17 Mio. Euro. Gleichzeitig konnte man durch den Wettbewerb bei der Ausschreibung und vor allem Optimierungen fast 20 Prozent (134 Mio. UAH, 4,2 Mio Euro) der ursprünglichen Kosten einsparen. Die Finanzierungsquelle bestand aus den Tarifmitteln der NPC Ukrenergo und den Einnahmen des Unternehmens aus den grenzüberschreitenden Kapazitätszuweisungen.

Die neue Hochspannungsleitung hat nach Angaben des Netzbetreibers bereits die Zuverlässigkeit des Netzes und der Stromversorgung der Verbraucher in der Westukraine erhöht. Sie decke insbesondere den Bedarf des allmählich wachsenden Stromverbrauchs in der Region. Dies ist auf die Verlagerung von Unternehmen vom linken Ufer der Ukraine in die westlichen Regionen zurückzuführen. Außerdem erhöhe die neue Leitung zusammen mit den bereits installierten Anlagen die Zuverlässigkeit der Versorgung von Verbrauchern und Industrie in der gesamten Region Czernowitz erheblich.

Bessere Versorgungssicherheit gewährleistet

Die Leitung ist auch für den Ausgleich des ukrainischen Stromnetzes von Bedeutung. So erhöhte die neue Leitung die Zuverlässigkeit des Kraftwerks Dnistrovska HPSPP im Pump- und Erzeugungsbetrieb mit drei Hydraulikeinheiten im Normalbetrieb und unter Berücksichtigung des künftigen Baus einer weiteren 330-kV-Freileitung - vier Hydraulikeinheiten.

Weitere Maßnahmen

Zunehmend werden mehr Abschnitte der Fernleitungen in den Regionen Kiew, Tschernihiw und Sumy  in Betrieb genommen, teilte die Übertragungsnetzbetreiberin auf Twitter mit. Die 330-kV-Freileitung an der Grenze zwischen den Regionen Kiew und Tschernihiw sei nun wieder angeschlossen. Als nächstes stehen zwei weitere Leitungen für 330 und 750 kV an.

Drei weitere 330-kV-Leitungen sind in Arbeit. Im Laufe des Tages habe man 60 Überspannungen untersucht und 23 Panzerabwehrminen entschärft. In einem Hochspannungsumspannwerk in der Region Sumy wird ein 110-kV-Leistungsschalter ausgetauscht, in einem anderen Umspannwerk in der Region Kiew wird die Installation der Ausrüstung abgeschlossen, und die Arbeiten zur Montage neuer Masten, zum Austausch von Drähten und zur Isolierung werden fortgesetzt.

Die Verteilernetzbetreiber  haben demnach in den letzten Tagen mehr als 40.000 Verbraucher wieder an das Stromnetz angeschlossen. (sg)

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