Wechselkunden sind bei Energieanbietern in der Regel nicht sonderlich beliebt. (Symbolbild)

Wechselkunden sind bei Energieanbietern in der Regel nicht sonderlich beliebt. (Symbolbild)

Bild: © Antonioguillem/AdobeStock

Die gute Nachricht gleich vorneweg: Die Mehrheit der Befragten (67 Prozent) hält die Stromversorgung in Deutschland für sicher. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox. Für die Studie wurden im November 2019 und September 2021 deutschlandweit online 1.000 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren befragt

Doch obwohl die durchschnittliche Unterbrechungsdauer hierzulande bei unter 15 Minuten pro Jahr liegt,  waren durch die verheerenden Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Sommer 2021 zeitweise Hunderttausende Haushalte ohne Strom. Für Tausende Haushalte hielt die Stromunterbrechung wochenlang an.

Stromausfälle werden für wahrscheinlicher gehalten

„Dadurch ist das Thema Blackout bei vielen Deutschen präsenter geworden. 32 Prozent der Befragten geben an, dass sie es für wahrscheinlich halten, dass die Stromversorgung auch an ihrem Wohnort ausfallen könnte. Im Jahr 2019 lag dieser Wert noch bei 25 Prozent“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Naturkatastrophen deutlich ins Bewusstsein gerückt

Nach den Überflutungen hält die Mehrheit der Bevölkerung (52 Prozent) Naturkatastrophen für die größte Bedrohung der Stromversorgung. Vor zwei Jahren wurden noch veraltete Stromnetze als Hauptproblem eingeschätzt.

Marode Stromnetze werden nun gemeinsam mit Cyber-Angriffen (je 38 Prozent) als zweitgrößte Blackout-Gefahr angesehen. Darauf folgen Terrorangriffe/Sabotageakte (30 Prozent) und Ausfälle durch menschliches Versagen (28 Prozent). Dass die Stromnetze durch die Stromproduktion aus Sonne und Wind überlastet werden könnten, fürchten nur 16 Prozent der Befragten.

Mehrheit ist überhaupt nicht vorbereitet

65 Prozent der Befragten geben an, sich noch nie mit dem Thema Stromausfall befasst zu haben. Doch selbst wer sich damit gedanklich beschäftigt (35 Prozent), unternimmt in der Regel wenig: Nur eine knappe Mehrheit dieser Gruppe gibt an, auch selbst konkrete Vorbereitungen getroffen zu haben. Vor zwei Jahren waren es noch weniger als die Hälfte.

Dabei hält die Mehrheit aller Befragten eigene Vorbereitungen auf einen möglichen Blackout für sinnvoll (61 Prozent), auch weil sie öffentlichen Stellen diese Aufgabe mehrheitlich nicht zutrauen.

Geringes Vertrauen in öffentliche Stellen

57 Prozent der Befragten glauben, dass Behörden bzw. verantwortliche Stellen nicht gut oder unzureichend auf einen Blackout vorbereitet sind. Von einer sehr guten oder guten Vorbereitung gehen nur 19 Prozent der Befragten aus.

Häufigste Blackout-Vorsorge: Beleuchtung, Nahrung, Wasser und Bargeld

Wenn sich die Befragten auf einen Stromausfall vorbereitet haben, wurde am häufigsten (63 Prozent) für Beleuchtungsmittel wie Kerzen oder Taschenlampen gesorgt. Auch Vorräte an Nahrung (60 Prozent), Bargeld (47 Prozent) und Wasser (46 Prozent) werden häufiger angelegt. Selten wird für eigene Elektrizität per Notstromaggregat (24 Prozent) gesorgt. 18 Prozent geben an, sich im Bereich Selbstverteidigung/Bewaffnung vorbereitet zu haben.

Insgesamt ist die Mehrheit der Bevölkerung laut der Umfrage auf Notfälle eher schlecht vorbereitet. Weniger als die Hälfte (41 Prozent) aller Befragten hat eine Dokumentenmappe mit wichtigen Unterlagen vorbereitet. Nur ein Viertel (27 Prozent) hat eine Erste-Hilfe-Ausrüstung griffbereit.

„Dass nur so wenige Menschen Vorbereitungen für die Ersthilfe getroffen haben, ist alarmierend“, sagt Thorsten Storck. „Es muss kein Blackout sein, auch ein medizinischer Notfall im Haushalt oder in der Nachbarschaft kann jederzeit eintreten. Darauf sollten alle vorbereitet sein.“

Welche Versorgung hält laut Bürgermeinung am längsten durch?

Im Rahmen der Umfrage im Jahr 2019 wurde außerdem gefragt, wie lange die Infrastruktur im Falle eines Blackouts funktionieren würde.

43 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Wasserversorgung noch einige Tage lang funktionieren würde, 34 Prozent rechnen mit einigen Stunden. Tatsächlich hängt die Dauer der Wasserversorgung bei Stromausfall von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten ab, sie ist laut dem Büro für Technikfolgen-Abschätzung in der Regel jedoch nur auf wenige Stunden ohne Strom ausgelegt.

Eine große Mehrheit der Befragten (66 Prozent) geht davon aus, dass Telekommunikationsdienste wie Telefon und Internet bei einem Stromausfall noch so lange verfügbar sind, wie die eigenen Akkus halten. Das ist jedoch falsch. Der heimische Festnetzanschluss ist mittlerweile in den allermeisten Fällen auf die Stromversorgung angewiesen, der Internetanschluss in jedem Fall.

Auch das Mobilfunknetz wird nur eingeschränkt und schnell gar nicht mehr nutzbar sein, denn die Mobilfunkmasten wären schnell überlastet und müssen ebenfalls mit Strom versorgt werden. (sg)

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