Von Julian Korb
In Deutschland kommt es immer häufiger zu Problemen bei der Stromversorgung von Unternehmen. Vor allem viele kurze Unterbrechnungen stellen Industrie und Gewerbe vor Herausforderungen, wie Unternehmensbefragungen der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zeigen. Der Branchenverband hat dazu eine Sonderauswertung zum Energiewendebarometer 2024 vorgenommen.
"Viele Unternehmen machen sich zunehmend Sorgen um ihre Stromversorgung", wird der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks in einer Presseaussendung zitiert. "Selbst kurze Störungen machen den Betrieben zu schaffen." Diese könnten demnach insbesondere in der Industrie zu "großen Einschränkungen in den Produktionsprozessen" führen.
Kosten im sechsstelligen Bereich
Dass mittlerweile fast ein Drittel der Industriebetriebe von Problemen durch Stromunterbrechungen betroffen sei, nannte Dercks "besorgniserregend". Ein besonders starker Anstieg sei bei Stromausfällen von unter drei Minuten zu verzeichnen. Der Anteil der hiervon betroffenen Betriebe soll innerhalb von drei Jahren von 10 auf 16 Prozent gestiegen sein.
Die Stromausfälle haben laut DIHK auch finanzielle Auswirkungen auf die Betriebe ‒ teilweise sind diese sogar erheblich. Rund die Hälfte der betroffenen Firmen verzeichnet demnach zusätzliche Kosten, etwa durch Produktionsausfälle und Maschinenschäden. Diese Belastungen liegen für viele Unternehmen schnell zwischen 10.000 und 50.000 Euro. Sie werden vereinzelt sogar auf mehr als 100.000 Euro geschätzt.
Immer mehr Stromspeicher
Besonders von der Entwicklung betroffen: Industrieunternehmen. Ein Viertel hatte im Jahr 2024 Schwierigkeiten mit der Stromversorgung, überwiegend durch kurze Unterbrechungen verursacht. Von längeren Stromausfällen, mit einer Dauer von mehr als drei Minuten, waren sogar elf Prozent der Industrieunternehmen betroffen. In anderen Branchen traten solche Störungen seltener auf.
Wie die Umfragen außerdem ergeben haben, greifen immer mehr Unternehmen zur Selbsthilfe. Rund die Hälfte der Betriebe hätten bereits eigene Vorkehrungen getroffen oder planen dies zumindest, um sich gegen Stromausfälle abzusichern. Hierzu gehören beispielsweise Instrumente wie Notstrom-Aggregate oder Stromspeicher, heißt es. So nutzen rund elf Prozent der Unternehmen bereits Stromspeicher, um sich gegen Ausfälle abzusichern oder um Spitzen abzupuffern.
"Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Unternehmen, Netzbetreiber und Bundesnetzagentur gemeinsam nach guten Lösungen suchen sollten", so Dercks weiter. Es gehe um "schwierige Abwägungsfragen", insbesondere welche Sicherheit das Stromnetz gewährleisten müsse und wo umgekehrt die Verantwortung der Betriebe beginne. Ein weiterer Ausbau der Stromnetze könne auch bei dieser Herausforderung ein "wichtiger Teil der Lösung" sein.
Möglicher Trend
Dass es sich bei den Stromausfällen um einen Trend halten könnte, legen Zahlen der Bundesnetzagentur zum Jahr 2023 nahe. Demnach stieg die durchschnittliche Nichtverfügbarkeit von Elektrizität 2023 je Letztverbraucher auf 12,8 Minuten. Im Jahr 2022 lag sie noch bei 12,2 Minuten.
Auch die Anzahl der Störungsmeldungen nahm gegenüber dem Vorjahr um rund 1115 Meldungen auf insgesamt fast 160.000 Meldungen zu. In die Statistik der Netzagentur gehen allerdings nur Stromunterbrechnungen ein, die länger als drei Minuten dauern. Kürzere Ausfälle werden nicht erfasst.
Die Störungs- und Verfügbarkeitsstatistik des Forums Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) zeigt für das Jahr 2023 ebenfalls einen Anstieg der durchschnittlichen Unterbrechungsdauer in der Stromversorgung. Konkret fiel der Strom im Jahr 2023 durchschnittlich 13,7 Minuten aus, nach durchschnittlich 11,8 Minuten im Jahr 2022.
Im internationalen Vergleich ist das deutsche Stromnetz allerdings weiterhin überdurchschnittlich zuverlässig. Laut FNN lag die Unterbrechungsdauer 2022 in den Niederlanden bei 22,1 Minuten. Stromkunden in Österreich waren im Jahr zuvor 23,0 Minuten ohne Strom, in den USA sogar 125,7 Minuten.
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