Der Paragraph § 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) sieht vor, dass Verteilnetzbetreiber den Strombezug von steuerbarer Verbrauchseinrichtungen wie zum Beispiel Elektromobilen und Wärmepumpen bei Netzüberlastung zeitweise dimmen dürfen. Anlässlich des Endes der Frist zur Stellungnahme zu zwei Festlegungsentwürfen der für die Ausgestaltung des Gesetzes beauftragten Bundesnetzagentur erklärte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), dass man die Vorschläge der BNetzA zur Integration sogenannter steuerbarer Verbrauchseinrichtungen und Netzanschlüsse in das Stromnetz begrüße.
"Sie ermöglichen es Netzbetreibern den Strombezug in Engpasssituationen kurzzeitig zu dimmen und schaffen gleichzeitig Preisanreize für Verbraucherinnen und Verbraucher, die ihren Stromverbrauch, freiwillig zeitlich in sogenannte Niedriglastzeiten verlagern, zum Beispiel beim Laden des Elektroautos an der Wallbox. Dieses Aussteuern ist sinnvoll, notwendig und dient der Netzstabilität. Mit diesem Instrument schaffen wir uns auch den zeitlichen Spielraum für den notwendigen Netzausbau. Zugleich dient dieses Instrument dazu, mehr E-Autos und Wärmepumpen trotz beschränkter Netzkapazitäten anzuschließen und damit den Hochlauf von E-Mobilität und elektrifizierter Wärmeversorgung zu unterstützen", so Liebing.
Konkrete Ausgestaltung der Steuereingriffe zu starr
Kritisch sieht der VKU allerdings die konkrete Ausgestaltung der Steuerungseingriffe für Netzbetreiber. Geplant ist, dass mögliche Steuereingriffe auf maximal zwei Stunden täglich, der Strombezug auf minimal 4,2 Kilowatt begrenzt werden. Diese Eingriffe sind dem Verband zu starr, hier ist mehr Flexibilität vonnöten. Ein begrenzter Steuerungsumfang und grundsätzlich begrenzte Steuerungstiefe würden auch vor dem Hintergrund einer sofortigen Anschlusspflicht (seitens der Netzbetreiber) in Summe den Nutzen des Instruments in Frage gestellt.
Kritik am Zeitplan
Zudem müssten die Umsetzungsfristen noch sinnvoll aufeinander abgestimmt werden, so der Verband. Der Festlegungsentwurf verpflichtet Netzbetreiber unter anderem zur Vorlage eines Mustervertrags bis zum 1. Oktober 2024. Zugleich sollen die Regelungen bereits ab 1. Januar 2024 in Kraft treten und die Steuerung ab dann möglich sein. "Das ist unlogisch und realitätsfern. Für einen erfolgreichen Start müssen massengeschäftstaugliche Standardvorgaben vor der Anwendung erarbeitet werden und nicht erst ein dreiviertel Jahr später", kritisierte Liebing
Dreistufigkeit der Rabattierung zu kompliziert
"Die nun von der BNetzA vorgesehene „Dreistufigkeit der Rabattierung“ für Kunden halten wir für zu kompliziert und in der Abwicklung für zu aufwändig mit Blick auf das zu erreichende Ziel", beklagte Liebing. Und weiter: "Wir halten eine pauschale Netzentgeltrabattierung, das heißt einen festen jährlichen Rabattbetrag, für sinnvoller und den besseren Anreiz für die Kunden. Eine andere mögliche Variante sind verschiedene Netztarifstufen. Wichtig ist, dass das Rabattmodell möglichst einfach ist.“ (sg)



