Mehr Flexibilisierung könnte die zahlreichen Herausforderungen im künftigen Energiesystem lösen, wie eine aktuelle Studie aufzeigt. (Symbolbild)

Mehr Flexibilisierung könnte die zahlreichen Herausforderungen im künftigen Energiesystem lösen, wie eine aktuelle Studie aufzeigt. (Symbolbild)

Bild: © yaly/AdobeStock (KI-generiert)

Gastbeitrag von
Stefan Schröder,
Experte für nachhaltige Energiesysteme
Elektrogroßhändler Sonepar, Deutschland


In der energieintensiven Wirtschaft stehen Unternehmen vor der dringenden Herausforderung, ihre Stromkosten planbarer und die Energieversorgung resilienter zu gestalten. Gleichzeitig gewinnen ökologische Kriterien und regulatorische Anforderungen weiter an Bedeutung.

Ein Lösungsansatz, der in den letzten Jahren zunehmend an Relevanz gewonnen hat, ist das Lastspitzenmanagement mithilfe von Gewerbespeichern. Dieses erlaubt es, die Spitzenlasten im Stromverbrauch gezielt zu reduzieren und dadurch nicht nur die Energiekosten erheblich zu senken, sondern auch einen Beitrag zur Netzstabilität und zur CO₂-Reduktion zu leisten.

Warum Lastspitzen so teuer sind – und was das für Unternehmen bedeutet

Für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch zählt jede Kilowattstunde – aber noch entscheidender ist, wann sie bezogen wird. Stromtarife im gewerblichen Umfeld orientieren sich nicht nur am Gesamtverbrauch, sondern auch an der höchsten abgerufenen Leistung innerhalb eines Abrechnungszeitraums – in der Regel alle 15 Minuten.

Entsteht etwa durch den gleichzeitigen Betrieb mehrerer Maschinen ein Verbrauchspeak, wird dieser Spitzenwert zur Berechnungsgrundlage für die gesamte Stromabrechnung. In solchen Momenten zahlt das Unternehmen nicht nur für die Überschreitung, sondern für den gesamten Energiebezug während der Lastspitze einen höheren Tarif – inklusive Grund- und Mittellast.

Die Folge: Die Energiekosten steigen überproportional, und die Kalkulation wird schwerer. Gerade energieintensive Betriebe arbeiten deshalb gezielt daran, Lastspitzen zu vermeiden. Lastspitzenmanagement wird damit zu einem zentralen Bestandteil wirtschaftlicher Energieoptimierung.

Gewerbespeicher: Das technische Herzstück der Lastspitzenoptimierung

Eine effektive Lösung besteht im Einsatz stationärer Batteriespeicher, die gezielt eingreifen, wenn der Stromverbrauch kurzfristig ansteigt. Tritt etwa durch die Zuschaltung von Produktionsanlagen eine erhöhte Last auf, schaltet der Speicher automatisch in den Entlademodus. Die benötigte Energie wird dann nicht aus dem öffentlichen Netz, sondern aus dem vorher aufgebauten Speicherpuffer bereitgestellt. So bleibt das Unternehmen unter dem vereinbarten Leistungswert und vermeidet die teure Lastspitze.

Besonders sinnvoll ist der Einsatz von Speichern in Kombination mit Eigenerzeugungsanlagen wie Photovoltaik. Diese liefern zwar kostengünstigen Strom, sind jedoch wetter- und tageszeitabhängig und daher nicht immer verlässlich verfügbar. Batteriespeicher puffern die erzeugte Energie und stellen sie genau dann bereit, wenn sie benötigt wird, beispielsweise zur Vermeidung teurer Bezugsspitzen. Durch diese Kombination entsteht ein flexibles, kalkulierbares Gesamtsystem für die Energieversorgung.

Welche Unternehmen profitieren besonders?

Grundsätzlich ist Lastspitzenmanagement für jedes Unternehmen mit viertelstundengenauer Verbrauchsmessung möglich – also überall dort, wo intelligente Stromzähler oder Energiemonitoringsysteme im Einsatz sind.

Wirtschaftlich besonders interessant wird der Einsatz ab einem Jahresstromverbrauch von etwa 100.000 Kilowattstunden. Ab dieser Größenordnung lassen sich Einsparpotenziale bei den Netzkosten deutlich realisieren.

Je höher der Energiebedarf eines Unternehmens, desto größer sind die Vorteile – nicht nur bei der Reduzierung der Energiekosten, sondern auch bei der Verbesserung der Verhandlungsposition gegenüber Energieversorgern.

Dynamische Stromtarife und Netzintegration

Zusätzlich eröffnen dynamische Stromtarife neue Chancen: Sie ermöglichen es, in Zeiten hoher erneuerbarer Einspeisung besonders günstig Strom zu beziehen. Batteriespeicher können diese günstigen Phasen nutzen, Energie zwischenpuffern und später gezielt abgeben.

Die regulatorischen Rahmenbedingungen für diese Flexibilität wurden in den letzten Jahren angepasst. Unternehmen mit geeigneter Messtechnik und angemeldetem Speichermanagement können heute gezielt auf Preisschwankungen reagieren und ihren Energiebezug intelligent steuern.

Wie ein Lastspitzenmanagementsystem eingeführt wird

Die Einführung eines Lastspitzenmanagementsystems erfordert Erfahrung in der Systemintegration und Energiewirtschaft. Es reicht nicht aus, einzelne Komponenten zu installieren – entscheidend ist ein ganzheitliches Konzept, das wirtschaftliche, technische und regulatorische Faktoren miteinander verknüpft.

Beim Elektrogroßhändler Sonepar wird deshalb auf einen Fachvertrieb mit IHK-zertifizierter Zusatzqualifikation gesetzt. Dieser unterstützt Unternehmen von der Analyse historischer Lastprofile über die Simulation wirtschaftlicher Szenarien bis zur Auswahl kompatibler Speicher- und Steuerungstechnik.

Optimiertes Gesamtsystem

Ein Projekt im Bereich Lastspitzenmanagement beginnt in der Regel mit einer detaillierten Analyse der bestehenden Lastprofile. Dabei werden historische Verbrauchsdaten ausgewertet, idealerweise mit viertelstündlicher Auflösung über mehrere Monate. Auf dieser Basis wird ermittelt, wie oft und wie stark Lastspitzen auftreten und welche wirtschaftlichen Einsparpotenziale realistisch sind.

In einem nächsten Schritt wird geprüft, welche bestehenden Erzeugungsanlagen – wie etwa Photovoltaiksysteme – bereits integriert werden können und ob eine Erweiterung sinnvoll ist oder wenn noch keine vorhanden ist, wird geprüft, ob eine Photovoltaikanlage errichtet werden sollte. Parallel dazu fließen auch die aktuellen Stromlieferverträge in die Bewertung ein, insbesondere Schwellenwerte zwischen Grund-, Mittel- und Hochlasttarifen.

Ein maßgeschneidertes Konzept legt fest, welche Speichergröße erforderlich ist, welche Steuerungstechnik eingesetzt wird und wie dynamische Tarife optimal genutzt werden können. Ziel ist es, ein optimiertes Gesamtsystem zu schaffen, das Lastspitzen wirkungsvoll reduziert und die Wirtschaftlichkeit nachhaltig verbessert.

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