Markus Struck (links) und Sebastian Hirt sind die Gesellschafter von Kleines Kraftwerk.

Markus Struck (links) und Sebastian Hirt sind die Gesellschafter von Kleines Kraftwerk.

Bild: © Kleines Kraftwerk

Das Jahr 2023 war ein Rekordjahr für Balkonkraftwerke: Rund 300.000 Anlagen wurden laut der Bundesnetzagentur (BNetzA) neu registriert. Damit verdreifachte sich die Anzahl der offiziell installierten Steckersolargeräte gegenüber dem Vorjahr. Der Trend könnte sich 2024 nahtlos fortsetzen – wäre da nicht die Hängepartie um das sogenannte Solarpaket I. Nun haben sich die Regierungsfraktionen politisch geeinigt, die Verabschiedung durch Bundestag und Bundesrat steht aber noch aus.

Bis dahin wurde das Gesetzesvorhaben, das wichtige Verbesserung auch für Steckersolargeräte enthält, über Monate verschleppt. Die Auswirkungen der Hängepartie spürt auch die Branche. So sei das Interesse zwar weiterhin sehr groß. "Aber manche Kunden wollen abwarten, bis Klarheit herrscht", sagt Markus Struck, Geschäftsführer von Kleines Kraftwerk, einer der Branchenführer. "Das verzögert gerade den Hochlauf von Balkonkraftwerken und das ist für uns wirtschaftlich natürlich schlecht."

Erhöhung der Einspeisegrenze

Als Beispiel nennt der Unternehmenschef die im Solarpaket geplante Erhöhung der Einspeisegrenze von 600 Watt auf 800 Watt. Die Änderung ist seit Monaten bekannt, bisher aber noch nicht gesetzlich beschlossen. "Viele Kunden haben bereits 800 Watt Wechselrichter gekauft, müssen diese nun aber drosseln."

Zwar hat die Bundesnetzagentur bereits die notwendigen Angaben zur Registrierung im Marktstammdaten verringert. "Das macht es deutlich einfacher", sagt Struck. Doch noch immer müssen Anlagenbetreiber ihre Geräte beim zuständigen Netzbetreiber anmelden. Künftig soll dies die Bundesnetzagentur nach der Anmeldung im Marktstammdatenregister mit übernehmen. Aber auch hier ist noch nichts entschieden.

Großer Bürokratieaufwand

Derzeit hat jeder Netzbetreiber seine eigenen Anforderungen", bemängelt Sebastian Hirt, der gemeinsam mit Struck einer der beiden Gesellschafter von Kleines Kraftwerk ist.

"Die Netzbetreiber reden sehr viel mit, was die Kunden dürfen und was sie nicht dürfen, und das sorgt wiederum auch für Unsicherheit." ‒ Sebastian Hirt, Gesellschafter, Kleines Kraftwerk.

So forderten einige Unternehmen einen sogenannten Wieland Stecker, den Kunden wiederum nicht selbstständig anbringen dürfen. Die Wartezeiten bei Handwerkern werden so zum Hindernis für neue Balkonkraftwerke. Andere Netzversorger geben sich hingegen mit einfachen Schukosteckern zufrieden. Das soll künftig auch der Normalfall werden – wenn die Änderung auch wie geplant im Solarpaket verabschiedet wird. "Die Anmeldung beim Netzbetreiber ist aktuell ein großer Bürokratieaufwand", sagt Hirt. "Wir investieren viel Zeit darin, die Kunden bei der Anmeldung zu beraten. Wenn dieser Aufwand wegfällt, wird das den Verkauf auch wieder deutlich vereinfachen."

Einstieg in die Photovoltaik

Als weiteres Hemmnis sieht der Unternehmen den notwendigen Zählerwechsel weg von alten Ferraris-Zählern, die beim Einbau von Balkonkraftwerken rückwärtslaufen können. Die neue Gesetzgebung sieht vor, dass ein Betreiber den Zählerwechsel erst in Auftrag geben kann, wenn die Anlage bereits in Betrieb ist. Aktuell ist dies noch verboten und sorgt für weitere Verzögerungen bei der Inbetriebnahme, weil viele Netzbetreiber nicht die Kapazitäten haben, die Zähler zeitnah zu tauschen.

Ein wichtiges Verkaufsargument von Steckersolargeräten ist für die beiden Firmenchefs auch weiterhin das hohe Maß an selbst verbrauchtem Strom. "Es ist schon möglich, 70 bis 100 Prozent der Energie selbst zu nutzen, die so ein Balkonkraftwerk erzeugt, und das ist natürlich sensationell, weil die Investition sich bei guter Ausrichtung der Anlage innerhalb von zwei, drei Jahren amortisiert", sagt Hirt. Zudem erlaubten die kleinen Kraftwerke für viele Kunden einen ersten Einstieg in die Photovoltaik. Größere Aufdachanlagen würden dann häufig folgen.

250 Prozent Wachstum

Kleines Kraftwerk vertreibt seit 2022 Steckersolargeräte und wirbt damit, die dafür nötigen Haltungssysteme ausschließlich in Deutschland herstellen zu lassen. In der Debatte um eine Subvention der heimischen Solarindustrie zeigen sich die Unternehmenslenker aber skeptisch. "Wir beziehen unsere Module von chinesischen Herstellern. In Europa ansässige Anbieter könnten die Mengen, die wir brauchen, gar nicht liefern", erläutert Geschäftsführer Struck. Zudem sei auch die Produktion von Wechselrichtern in Deutschland wiederum auf Komponenten aus China angewiesen.

"Wir würden ein europäisches Produkt anbieten, wenn es den passenden Hersteller geben würde, der die richtige Menge produzieren kann und der auch die technischen Voraussetzungen erfüllt", sagt Hirt.

Trotz der Hängepartie um das Solarpaket sind Struck und Hirt zuversichtlich, dass Kleines Kraftwerk die Verkaufszahlen 2024 nochmals steigern kann. Das Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Achim hat 2023 rund 35.000 Geräte verkauft. "Wir streben dieses Jahr ein Wachstum um 250 Prozent an", kündigt Hirt an. (jk)

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