Seit dem Start des neuen Regelarbeitsmarktes am 2. November blicken Marktteilnehmer, Bundensetzagentur und Übertragungsnetzbetreiber mit starker Anspannung auf die Entwicklung der Regelenergiepreise. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ist alarmiert.
Nach zu erwartenden Turbulenzen in den ersten Tagen nach Einführung der Regelarbeitsmarkte zeichnet sich nun ein anhaltend hohes Niveau in der Preisentwicklung der abgerufenen Regelarbeit ab.
Mehr als 60.000 Euro pro MWh
So wurden für den Abruf von positiver Regelenergie Anfang Dezember teilweise Preise von mehr als 60.000 Euro pro Megawattstunde (MWh) bezahlt. Das war möglich, weil die zuvor gültige Limitierung der Gebotspreise auf maximal 9.999 Euro pro MWh mit der Einführung des Regelarbeitsmarktes auf 99.999 Euro pro MWh angehoben wurde.
Die Erwartung der Übertragungsnetzbetreiber, dass die Einführung des Regelarbeitsmarktes für einen höheren Wettbewerb und damit sinkende Preise sorge, hat sich somit vorerst nicht bestätigt.
Hohe Ausgleichspreise befürchtet
Der Ausgleichsenergiepreis wird direkt durch die viertelstündliche Umlage der für den Abruf von Regelenergie aus der Sekundär- und Minutenreserve angefallen Kosten bestimmt. Zuletzt führten im Oktober 2017 ähnliche Preisspitzen im Regelenergiemarkt zu Ausgleichsenergiepreisen in Höhe von 24.000 Euro pro MWh.
Welche Auswirkungen die Preisspitzen in der Regelenergie diesmal auf die Ausgleichsenergiepreise haben werden, wird sich erst mit der Veröffentlichung der Ausgleichsenergiepreise für November und Dezember zeigen. Die Berichte werden erst für Ende Dezember beziehungsweise Ende Januar erwartet.
Risiko starke Bilanzkreisabweichung
Dass Ausgleichsenergiepreise eine hohes Kosten- und Risikoposition im Energievertrieb darstellen, zeigte wiederholt der Ausgleichsenergiekosten- und Prognose-Benchmark, bei dem BET regelmäßig die Prognosequalität und Ausgleichsenergiekosten von Energievertrieben im bundesweiten Vergleich analysiert.
Hier ließ sich auch in der Vergangenheit beobachten, dass Preisspitzen bei vielen Vertrieben mit starker Bilanzkreisabweichung einen erheblichen Wettbewerbsnachteil verursachen können. Bei extremen Preisspitzen reichen bereits wenige Stunden mit hoher Bilanzkreisabweichung, um signifikante zusätzliche Ausgleichsenergiekosten zu generieren.
Optimierung der Bilanzkreistreue
Gerade unter den aktuellen Corona-Unsicherheiten sollten die Vertriebe ihre Ausgleichsenergie-Risiken und Prognosequalität im Branchenvergleich sehr gut kennen, um gezielt Maßnahmen zur Optimierung der Bilanzkreistreue zu ergreifen.
Gastbeitrag: Peter Edel, Christian Domann und Ulrich Rosen (alle BET Energie)
Die BET Energie ist eine auf Energiethemen spezialisierte Unternehmensberatung mit Sitz in Aachen. Sie unterstützt Stadtwerke und andere Energieversorger in allen Fragen der Energiemärkte und leistet Beratung über die gesamte Wertschöpfungskette.



