Für das Jahr 2018 zeichnet sich ein drastischer Rückgang des Ausbaus der Windenergie an Land ab. Darauf deuten Zahlen des von der Bundesnetzagentur geführten Registers zum Meldestand Ende Oktober hin. Die Auswertung dieser Daten erfolgte durch Jürgen Quentin von der Fachagentur Windenergie an Land.
Bis Ende September wurden 646 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 2073 MW neu in Betrieb genommen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Rückgang um 50 Prozent. Der Abschwung hat sich in den letzten Monaten noch verstärkt, so dass bis Jahresende mit einem Bruttozubau deutlich unter 3 GW zu rechnen ist, so die Einschätzung der Fachagentur.
Den Bundesländervergleich führt, wie bereits in den Jahren 2016 und 2017, im Betrachtungszeitraum Niedersachsen (606 MW) an, wobei auch dort ein Zubaurückgang um mehr als 40 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen des Vorjahres zu verzeichnen ist. An zweiter Stelle folgt Nordrhein-Westfalen mit 325 MW zusätzlicher Windenergiekapazität. Auf dem dritten Platz steht Brandenburg, wo 232 MW Leistung zwischen Januar und September 2018 in Betrieb genommen wurde.
19 Prozent südlich der Mainlinie
Die Inbetriebnahmen in den ersten drei Quartalen 2018 verteilen sich zu 81 Prozent nördlich der Mainlinie, 19 Prozent der Neuanlagen gingen südlich davon ans Netz.
Der am häufigsten realisierte Anlagentyp ist wie schon in den Jahren 2016 und 2017 die Enercon E-115, von dem 187 Exemplare bis Ende September bundesweit in Betrieb genommen wurden. 137 Windturbinen (444 MW) wurden im Betrachtungszeitraum im Rahmen eines Repowering errichtet. Die Repowering-Quote liegt bei 21 Prozent, viereinhalb Prozentpunkte über der Quote im Vergleichszeitraum 2017. Den höchsten Repowering-Anteil auf Bundesländer-Ebene erreichte Thüringen mit 62 Prozent.
Rückgang von 52 Prozent im Netzausbaugebiet
Innerhalb des Netzausbaugebiets gingen 205 Windturbinen (692 MW) zwischen Januar und September in Betrieb; im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang von 52 Prozent. 36 Prozent der neuen Erzeugungsleistung wurde im Netzausbaugebiet durch Repowering realisiert. Ende Oktober waren in diesem Gebiet 321 Anlagen mit 1004 MW Gesamtleistung genehmigt, 418 MW Leistung wurden vor 2017 genehmigt.
"Der Markteinbruch ist damit dramatischer als erwartet“, so Hermann Albers, Präsident Bundesverband Windenergie. Prognosen mitte des Jahres deuteten auf einen Wert von etwa 3300 MW hin. Die nun im Energiesammelgesetz festgelegten Sonderausschreibungen seien daher enorm wichtig, kämen aber zu spät, um einen Einbruch beim Zubau in den Jahren 2019 und 2020 wirksam zu glätten.
Zeit- und Mengengerüst eminent wichtig
Auch der VDMA Power Systems sieht Nachholbedarf. "Notwendig ist, dass die Koalition sich auf ein mittel- und langfristiges Zeit- und Mengengerüst zur Erreichung der 2030er Ziele verständigt und dieses gesetzlich festschreibt", mahnte Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems. Parallel müsse es gelingen, den Stau im Genehmigungsverfahren aufzubrechen. Laut Analyse der FA Wind sind in den ersten drei Quartalen 2018 lediglich Genehmigungen über knapp 1120 MW für 330 Anlagen erteilt worden. (al)



