Grundsätzlich lässt sich Tiefengeothermie im gesamten Bundesgebiet nutzen: Laut dem Leibniz Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) liegt das technische Potenzial von Wärme, die aus Tiefengeothermie bereitgestellt wird bis 2050 bei bis zu 100 TWh jährlich. Dies entspricht der Hälfte der Energiemenge, die derzeit für die Bereitstellung von Wärme mit Erdöl angewandt wird.
Aktuell sind in Deutschland 37 Tiefengeothermie-Anlagen in Betrieb, die etwa 1,2 TWh klimaneutrale Wärme pro Jahr erzeugen. Allein damit tragen sie schon schon heute erheblich zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen und weiterer Luftschadstoffe bei, unterstreichen der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der Bundesverband Erneuerbarer Energien (BEE), der Bundesverband Geothermie (BVG) sowie der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK (AGFW). Das Missverhältnis zwischen den Potenzialen und bislang realisierten Projekten zeige aber auch, dass die aktuellen Rahmenbedingungen zugunsten der Tiefengeothermie weiterentwickelt werden müssten.
Sieben Punkte für einen schnelleren Ausbau
Vor allem Wärmenetze bieten demnach "eine besonders effiziente Möglichkeit, klimaneutrale Wärme auf Basis der Tiefengeothermie von der Quelle bis zur Senke zu transportieren". So könnten Wärmenetze etwa, die derzeit noch mit Wärme aus der Kohleverstromung gespeist werden, perspektivisch mit geothermischer Wärme versorgt werden. Die Verknüpfung der klimafreundlicher Wärme auf Basis von Tiefengeothermie mit der Effizienz leitungsgebundener Wärmeversorgung sei daher folgerichtig, heißt es in einem sieben Punkte umfassenden Impulspapier der vier Verbände.
VKU, BEE, BVG und AGFW fordern darin folgender Maßnahmen auf Bundesebene, um den Ausbau solcher geothermisch gespeisten Wärmenetze zu beschleunigen:
- Novellierung des KWK-Gesetzes: Ziel ist es, Geothermie in Fernwärmenetze einzubinden. Besonders hervorzuheben seien die Einführung eines EE-Wärmebonus, die Streichung der Transportkapazitätserhöhung als Bedingung für die Wärmenetzförderung bei Netzumstellungen und die Aufnahme der Anbindung Erneuerbarer-Energien-Wärmeerzeugungsanlagen in die Netzförderkriterien des KWKG.
- Die Berücksichtigung von erneuerbaren Wärmequellen mit höheren Temperaturniveaus im Programm „Wärmenetze 4.0“. Dazu müsste die Maximaltemperatur für das Fernwärmenetz in der Wärmenetze-4.0-Förderung gestrichen werden.
- Die Verbesserung der KfW-Förderung im Programm „EE Premium“ – oder perspektivisch im Basis-Programm. Vor allem sollte die Förderung nach Ansicht der Verbände für den Ausbau von Fernwärmeleitungen deutlich erhöht werden – auf etwa 50 Prozent der Baukosten. Für die Bohrkostenförderung sei es wesentlich, die Beschränkung der förderfähigen Bohrungen pro Projekt (aktuell: vier Bohrungen) aufzuheben und die maximale Förderhöhe von 10 Mio. Euro auf 30 Mio. Euro zu erhöhen sowie die Tiefenbeschränkung von 2.500 m entfallen zu lassen.
- Tiefengeothermische Projekte bedürfen einer verbesserten Absicherung in der Anfangsphase der Investition. Hier sei die Etablierung eines Wärmenetztransformations-Fonds geeignet. Mit Blick auf die Geothermie sollten die Mittel zur Reduzierung des Fündigkeitsrisikos, zur Durchführung von seismischen Messkampagnen und zur Erforschung des Tiefen Untergrundes bei nicht fündigen Bohrungen eingesetzt werden, heißt es in dem Impulspapier weiter.
- Anreize für eine kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung aus Geothermieanlagen im EEG. Dazu sei eine Flexibilitätsprämie für kombinierte Wärme- und Stromprojekte nötig. Hierzu zählen außerdem eine Befreiung des Pumpenstroms von der EEG-Umlage und eine Veränderung bei der Degressionsreglung für die Einspeisevergütung.
- Für die bedeutenden Wärmesenken in Deutschland sollte ein Masterplan Geothermie erarbeitet werden. Darin sollten die besonderen Potentiale und Rahmenbedingungen der Tiefengeothermie mit Blick auf Planungszeiträume, Projektrisiken und Technologieentwicklung berücksichtigt werden, wie es zum Beispiel schon in den Niederlanden erfolgt ist. Er würde die bisherige Studie zur Stromerzeugung aus Geothermie (TAB Sachstandsbericht 2003) um einen Sachstandsbericht zu den Möglichkeiten geothermischer Wärmebereitstellung ergänzen. Hierbei sollten auch die positiven Effekte auf den Arbeitsmarkt berücksichtigt werden, so die vier Verbände.
- Da die Potentiale der Tiefen Geothermie bisher noch nicht ausreichend bekannt sind – dies gilt sowohl für die Energiebranche als auch für die Allgemeinheit – sei außerdem eine bundesweite Informationskampagne zum Thema Geothermie nötig. (sg)



