Mit der Regioheat haben die Unternehmen Max Wild, E-Con und Geo Data eine gemeinsame Plattform für kommunale Wärmelösungen in Baden-Württemberg gegründet. Ziel ist es, Planung, Förderung und Umsetzung von Wärmenetzen aus einer Hand anzubieten. Im Interview erläutert Geschäftsführer Christian Wild die Hintergründe.
Herr Wild, was war der Impuls für dieses Joint Venture zu diesem Zeitpunkt?
Wir wollen ein für uns alle wichtiges Zukunftsthema – die Wärmewende – aktiv mitgestalten. Das war der Impuls für Regioheat. Mir war es wichtig, dass wir mit dieser neuen Gesellschaft über den eigenen Tellerrand hinausschauen, Kompetenzen bündeln und so eine einzigartige Unternehmens-DNA schaffen. Wir kommen aus verschiedenen Fachbereichen, wie der Planung, Konzeptionierung, der Bauausführung und dem Betrieb von Wärmenetzen. Gemeinsam bündeln wir unsere Stärken für ganzheitliche und zukunftsfähige Wärmelösungen im Raum Baden-Württemberg.
Welche Vorteile bringt eine regionale Verankerung gegenüber großen, überregionalen Projektentwicklern oder Beratungsunternehmen?
Dank unserer regionalen Verankerung haben wir auch einen regionalen Fokus auf das Thema Wärmewende. Wir wissen, was Städte, Gemeinden sowie kommunale Unternehmen und Energieversorger in der Region brauchen und wir wissen, was sich vor Ort auch wirklich umsetzen lässt. Da profitieren wir aus unseren Erfahrungen und unserem über die Jahre gewachsenen Netzwerk an Kommunen und öffentlichen Auftraggebern. Und wir sind den Kunden aus dem Raum Baden-Württemberg räumlich nah: mit unserem Hauptsitz in Stuttgart und den Standorten der drei Unternehmen Max Wild, "e-con" und "GEO DATA" in Berkheim, Memmingen und Westhausen.
"Wir wissen, dass wir uns in den einzelnen Fachbereichen zu 100 Prozent aufeinander verlassen können."
Sie betonen, dass Regioheat alle Leistungen "aus einer Hand" anbietet. Wie wird sichergestellt, dass die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert?
Die Unternehmen Max Wild, E-Con und Geo Data arbeiten zum Teil seit über 20 Jahren zusammen und haben bereits viele Projekte gemeinsam umgesetzt. Ein Beispiel hierfür ist das Fernwärmeprojekt "Regenerative Wärmeversorgung Memmingen Süd und Benningen", das aktuell größte regenerative Energieprojekt im Allgäu. Nicht nur die langjährige Partnerschaft der drei Unternehmen und die daraus gesammelten gemeinsamen Praxiserfahrungen sorgen für eine reibungslose Zusammenarbeit. Wir haben eine gemeinsame Motivation – das aktive Mitgestalten der Wärmewende – und die treibt uns an. Wir wissen, dass wir uns in den einzelnen Fachbereichen zu 100 Prozent aufeinander verlassen können und profitieren als Regioheat von der Expertise dieser drei Unternehmen.
Innovative Wärmelösungen sind oft noch teurer. Wie gelingt der Spagat aus Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz?
Ich bin der Meinung, dass der Umweltgedanke ohne weitere Prämissen unantastbar sein muss. Für mich haben die zwei Themen keine Berührung, sondern müssen für sich allein zu 100 Prozent greifen und erfüllt werden. Die Wirtschaftlichkeit ist vor Beginn eines Projektes zu prüfen und schließlich zu beurteilen. Auch der Markt der (Fern-)Wärme muss sich den anderen Energieträgern stellen; jedoch mit der ergänzenden Brille, die Nachhaltigkeit bei der letztlichen Entscheidungsfindung im Fokus zu haben.
"Um 'geeignete' Kommunen zu identifizieren, verwenden wir datengestützte Modelle. Wir gehen dann proaktiv auf die Kommunen zu."
Nach welchen Kriterien identifizieren Sie geeignete Kommunen oder Projekte – und wann sagen Sie auch einmal: Dieses Vorhaben lohnt sich nicht?
Unser Fokus liegt auf Kommunen und öffentlichen Versorgern in Baden-Württemberg. Dabei konzentrieren wir uns primär auf Gemeinden in der Größenordnung zwischen 3000 und 8000 Einwohnern. Um "geeignete" Kommunen zu identifizieren, verwenden wir datengestützte Modelle. Wir gehen dann proaktiv auf die Kommunen zu. Genauso freuen wir uns aber auch, wenn Gemeinden und kommunale Versorger auf uns zukommen, um dann gemeinsam an den Planungs- und Ausführungsprojekten zu arbeiten. Wichtig sind immer Detailplanungen, auf deren Basis dann die Investitionsentscheidungen getroffen werden – und hier kann es durchaus auch den Fall geben, dass sich ein Wärmenetz schlicht nicht rechnet.
Ein erklärtes Ziel von Regioheat ist es, kommunale Verwaltungen zu entlasten. Wie sieht diese Entlastung konkret aus?
Wir entlasten die kommunalen Verwaltungen, indem wir viele aufkommende Schnittstellen in der frühen Projektentwicklungsphase koordinieren und übernehmen. Wir unterstützen durch unser Knowhow und unsere Manpower in Verbindung mit praxisnaher Umsetzung. So wirken wir technischen Unsicherheiten und dem Fachkräftemangel, von dem auch die kommunale Verwaltung betroffen ist, entgegen. Die Genehmigungsverfahren für Wärmenetze können oft langwierig sein und sind gerade für kleinere Gemeinden eine große Herausforderung. Wir begleiten die Kommunen und kommunalen Unternehmen im gesamten Genehmigungsverfahren. Wir sind der Sparringspartner und – wenn gewünscht – von Anfang bis Ende dabei: von der Analyse des Ist-Zustands und der Erstellung von Machbarkeitsstudien über die Planung und das Fördermittelmanagement bis hin zur Umsetzung.
Zum Schluss ein Blick nach vorn: Könnte Regioheat ein Modell für eine bundesweite Struktur sein?
Ja, auf jeden Fall. Sowohl unsere Vorgehensweise als auch das Unternehmen Regioheat ist skalierbar. Grundsätzlich sind wir für alle Konstellationen mit und für Kommunen und öffentlichen Auftraggebern offen. Unser Fokus bleibt: Individuelle, zukunftsfähige und wirtschaftliche Wärmenetze sind die Antwort, um die aktuellen Herausforderungen in der Wärmewende zu meistern. Umso besser, wenn dies deutschlandweit gelingen würde.
Die Fragen stellte Daniel Zugehör



