Von Jürgen Walk
Die bundesweite Einführung des Wärmeplanungsgesetzes verpflichtet zur flächendeckenden kommunalen Wärmeplanung: Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen ihre Wärmepläne bis zum 30. Juni 2026 vorlegen, alle übrigen bis zum 30. Juni 2028.
Die bundesweiten Erhebungen beispielsweise des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KKW) zeigen, dass große und mittlere Kommunen überdurchschnittlich häufig bereits in der Planung aktiv sind oder Pläne abgeschlossen haben, während viele kleine Gemeinden später in den zeitlich längeren Fristen eingebunden sind. Gerade unter den Großstädten über 100.000 Einwohner sind zahlreiche Pläne sogar schon verabschiedet. Von den gut 10.000 Kommunen haben knapp über 700 bereits ihre Hausaufgaben erledigt.
Unterschiedlicher Planungsstand
Die Umsetzung ist dabei föderal unterschiedlich organisiert. Einige Länder hatten bereits lange vor der bundeseinheitlichen Regelung Wärmeplanungsgesetze auf Landesebene beschlossen, die aber in der Regel nur für größere Städte galten. Viele Länder übertragen die Aufgabe auf kommunaler Ebene, einige koordinieren eher über Landkreise oder Gemeindeverbände. Entsprechend unterschiedlich ist der Planungsstand: In einigen eher ländlich geprägten Bundesländern ist die Zahl fertiger Pläne überschaubar; in anderen Bundesländern dagegen sind die Kommunen schon gut auf dem Weg.
Baden-Württemberg:
Der Fortschritt der kommunalen Wärmeplanung in Baden-Württemberg gilt als vergleichsweise groß. 290 der gut 1000 Kommunen haben bereits Vollzug gemeldet, mehr als 400 sind mitten in der Planung. Der Grund dafür: Die kommunale Wärmeplanung war hier gesetzlich auf Landesebene seit mehreren Jahren vorgeschrieben. Stadtkreise und große Kreisstädte hätten ihre Wärmepläne bereits 2023 fertigzustellen gehabt. Die Zuständigkeit ist stark kommunal ausgerichtet, flankiert von Unterstützung durch Landesenergieagenturen.
Bayern:
Die meisten großen Städte haben Planungsprozesse begonnen. Die Vielzahl kleiner Gemeinden führt aber dazu, dass viele erst die spätere Frist bis 2028 wahrnehmen müssen. Von den rund 2000 Kommunen haben gut 50 die Planung abgeschlossen. Die Verantwortung liegt überwiegend bei den Kommunen; das Land bietet ergänzende Unterstützungsangebote.
Berlin:
In der Hauptstadt sind die Bezirksebenen früh in die Wärmeplanung eingestiegen. Berlin nutzt städtische Stellen und vorhandene Energie‑ und Klimaschutzkonzepte zur Integration der Wärmeplanung. Die Herausforderung liegt in der Umstellung bestehender Wärmenetze und in der Flächeneffizienz bei dichtem Stadtgefüge. Öffentliche Beteiligung und Transparenz spielen in Berliner Prozessen eine wichtige Rolle. Der Plan ist aber noch nicht abgeschlossen.
Brandenburg:
Brandenburgs Kommunen haben unterschiedlich weit fortgeschrittene Planungsstände. Größere Städte und Kreisstädte sind aktiver als kleine Gemeinden. Die räumliche Streuung und die vielen ländlichen Gemeinden stellen besondere Anforderungen an die Datenerhebung und Netzplanung. Das Bundesland hat die kommunale Wärmeplanung mit Fokus auf die Braunkohleregionen gestartet. Die Integration von Geothermie und Biomasse wird als zentrales Element betrachtet. Finanzierung und Kapazitätsaufbau bleiben zentrale Themen für die weitere Fortschreibung der Pläne. Von rund 400 Kommunen haben elf bereits die Planung abgeschlossen.
Bremen:
Als Stadtstaat zeigt Bremen tendenziell raschere Fortschritte, weil Zuständigkeiten kurz und koordinierbar sind. Die städtische Struktur ermöglicht eine vergleichsweise zügige Datenerhebung und Strategieentwicklung. Schwerpunktfragen sind die Dekarbonisierung bestehender Wärmenetze und die Integration erneuerbarer Wärmequellen. Öffentliche Gebäude und Wohnungsbestände stehen häufig im Fokus erster Maßnahmen. Fernwärme und Wärmepumpen bilden die tragenden Säulen. Bremen plant noch, Bremerhaven ist schon fertig.
Hamburg:
Hamburg hat früh damit begonnen, Wärmeplanung in vorhandene Klimaschutzstrategien zu integrieren. Die Verwaltungskapazität und vorhandene Fachstellen begünstigen einen vergleichsweise hohen Aktivitätsgrad. Besondere Planungsfragen betreffen die Versorgung großer Wohnquartiere und die Umstellung städtischer Wärmenetze. Hamburg setzt auf koordinierte Maßnahmen zur Nutzung von Abwärme und auf Quartierskonzepte. Auch die Dekarbonisierung des Hafens spielt eine große Rolle. Abgeschlossen ist der Plan noch nicht.
Hessen:
Hessische Kommunen zeigen einen heterogenen Stand der Wärmeplanung. Führend sind die größeren Städte und Landkreise. Im Fokus stehen oft Quartierslösungen. Finanzierungsfragen und die konkrete Priorisierung von Maßnahmen sind gängige Diskussionsthemen. Aus rund 420 Kommunen gibt es neun Vollzugsmeldungen.
Mecklenburg‑Vorpommern:
In Mecklenburg‑Vorpommern sind insbesondere die dünn besiedelten Regionen und kleinen Gemeinden besonders gefordert, ihre Kapazitäten für Wärmeplanung aufzubauen. Größere Kommunen und einige Landkreise haben Planungsprozesse begonnen. Hier wird die Wärmeplanung besonders in touristischen Regionen vorangetrieben. Modellprojekte in Küstenstädten nutzen Geothermie und Solarthermie. Rund 40 der gut 700 Kommunen sind schon fertig.
Niedersachsen:
Niedersachsen weist einen heterogenen Stand bei der Wärmeplanung auf. Größere Kommunen sind vergleichsweise aktiv. Viele Kommunen schließen sich zu Verbünden zusammen, um Prozesse gemeinsam zu bewältigen. Die Erhebung von Wärmebedarf und Netzinfrastruktur hat Priorität in den Planungsphasen. Wind- und Solarenergie sind zentrale Bausteine. Das Land bietet einheitliche GIS-Tools für die Datenerhebung. 30 der rund 950 Kommunen haben ihre Planung abgeschlossen.
Nordrhein‑Westfalen:
In Nordrhein‑Westfalen sind zahlreiche kreisfreie Städte und kreisangehörige Kommunen in der Erstellung von Wärmeplänen aktiv. Die hohe Industrialisierung und vorhandene Fernwärmenetze führen zu spezifischen Fragen in der Netzdekarbonisierung. Die Integration von Abwärmenutzung und industriellen Wärmequellen ist ein wiederkehrendes Thema. Knapp 50 der 400 Kommunen haben die Arbeit am Wärmeplan abgeschlossen.
Rheinland‑Pfalz:
Rheinland‑Pfalz ist durch eine Vielzahl kleinerer Gemeinden geprägt, weshalb viele Kommunen die längere Frist bis 2028 nutzen. Viele Gemeinden schließen sich zu Gemeinschaftsprojekten zusammen, um Ressourcen zu bündeln und Planungsprozesse effizienter zu gestalten. Rund zwei Drittel der Kommunen sind Mitglied eines "Konvois". Besondere Bedeutung haben Quartierskonzepte für ländliche Räume und die Anpassung bestehender Netze. 160 der 2300 Gemeinden sind schon fertig.
Saarland:
Das Saarland arbeitet mit kompakten Zuständigkeiten bei einem hohen Anteil städtischer Strukturen, was die Wärmeplanung in vielen Kommunen voranbringt. Schwerpunkte sind die Dekarbonisierung bestehender Wärmeerzeugung sowie Nutzung industrieller Abwärme. Zwei der 52 Kommunen sind bereits fertig und ein Großteil der Übrigen hat sich schon auf den Weg gemacht.
Sachsen:
Sächsische Kommunen zeigen eine gestaffelte Entwicklung: Kreisstädte und größere Kommunen sind häufiger aktiv als kleine Gemeinden. Die Analyse vorhandener Netze sowie die Erarbeitung langfristiger Maßnahmenpläne stehen derzeit im Mittelpunkt. Dezentrale Lösungen und Quartiersansätze spielen in ländlichen Regionen eine wichtige Rolle. Sieben Pläne sind fertig, die Zahl der Kommunen liegt bei rund 420.
Sachsen‑Anhalt:
Sachsen‑Anhalt weist strukturell extrem unterschiedliche Gemeindegrößen und Bevölkerungsdichten auf. Unter den kleineren Gemeinden sind gemeinsame Planungsprojekte verbreitet. Größere Städte haben tendenziell bereits Planungsverfahren gestartet. Das Land setzt dabei auf Pilotregionen entlang der Industrieachsen. Der Fokus liegt auf Bestandsaufnahme, Datenaufbereitung und der Identifikation geeigneter erneuerbarer Wärmequellen. Unter rund 220 Kommunen sind sieben, die ihren Plan schon fertiggestellt haben.
Schleswig‑Holstein:
Küstenkommunen und zentrale Städte arbeiten oft intensiv an Wärmeplänen. Ländliche und inselnahe Gemeinden stehen dagegen vor speziellen logistischen Herausforderungen bei Daten- und Infrastrukturfragen. Gemeinsame Planungsverbünde werden genutzt, um Fachwissen zu bündeln und Verfahren zu standardisieren. Der Einsatz erneuerbarer Wärmequellen und die Integration von Quartierslösungen sind wiederkehrende Themen. 63 von 1100 Kommunen haben den Abschluss gemeldet.
Thüringen:
In Thüringen sind zahlreiche Kommunen in Verbünden organisiert, um gemeinsam die Wärmeplanung anzugehen. Größere Städte und Verwaltungssitze haben tendenziell frühere und stärker ausgeprägte Planungsaktivitäten. Dezentrale sowie Quartierslösungen stehen besonders in ländlichen Bereichen im Fokus. Dabei wird häufig auf Biomasse und Solarthermie gesetzt. Von gut 600 Kommunen gibt es bislang zwei mit fertigen Plänen.



