Die Stadtwerke Duisburg wollen Geothermie zu einer Schlüsseltechnologie der Wärmewende machen. Ziel sei es, die Fernwärme bis zum Jahr 2035 vollständig CO₂-neutral zu erzeugen. Für eine Erkundungsbohrung hat das Unternehmen jetzt eine Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) in Höhe von 7,46 Millionen Euro erhalten.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) übergab den Förderbescheid am 8. Januar. Die Stadtwerke Duisburg investierten in klimafreundliche Wärme, "die unabhängig von fossilen Energien ist und langfristig bezahlbar bleibt", so Neubaur in einer Mitteilung. Das Land unterstütze das Projekt gezielt, weil es zeige, "wie die Wärmewende konkret bei den Menschen ankommt".
Heißes Wasser aus bis zu 4000 Metern Tiefe
Konkret planen die Stadtwerke im Stadtteil Hochfeld eine Erkundungsbohrung in Tiefen zwischen rund 2000 und 4000 Metern. Dort werden wasserführende Gesteinsschichten erwartet, in denen Temperaturen von etwa 80 bis 130 Grad Celsius herrschen.
Das geförderte heiße Wasser soll seine Wärme an das Fernwärmenetz abgeben und anschließend wieder in die Tiefe zurückgeführt werden – ein geschlossener Kreislauf ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe.
Energie für zehntausende Haushalte
Für die Stadtwerke ist das der Einstieg in eine neue Technologie der Wärmeerzeugung. Sollten die erwarteten Reservoire erschlossen werden, könnte eine Anlage mit einer Leistung von rund 20 Megawatt entstehen. Damit ließe sich die Fernwärmeversorgung für zehntausende Haushalte sichern – emissionsfrei und unabhängig von Energieimporten.
Wärme, die wir auf diese Weise gewinnen, ist grundlastfähig.
Andreas Gutschek, Vorstand Infrastruktur und Digitalisierung, sagte: "Wärme, die wir auf diese Weise gewinnen, ist grundlastfähig. Sie steht also kontinuierlich und zuverlässig zur Verfügung, um den Mindestbedarf unseres Fernwärmenetzes zu decken."
Erste Einspeisung ab 2030 möglich
Der vorgesehene Bohrplatz befindet sich auf einem stadteigenen Gelände der Stadtwerke im hinteren Bereich eines ehemaligen Heizkraftwerks an der Bungertstraße in Duisburg-Hochfeld. Insgesamt investieren die Stadtwerke Duisburg und das Land NRW rund 12,5 Millionen Euro in die Erkundungsbohrung.
Der Beginn der Bohrarbeiten ist derzeit für März 2028 vorgesehen. Zuvor sind Planungen, Genehmigungen nach Berg- und Wasserrecht sowie Abstimmungen mit den Behörden erforderlich. Die erste Bohrung soll bis zu 4000 Meter tief reichen und über mehrere Monate hinweg verschiedene Tests und seismische Untersuchungen ermöglichen.
Frühestens Anfang der 2030er Jahre könnte dann die erste geothermische Fernwärme ins Netz eingespeist werden.
Hohe Anfangskosten, langfristiger Nutzen
Tiefengeothermie gilt als technisch anspruchsvoll und kapitalintensiv in der Anfangsphase, bietet dafür aber langfristig eine grundlastfähige, wetterunabhängige und nahezu emissionsfreie Wärmequelle. Die Erkundung des Untergrunds ist nicht risikofrei, da nutzbare Heißwasserreservoire nicht garantiert sind.
Hier setzt die Landesförderung an: Sie reduziert das finanzielle Risiko in der frühen Projektphase und soll Kommunen und Stadtwerken den Einstieg in diese Schlüsseltechnologie erleichtern. Nordrhein-Westfalen verfolgt mit dem "Masterplan Geothermie" das Ziel, bis zu 20 Prozent des Wärmebedarfs im Jahr 2045 aus Erdwärme zu decken.



