EWE – Oldenburg – Niedersachen und das Ziel der Klimaneutralität bis 2035. Insgesamt hat die Aktiengesellschaft bis heute mehr als 1000 MW thermische Leistung installiert. Diese stellen sie schrittweise um. Der Clou ist dabei: Die Oldenburger müssen nicht nur ihre eigene Region mitdenken. Denn während in Niedersachen vor allem zentrale Nahwärmenetze eingesetzt werden, sieht die Situation in den EWE-Gebieten in Vorpommern-Rügen und Ostbrandenburg anders aus.
Diese Regionen sind stark von Fernwärme und Kohleerzeugung geprägt. Zwar arbeitet die Aktiengesellschaft immer stärker mit Photovoltaik, Wärmepumpen, sowie zentraler kalter Nahwärme und Mieterstrommodellen. Aber: "Wirtschaftlich sind diese noch nicht immer", merkt Michael Raab gegenüber der ZfK an.
KWK-Ausbauwelle in Brandenburg
Der Leiter für das Geschäftsfeld Energielösungen bei der EWE Vertrieb ergänzt: "Deshalb setzen wir aktuell mittelfristig auf Blockheizkraftwerke mit gekoppelter Strom- und Wärmeversorgung." Gerade in Brandenburg hat das Unternehmen damit eine Modernisierungs- und Ausbauwelle losgetreten.
Auch kleinere KWK-Wärmelösungen beispielsweise im Rahmen von Wohnquartieren forciert die EWE. Exemplarisch geschieht dies im Ammerland (Augustfehn-Hengstforde), wo in den nächsten fünf bis zehn Jahren etwa 300 Bauplätze bebaut werden.
Die aktuellen KWK-Pläne in Brandenburg:
| Modernisierung |
|
| geplanter Bau |
|
| im Bau befindlich (Inbetriebnahme 2021) |
|
Mittelfristig kalkuliert das Unternehmen eine jährliche Investition von rund 3 Mio. Euro für KWK-Anlagen in Kunden- und Nah- bzw. Fernwärmeprojekten. "Die KWK-Technologie kann die Erzeugung der geplanten Kohlekraftwerks-Stilllegungen zum Teil übernehmen", erläutert Raab. Nicht nur seien Blockheizkraftwerke (BHKW) besonders effizient, auch die Wirtschaftlichkeit sei gegeben.
Immer mehr grüne Gase
Für die EWE ist die KWK deshalb eine wichtige Übergangslösung. Auch Erdgas gilt als Brückenbrennstoff, sei aber für die stabile und sichere Versorgung elementar. "Einen überstürzten Gas-Ausstieg lehnt EWE daher ab", betont der Leiter. Widersinnig wäre dabei vor allem, die Erdgasnutzung vorschnell herunterzufahren, gleichzeitig jedoch Kohlekraftwerke bis 2038 weiter laufen zu lassen.
"Außerdem kann die Technik angepasst werden, so dass zukünftig auch grüne Gase zum Einsatz kommen könnten." Die Oldenburger kaufen und setzen bereits immer mehr Biomethan in ihren Anlagen ein, um mit diesen umweltfreundlicher Wärme und Strom zu produzieren. Auch eine Beimischung von grünem, aus erneuerbaren Energien erzeugtem Wasserstoff ist möglich und perspektivisch denkbar.
"Schnelle klare Entscheidungen für mehr Investitionssicherheit"
Obwohl die EWE hinsichtlich der KWK umtriebig ist, betrachtet Raab die aktuellen Rahmenbedingungen kritisch. Insbesondere die Notifizierung des Kraft-Wärme-Kopplung-Gesetzes "nur bis 2026" verunsichert. "Es ist besonders schwer, langfristige Investitionsentscheidungen zu treffen. Wir appellieren daher an die Politik, schnell klare Entscheidungen für mehr Investitionssicherheit zu treffen", so der Leiter.
"In der Zukunft werden nachhaltige Konzepte etwa durch die CO2-Beteuerung konventioneller Lösungen wirtschaftlicher." Politische Rahmenbedingungen würden dabei die entscheidende Rolle spielen. "Für den Generationenvertrag müssen wir an diesem Hebel unbedingt ansetzen. Wir sind es den nachfolgenden Generationen schuldig", schließt Raab ab. (gun)



