Die von der Branche kürzlich angekündigte Preisplattform für Fernwärme-Anbieter soll voraussichtlich im April an den Start gehen. Das kündigte BDEW-Chefin Kerstin Andreae in einem Interview des Nachrichtenportals Table Media an. Mit dem Portal wollen BDEW, VKU und die Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW) Licht ins Dunkel der Fernwärme-Preise bringen. 150 Fernwärme-Unternehmen sollen laut Andreae dabei sein. „Damit decken wir nahezu den ganzen Markt ab.“
Mit dem neuen Angebot reagieren die Verbände auf Kritik an den Fernwärme-Preisen, bei denen es große Unterschiede gibt, die für die Kunden kaum nachvollziehbar sind. „Wir wissen, dass es bei der Transparenz der Preise ein Problem gibt“, lässt sich Andreae zitieren. „Die Vergleichbarkeit ist schwierig. Das wird die Brache jetzt angehen.“
BDEW: Verbraucher könnten profitieren
Die BDEW-Chefin hofft nach eigenen Worten, dass das neue Angebot auch zu niedrigeren Kosten für die Verbraucher führt. Diese können bei der Fernwärme, anders als bei Strom oder Gas, den Anbieter nicht wechseln. Sie ermutigte Verbraucher, sich gegen hohe Preise zu wehren. „Wer glaubt, zu viel zu zahlen, kann auch Einspruch erheben“, sagte die BDEW-Chefin. Die Kunden würden durch das Kartellrecht geschützt.
Lob kommt von Sebastian Jurczyk. Der Chef der Stadtwerke Münster schreibt auf LinkedIn, dass die Fernwärme ihr Potenzial für Klimaneutralität im Heizsektor nur dann erfüllen könne, wenn sie hohe Akzeptanz bei den Kundinnen und Kunden habe. „Die Rahmenbedingungen sorgen aktuell nicht dafür, dass der Fernwärmesektor für Verbraucherinnen und Verbraucher transparent und nachvollziehbar ist. Umso mehr freue ich mich, dass sich unsere Branche selbst auf den Weg macht. Maßnahmen, die die Akzeptanz dieser Zukunftstechnologie fördern und auch für Versorger mehr Klarheit schaffen, können zum Erfolgsfaktor für die kommunale Wärmewende werden.“ Die Stadtwerke Münster wollen sich an der Transparenz-Offensive beteiligen, so Jurczyk.
Frage nach Erzeugung der Fernwärme soll beantwortet werden
AGFW-Präsident Hansjörg Roll hatte Anfang des Monats beim Infotag seines Verbands erläutert, dass Grundlage des Vergleichs „Standardfälle“ bei Einfamilien- aber auch Mehrfamilienhäusern sein sollen. Für mehr Durchblick wollen die Verbände laut Roll auch bei den Wärmenetzsystemen sorgen. Interessierte Bürger sollen auf einen Blick sehen können, welche Brennstoffe mit welchem Anteil zum Einsatz kommen.
Handlungsbedarf sieht die AGFW auch bei den Preisänderungsformeln, die für den Laien undurchschaubar sind. Beim Infotag zeigte sich, dass Begriffe wie der Grundpreis von den Versorgern teils unterschiedlich interpretiert werden. Eine weitere Baustelle sei die Vielfalt an Indizes, die die AGFW in Zusammenarbeit mit den Mitgliedsunternehmen deutlich reduzieren will.
Vorurteile abbauen
Nicht nur für Hansjörg Roll steht jedenfalls fest, dass die „Fernwärme eine erklärungsbedürftige Infrastruktur“ ist. Mit der „Transparenzoffensive“ sollen also auch Vorurteile gegenüber der Fernwärme abgebaut werden. Zu hohen Erwartungen an das angekündigte Portal erteilte Roll beim Infotag allerdings eine Absage. „Es wird am Ende nicht überall den gleichen Preis für die Fernwärme geben. Da muss man realistisch bleiben.“ Zu unterschiedlich seien die Voraussetzungen vor Ort.
Bei Wirtschaftsminister und „Fernwärme-Fan“ Robert Habeck rannte der AGFW-Chef mit seinen Ankündigungen offene Türen ein. Der Grünen-Politiker erwägt ohnehin, rechtliche Vorgaben bei der Ermittlung von Fernwärmepreisen zu ändern. Konkret nannte Habeck die Kopplung der Fernwärmepreise an den Durchschnitt der Preise fossiler Energien. Das mache „für die Zukunft“ keinen Sinn, so der Minister. (amo)



